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Review: Trinacria
 
TRAVEL NOW JOURNEY INFINITELY

Album:
 TRAVEL NOW JOURNEY INFINITELY, 2008, Indie Recordings

Stil:
 Experimental Black Metal, Noise

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 S.J., 15.05.2008

Review:
 Trinacria ist ein norwegisches Band-Projekt, bestehend aus Mitgliedern von Enslaved und Fe-Mail. Letztere sagen mir spontan nichts, sind aber auch nicht im Metal, sondern Recherchen nach im Noise Bereich einzuordnen, und so wohl den meisten Metallern nicht unbedingt geläufig. Anders verhält es sich da mit Enslaved, deren Viking Metal schon bisweilen hohe Wellen schlägt und nicht nur Black Metal Kennern durchaus ein Begriff sein sollten.
Was kommt nun also heraus, wenn man Black Metal und Noise kombiniert? Auf jeden Fall lange Songs. TRAVEL NOW JOURNEY INFINITELY besteht dementsprechend aus gerade mal sechs Titeln.

Der erste, "Turn away" klingt sehr geräuschhaft ein. Elektronik, kombiniert mit einem monotenen Drum-Schema. Kurz darauf setzen auch die Gitarren ein, sehr doomige, heavy Riffs. Dissonant aufgebaut, setzt sich die monotone Spielweise fort. Von wirklichem "Gesang" kann selbst für Black Metal Verhältnisse nicht unbedingt die Rede sein, zu atmosphärisch, krächzend und mit Effekten, Feedback und Echo versehen kommen die stimmlichen Klänge zäh aus den Boxen gekrochen. Nach über neun Minuten bleibt nichts wirklich im Ohr hängen, was hier wohl aber beabsichtigt ist. Für ungeübte Ohren dürften gerade die letzten Minuten von "Turn away" bisweilen schwer zu ertragen sein. Diese erinnern nämlich stark an die frühe Effektkreischerei der Zombies im Finale von "Tanz der Teufel (Evil Dead)".
Schnitt. Szenenwechsel. "The Silence" ist entgegen dem Titel keineswegs ruhig. Flottes Drumming trifft auf typische Black Metal Mollakkorde. Typischer Black Metal, will man meinen. Allerdings wechselt dieser sich in den nächsten Minuten stetig mit Noise-Elementen ab, und zwar wirklich abrupt, kreischend und für einen klassischen Metalfan wie mich bisweilen auch sehr schmerzhaft. "Schund", könnte man meinen, wären nicht auch diese atmosphärischen geflüsterten Parts drin, welche die Metal Einflüsse darstellen und die Songs auch wieder richtig spannend werden lassen. Man weiß nicht, was einen als Hörer als nächstes erwartet, und das macht "The Silence" so spannend. Verstörende, aber doch fesselnde Schönheiten, umgesetzt in eine beeindruckende Klangwelte, oder Geräuschkulisse, ganz wie man will.
Fies kreischend beginnt "Make no Mistake", kurz darauf aber abgelöst von mächtig Druck entfachenden Black Metal Riffs. Grutle Kjellsons Gesang ist diesem angepasst, die Noise Elemente sind hier nur stellenweise untermalend eingefügt. Insgesamt wohl der Song des Albums, der klassischen Enslaved Fans am ehesten gefallen sollte.
Ganze zehn Minuten Zeit nimmt man sich anschließend für "Endless Roads". Nach erst einer knappen Minute steigt dieser atmosphärisch, gleichmäßig und weitaus weniger stürmisch als sein Vorgänger ein in's Geschehen. Gerade die hintergründigen Noise Elemente sind es, die das gleichmäßige Achtel-Akkordspiel die nächsten drei Minuten über nicht langweilig werden lassen, bis der Song schrittweise an Dramatik zulegt und auch die Vocals einsetzen. Durch die durchschimmernden Keyboardklänge bekommt das Ganze einen leicht epischen Touch, wenngleich sich dieses romantische Epik-Gefühl selbstredend beim Hörer nicht einstellt. Zu abstrakt wirkt alles hier Hörbare nach wie vor.
"Breach" beginnt mit dem Wechselspiel beider Gitarren, bis anschließend wieder wuchtige und schleppende Drums einsetzen. Die Dissonanzen erzeugen durchaus wirkungsvoll eine gespenstische Atmosphäre, welche zusätzlich durch wechselnde Lautstärken, sowohl zwischen linkem und rechtem Lautsprecher, als auch durch die Abstimmung der einzelnen Instrumente untereinander verstärkt wird.
Zum Abschluss der Titeltrack: "Travel now Journey Infinitely". Dieser ist sogar mit weiblichen Background Vocals ausgestattet und ist überraschend klar und eingängig. Trinacria beweisen nun also doch noch, dass sie durchaus auch ein Gespür für Harmonien und Schönheit haben. Sie können sich also nicht nur rau, kratzig und hässlich präsentieren, und das ist eine schöne Erkenntnis nach einem durchaus interessanten, bisweilen aber auch anstrengenden Album.

Fazit: Ein vielschichtiges aber auch anstrengendes Album haben Trinacria mt TRAVEL NOW JOURNEY INIFITELY geschaffen. Viele mögen beim elektronischen "Krach" schnell wegschalten um dem Chaos zu entgehen. Versucht man allerdings sich darauf einzulassen, entdeckt man ein durchweg interessantes Album, das mit vielen Überraschungen aufwartet. Ein für extreme Musik halbwegs vorbelastetes Gehör ist wohl dennoch erforderlich, um Gefallen an dem Projekt zu finden.

Titel-Liste:
 
  1. Part I: Turn away
  2. Part II: The Silence
  3. Part III: Make No Mistake
  4. Part IV: Endless Roads
  5. Part V: Breach
  6. Part VI: Travel Now Journey Infinitely

Laufzeit:
 47:13 Min.

Band-Infos:
 
  • www.myspace.com/trinacriamusic 


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