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Review: Tyr
 
LAND

Album:
 LAND, 2008, Napalm

Stil:
 Viking Metal

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 J.G., 06.06.2008

Review:
 Wer schon beim Lesen der Track-Liste die Hände über dem Kopf zusammen schlägt oder die Nase rümpft, weil er/sie sich fragt: Von was reden diese Nordmänner eigentlich, der/die sei beruhigt. Anders wie bei Manowars Runen-Kryptik, die zur Entzifferung das Engagement eines Die-Hard-Fans bedurfte, haben die Farörer servicefreundlich gleich eine englische Übersetzung beigelegt. Dies zeigt aber auch, wie wichtig es ihnen ist, ihre Botschaften an den Fan zu bringen und nicht nur musikalisch zu überzeugen.
Auf ihrer mittlerweile vierten Drachenboot-Fahrt unterwegs in Sachen Viking Metal hat der Kaptain Heri Joensen diesmal einen etwas anderen Kurs gesteckt. Das Drachenboot ist bei weitem nicht mehr so spartanisch ausgestattet, wie bisher. Die Gitarren und auch die Rhythmusfraktion müssen sich durch deutlich mehr Themen- und Tempowechsel kämpfen. Griffige Hooklines wurden erheblich progressiver gestaltet. Jetzt bleibt zu überprüfen, ob das Boot trotz der Mehrbelastung den Tyr-Kurs beibehalten kann.

Mit volkstümlichem Gesang, Chor-Unterstützung und Violinen-Klängen beginnt die Reise mit "Gandkvæđi Tróndar" im mittleren Schlagzahl-Bereich. Schon hier bedient man sich einiger Breaks mit sehr deutlichen Themenwechseln. Sowohl stimmlich als auch spielerisch werden hier ganz schöne Wege quer über das Notenblatt zurück gelegen. Einfach strukturiert, eingängig oder gar ohne Schnaps verdaulich, klingt anders.
Es scheint recht starker Wellengang beim über zehn Minuten dauernden "Ocean" zu herrschen und das Notenblatt offensichtlich leicht verrutscht. Anders kann ich mir die leicht schrägen Töne nicht erklären. Innovativ hin oder her, das schmerzt mir in den Ohren. Erst wenn der Frontmann seine Arbeit aufnimmt, bessert sich die Sache etwas. Auf alle Fälle ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig. Das Gitarren-Solo wiederum erinnert fast ein Themen aus der Klassik.
Im starken Gegensatz zu seinem Vorgänger erscheint "Gátu Rima" für die Verhältnisse auf diesem Album schon fast zu griffig. Eine Hymne, die einfach mitreißt und leider so einsam im Meer der progressiven Strömungen steht. Für mich eindeutig das Highlight des Albums.
Wer glaubte "Ocean" sei lang gewesen, der hat "Land" noch nicht in einem Stück gehört. Mit mehr als sechzehn Minuten ist es ein wahrer Brocken, der auch nach mehrmaligen Durchläufen immer wieder Neues offenbart. Bis der Gesang beginnt liegen bereits zwei Breaks hinter uns und wird befinden und nun im dritten Themen-Komplex. Angenehm auch hier der klare Gesang von Kaptain Heri. Tempomäßig durchläuft der Song fast alle Geschwindigkeitsstufen inklusive Double-Bass und auch die Gitarren werden gefordert. Von treibenden Riffs bis hin zu gefühlvollen Soli wird jedes Bordmittel genutzt. Die melodischste hymnenartige Passage gibt es ab zwölf Minuten Laufzeit zu genießen.
Als Abschluss hat man sich für "Hail to the Hammer" entschieden - schon wieder. Offensichtlich hat man an dieser Hymne einen Narren gefressen, denn seit ERIC THE RED ist der Song ein gern gesehener Gast auf den Alben. Das ist auch der Grund, warum er eigentlich etwas aus dem Rahmen dieses Albums fällt, wenn gleich er trotz nordischer Schwere zu den wenigen leicht bekömmlichen Songs gehört.

Fazit: Das Album ist nicht für schnell Mal zwischendurch, dafür ist es einfach zu komplex. Hier bekommt man noch Viking Metal in seiner ursprünglichen Form geboten. Genau so wie er einst beschrieben wurde, gibt es bei Tyr keine ausschweifenden Folk-Einflüsse zu hören. Einzig der Opener enthält Violinenklänge und volksmusikalischen Gesang. Wer also Humppa für das nächste Grillfest sucht, ist bei diesem Album total falsch.
Auch wenn das Songwriting, und hier besonders die Lyrik, durchaus anspruchsvoll ausgefallen ist, so stehen sich progressive Ausflüge und eingängige Melodik oftmals im Weg. Ob ein Kompromiss in Richtung melodischerer Themen nicht etwas leichter zu vermarkten gewesen wäre, ist anzunehmen. Obwohl ich dem Progressive Metal nicht abgeneigt bin, hat mich im direkten Vergleich der Vorgänger RAGNAROK etwas mehr überzeugt.

Tipp:
 Wer unverfälschten und anspruchsvollen Viking Metal schätzt, der sollte sich hier eine Probesession gönnen.

Titel-Liste:
 
  1. Gandkvæđi Tróndar
  2. Sinklars Visa
  3. Ocean
  4. Gátu Rima
  5. Brennivin
  6. Fipan Fagra
  7. Valkyrjan
  8. Lokka Táttur
  9. Land
  10. Hail to the Hammer

Laufzeit:
 68:26 Min.

Band-Infos:
 
  • www.tyr.net 


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