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Review: Tristania
 
RUBICON

Album:
 RUBICON, 2010, Napalm

Stil:
 Gothic Metal

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 S.M., 22.09.2010

Review:
 Tristania sind eine der etabliertesten Gothic-Metal-Acts. Dadurch sind die Erwartungen an die Band auch wesentlich höher als es beispielsweise bei einem Genre-Newcomer wäre. Und so bin ich gespannt, ob RUBICON, das inzwischen sechste Full-Length-Album der Norweger, den Erwartungen entspricht.

Der Opener "Year of the Rat" hinterlässt durch die verströmte Energie, den eingängigen Aufbau und die gelungene Melodie schon mal einen guten Eindruck.
"Protection" geht wesentlich mehr in die Tiefe und ist insgesamt auch besinnlicher. Wenn es dann beim Höhepunkt intensiver wird, passt das gut und lässt diesen ordentlich thronen. Eine aufwühlende Phase mit harschen Vocals bringt weitere Abwechslung in den Song ein. Es ist ein gelungener Kontrast zum sonst eher emotionalen Konstrukt.
"Patriot Games" beginnt mit männlichem Gesang, allerdings mit cleanem (dafür zeichnet wohl Neumitglied Kjetil Nordhus verantwortlich). Der Aufbau ist eher gemächlich, dynamisiert sich dann aber und Mariangelas Stimme kommt zu einer Duett-Passage hinzu, die sich dann auch wiederholt. Das setzt weitere Akzente, auch die sich regelmäßig verändernden Intensitäten dieses Songs. Später hat Mariangela dann auch noch einen kurzen Solo-Part, aber die Duett-Variation ist die Essenz dieses Tracks.
Mit "The Passing" folgt ein großteils emotionaler Song, der nur durch ein paar Riffs ab der Mitte etwas mehr Energie erhält. Den Aufbau finde ich aber kitschig und den Song allgemein ziemlich langweilig.
Ein weiterer zu einförmiger Song ohne interessante Aspekte ist "Exil". Es gibt zwar wechselnde Gesänge von Kjetil und Marangela, doch können diese das Stück nicht aus dem Kitsch-Gothic-Sumpf ziehen.
Auch "Sirens" setzt viel auf Emotionalität, geht im Aufbau aber schön in die Tiefe und hebt sich dadurch qualitativ von seinen beiden direkten Vorgängern ab. Der Gesang von Kjetil wird mit zunehmender Dauer auch immer besser und ausdrucksstärker, was hier sehr positiv zum tragen kommt. Er übernimmt bei dem Track den Hauptgesangspart.
Bei "The emerald Piper", dem Bonustrack der limited Edition, steht endlich mal wieder die Energie im Vordergrund und rechtfertigt die Bezeichnung Metal. Die Duett-Variation von Mariangela und Kjetil kommt hier wieder zum Einsatz und funktioniert sogar noch besser als zuvor.
Das tiefgründige "Vulture" wechselt progressiv zwischen ruhigeren und energetischeren Phasen. Neben cleanem männlichen Gesang kommen diesmal wieder harsche Vocals vor, die die energetischen Abschnitte zusätzlich intensivieren.
Zurück auf hauptsächlich emotionalen Pfaden bewegt sich "Amnesia", driftet mit leichten folkigen Anleihen aber niemals in schnulzige Bereiche ab, sondern erhält durch den Einsatz einer Violine neue Ideen und einen bezaubernden Beiklang.
Richtig eingängig und stimmungsvoll präsentiert sich "Magical Fix" und geht einwandfrei ins Ohr. Das Beste haben sich Tristania aber bis zum Schluss aufgehoben: der Longtrack "Illumination" ist sehr vielschichtig, überzeugt aber in allen Phasen, bringt tolle Melodien ein und rückt auch noch mal die neuen gesanglichen Möglichkeiten der Band in den Vordergrund.

Fazit: Tristania tun sich ein bisschen schwer, bei anderen Top-Playern des Genres den Anschluss zu halten. Insgesamt ist RUBICON ein solides Album, doch sind nur wenige Songs wirklich richtige Hits und zwei richtig schwache Tracks schleichen sich auch ein. Die Qualität einiger Stücke erschließt sich erst nach mehrmaligem Hören, was in dem Genre jedoch nichts Ungewöhnliches ist. Ich kann aber nur wenig entdecken, das mich wirklich zu fesseln versteht.
Sicherlich waren einige Line-Up-Umstellungen eine Herausforderung, und diese haben Tristania ordentlich gemeistert. Und die gesanglichen Variationen, die ihnen jetzt zur Verfügung stehen, heben sich zweifellos von der Masse ab. Im Songwriting ist mir das Niveau aber ein wenig zu wechselhaft. Es wird kein durchgehend gutes Level gehalten. Wahrscheinlich werden Anhänger der Band meine Meinung nicht teilen, doch ich glaube, Tristania können eigentlich noch mehr, als sie auf RUBICON gezeigt haben.

Titel-Liste:
 
  1. Year of the Rat
  2. Protection
  3. Patriot Games
  4. The Passing
  5. Exil
  6. Sirens
  7. The emerald Piper
  8. Vulture
  9. Amnesia
  10. Magical Fix
  11. Illumination

Laufzeit:
 50:18 Min.

Probehören und Kaufen:
Tristania: RUBICON (Ltd.)

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