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Review: Turisas
 
THE VARANGIAN WAY

Album:
 THE VARANGIAN WAY, 2007, Century Media

Stil:
 Viking Metal

Wertung:
 7 von 7
7 von 7 Punkten
 S.M., 30.09.2007

Review:
 Bereits mit ihrem Debüt Battle Metal machten Turisas 2004 auf sich aufmerksam. In der Fachpresse wurde das Album hochgelobt und mit dem Plattennamen legte man gleich noch die Bezeichnung für den Musikstil fest.
Mit THE VARANGIAN WAY legen die Finnen anno 2007 nun ihre zweite Scheibe vor. Die Lyrics von THE VARANGIAN WAY erzählen die Geschichte über die Reise einer Wikinger-Horde von Skandinavien durch das Baltikum, Russland und über das Schwarze Meer bis hinunter nach Miklagard (Byzanz/Konstantinopel), wobei folkloristische Einflüsse der entsprechenden Gegenden in die Songs integriert wurden.
Das Line-Up der Finnen, die gerne auftreten, als seien sie direkt aus dem Film "Der 13. Krieger" entsprungen:
Warlord Nygård -(Vocals, Keyboards), Jussi Wickström - (Akustik-/E-Gitarre), Hannes Horma - (Bass), Olli Vänskä - (Violine), Lisko Mäkinen - (Akkordeon), Tude Lehtonen - (Drums)

Gleich der Opener "To Holmgard And Beyond" lässt mich aufhorchen. Ich war auf vieles gefasst, doch eine Bombast-Hymne, die sogar Rhapsody erblassen lässt, hätte ich nun wirklich nicht erwartet. Symphonic Metal kombiniert mit typischem Viking-Sound. Im Mittelteil Akkordeontöne und Männerchorgesang, bevor es zum Ende hin wieder hymnisch wird. Etwa das beste Stück gleich zu Anfang?
"A Portage to the Unknown" kommt dann mit einem Akkordeon-Intro, welches von einer melodischen Hookline abgelöst wird. Auch hier bekommen wir Super-Choräle und perfektes Instrumentenzusammenspiel präsentiert. Im weiteren Verlauf wird kurz der Death Metal-Bereich angeschnitten, doch nach erneutem Akkordeon-Zwischenspiel wird es wieder sehr episch.
Wenn es so weitergeht, kommt für die Scheibe nur sieben Points in Frage. Nach kurzem Schmiede-Gehämmer-Intro startet "Cursed be Iron" mit Black Metal-Sound und Growls. Diese wechseln sich mit langsamen Folk-Metal-Einsätzen ab. Über allem thront der einzigarte Gesang von Warlord Nygård, der mit allen Oktaven glänzend klarkommt. Absolute Wahnsinnsstimme!
Bei "Fields of Gold" wird dann die Epik der ersten beiden Stücke mit Black Metal-Vocals dargeboten. Lediglich beim Refrain wird der Gesang klar und auch dieser Mix passt prima. Dazwischen Militär-Marsch-Töne mit Flötenspiel, um dann als Melodic Metal-Hymne zu enden.
Mit einem ungewöhnlichen Intro beginnt "In the Court of Jarisleif": Klingt wie eine Party in einem orientalischen Nomadenlager mit Musik und Besäufnis. Hier kommt wieder das Akkordeon - diesmal unterstützt von Violine - zum Einsatz. Diese Nomadenparty mündet in ein munteres Folk-Metal-Stück, das immer mal wieder von Solis der beiden genannten Instrumente unterbrochen wird und die sich zum Ende hin einen wahren Zweikampf liefern. Sehr ungewöhnlich und innovativ, aber durchaus ein weiterer Glanzpunkt dieses außergewöhnlichen Albums.
Akustische Keyboard-Töne eröffnen "Fife hundred and one", in welchem sich Black Metal Growls mit klarem Gesang abwechseln. Die Musik dieses Tracks - getragen von Kunststreicher-Tönen - ist am ehesten im Melodic Power Metal anzusiedeln. Es ist das erste Stück, das auf mich nicht so richtig stimmig wirkt. Aber selbst Turisas können wohl nicht unentwegt volle 100 Prozent bringen. Zum Schluss hin können die Vocals und ein schöner Choral aber noch ein wenig retten. Naja, genau genommen kann man dieses Stück durchaus als hundert Prozent einstufen, alles andere lag bisher einfach deutlich darüber.
Von harten Riffs untermalte Fanfarentöne leuten "The Dnieper Rapids" ein. Der heisere Black Metal-Gesang wechselt sich diesmal mit weiblichem Choral ab. Musikalisch ist das Stück schwer einzuordnen, ich würde es fast als progressiv bezeichnen. Mal sehr hart, dann Break und plötzlich episch, dann wieder Black Metal-Riffs. Ist ausnahmsweise nicht so mein Ding.
Mit dem über acht Minuten langen "Miklagard Overture" endet diese fantastische Platte leider schon. Doch glücklicherweise tut sie dies genauso opulent, wie sie begonnen hat. Der Sound wird wieder von den epischen und symphonischen Hooklines bestimmt, und das Retorten-Orchester und die weiblichen Chöre laufen noch einmal zu Höchstform auf. Der Gesang ist größenteils rauh, nur in einigen kurzen akustischen Zwischenstücken singt Nygård klar, doch das passt bestens. Hier stimmt einfach alles. "Miklagard Overture" wird höchstens noch vom genialen Opener geschlagen.

Fazit: Es geht nicht anders. Dieses Album bekommt von mir die Höchstnote. Trotz der minimalen Ausrutscher bei Track 6 und 7 ist es das Genialste, das ich seit langem gehört haben. Falls Turisas da noch eins draufpacken können, werden sie definitiv die Bewertungsskala sprengen.
Obgleich ich für Turisas´ Musik weiterhin den Oberbegriff Viking Metal heranziehe, ist es doch viel mehr als das. Episch-melodischer-symphonischer-hymnischer Viking-Folk-Power-Metal mit leichtem Death/Black-Touch käme in etwa hin. Wobei die Death/Black-Metal-Anteile sparsam und klug eingesetzt werden, so dass durchaus die breite Hörermasse angesprochen wird. Turisas haben hier eine Metal-Oper sondergleichen geschaffen.
Es wird bisweilen behauptet, dass Turisas mit dieser Produktion ein bisschen in Richtung Charts geschielt hätten, den Viking-Stil verraten hätten und die Scheibe zu kitschig wäre. Ich finde, wer dies sagt, versteht nicht, dass sich die Band weiterentwickelt hat.

Anspieltipp:
 Eigentlich ist das ganze Album ist ein einziger Anspieltipp, aber im Besonderen "To Holmgard And Beyond", "Fields Of Gold" und "Miklagard Overture".

Tipp:
 Ich bin sicher, dass THE VARANGIAN WAY die Thyrfing-Anhänger ebenso anspricht, wie die Manowar- oder Rhapsody-Fans; die Viking-Freunde ebenso, wie die Liebhaber des True Metal und des Epic Metal. Im Viking Metal habe ich noch nichts Ähnliches oder gar ähnlich Gutes gehört. UNBEDINGTE KAUFEMPFEHLUNG!

Titel-Liste:
 
  1. To Holmgard and beyond
  2. A Portage to the Unknown
  3. Cursed be Iron
  4. Fields of Gold
  5. In the Court of Jarisleif
  6. Five hundred and one
  7. The Dnieper Rapids
  8. Miklagard Overture

Laufzeit:
 43:02 Min.

Band-Infos:
 
  • www.turisas.com 


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