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Review: U.D.O.
 
REV-RAPTOR

Album:
 REV-RAPTOR, 2011, AFM

Stil:
 Heavy Metal

Wertung:
 6,5 von 7
6,5 von 7 Punkten
 J.G., 07.05.2011

Review:
 Wo U.D.O. drauf steht, ist auch 100% U.D.O. drin! Darauf können sich die Fans des Stoppelkopfs in Military-Lock mit unverkennbarer Kreischstimme verlassen, seitdem Udo Dirkschneider 1986 seine Band Accept verließ und sein eigenes Ding fortführte. Er war der Einzige, dem es egal war, ob Accept nun das Radio erobert oder nicht. Als Konsequenz ging er Solo und feierte mit seinem Debüt ANIMAL HOUSE 1987 einen Einstand nach Maß. Langlebigkeit, Integrität und Konstanz seien die Markenzeichen von U.D.O. heißt es im Anschreiben und das kann man nur unterschreiben, denn auch nach mehr als einem Dutzend Alben setzt der Neuling REV-RAPTOR konsequent fort, was 1987 begann. An der Seite seines ex-Accept-Kollegen Stefan Kaufmann bietet Reibeisenstimme Udo noch immer kompromisslosen Heavy Metal höchster Güte mit dem Flair der 80er.

Es wird nicht lange gefackelt. Hier sprechen wir von einem Heavy Metal-Album und entsprechend zeigt der Opener und Titeltrack "REV-Raptor" die Marschrichtung. Druckvolle Riffs schieben mächtig nach vorne unterstützt von Udos unverkennbarem Organ und der Gitarrenfront mit Stefan und Igor, die mit Solo-Einlagen auch ein gewichtiges Wörten mitreden dürfen. Das alles setzt auf eine unerschütterliche Basis, denn Fitty am Bass und Francesco hinter der Schießbude sind jeder rhythmischen Herausforderung spielend gewachsen.
Schon von der gleichnamigen EP bekannt, fügt sich "Leatherhead" nahtlos in die Trackliste des Albums und spielt mit nahezu allen U.D.O.-Trademarks, die man über die Jahre lieben gelernt hat. Treibender forcierter Takt, schneidende Riffs, markante Stimme, fette Chöre und eine metallische Härte, die dem Genre auch den Namen gegeben hatte. Aber das ist natürlich noch Luft nach oben, wie uns gleich Track drei beweist...
Dampfwalzengleich wird bei "Renegade" erst plattgewalzt und dann gefragt. Forciertes Power-Drummingschraubt den Systemtakt in die Höhe und bombardiert gnadenlos die ersten Reihen, bevor die Gitarren ihre Salven abfeuern. Diesmal holt sich Udo auch gesangliche Verstärkung und so manche Zeile wird im Chor gesungen. Was dann als melodischer Gitarren-Ausritt beginnt, mutiert schnell zu einer beinharten Solo-Einlage, wie man sie in den letzten Jahren lieben gelernt hat.
Nach so viel Tempo ist eine Halb-Ballade durchaus erträglich. "I give as good as I get" zeigt Udo von einer eher ungewohnten Seite mit Mut zur textlichen Selbstkritik. Wäre da nicht der Vorgänger gewesen, der immer noch seine Adrenalin-Nachwirkungen spüren lässt, könnte man schon fast ins Heavy Metal-Träumen geraten. Na ja, so ganz kuschelig gestaltet sich die Sache dann doch nicht, wenn die Drums loslegen und die Bässe wummern. Und bevor sich der Puls wieder beruhigt und man sich das Gitarren-Solo reingezogen hat, ist es auch schon wieder Schluss mit "kuschlig".
Udo wäre nicht U.D.O. würde man nach diesem besinnlichen Intermezzo mit "Dr. Death" nicht gleich wieder eine Abrissbirne folgen lassen, die in bedrohlich hoher Drehzahl über den Köpfen kreist und gnadenlos Riffs in die Gehörgänge stanzt. Schon in kürzester Zeit ist man wieder auf dem gewohnt hohen Ardenalin-Level angelangt und kann sich bei Luftgitarre-Spielen austoben, wird es aber schwer haben, gegen Stefan oder Igor zu gewinnen.
Es leben die 80er Jahre, denn mit dem Mid-Tempo-Kracher "RockīNīRoll Soldiers" gelingt es Udo, sich mühelos selbst wiederzuerfinden, ohne dass es langweilig wird. Schon gefühlte tausend Mal gehört, aber immer wieder gut. Hier zuckt die Wade ganz automatisch, wenn sich Udos Kratzstimme gemächlich durch brachiale Riffwelten bewegt, diesmal sogar öfter am unteren Limit der Oktaven.
Mit gehörig Dampf im Kessel treibt "Terrorvision" die Riffs gnadenlos vor sich her und sorgt für gehörig Schweißflecken unter den Achseln, die schnell mit Flüssignachschub nach Kompensierung schreien. Genau so druckvoll agieren auch die Chöre im Refrain, bevor es ein wahres Gitarren-Gewitter als Instrumentaleinlage für Genießer gibt.
Kaum zu glauben, aber "Underworld" schafft es auch im niedrigen Tempobereich mit hymnischen Hooklineszu überzeugen und noch für Härte zu sorgen, die so manche Möchtegern-Metaller vermissen lassen. Was zählt ist hier Dichte und Intensität. Da braucht es kein künstlich aufgesetztes Highspeed-Getrommel, um als Heavy Metaller authentisch zu wirken.
Mehr Tempo und noch eine kräfigen Nachschlag bei der Härte liefert "Pain Man", der mit brettharten Rhythmen die Riffs nur so heraus prügelt. Klar, dass das Thema etwas düstergehalten wurde und auch die Gitarrenarbeit deutlich schneidender und schärfer ausfällt. 'Pain' man - was sonst?
So, das sollte genügen, genug gelesen. Jetzt ist "Hören" und "Abfeiern" angesagt, denn das Solinger Quintett hat unsere volle Aufmerksamkeit verdient.

Fazit: Was sich bereits 2007 mit MASTERCUTOR angekündigt hatte und mit DOMINATOR fortgeführt wurde, setzt sich konsequent mit REV-RAPTOR fort. U.D.O. haben sich nicht gewandelt, aber doch die musikalischen Entwicklungen der letzten Jahre nicht verschlafen. Ohne Verrat an sich selbst zu verüben setzen sie auf Evolution anstatt Revolution. Seien es ein paar neue Rhythmusideen, moderne Licks, zeitgemäße Texte oder auch kritische Betrachtungen des eigenen Schaffens in Form einer Halbballade. In jedem Fall hat die Vielfalt zugenommen ohne nur eine Spur an Härte zu verlieren. Von Abrissbirne "Dr. Death" bis hin zu bretthartem "Pain Man" darf immer noch der Headbanger abfeiern und wird sich auch kaum am flippig gestalteten Cover-Artwork in Comic-Style stören, denn der Inhalt zählt - und der ist unverändert erstklassig.
Wer immer noch nicht genug bekommen hat der kann sich noch die Sammlung mit der EP LEATHERHEAD aufpeppen, denn darauf sind noch zwei Non-Album-Tracks ein Video von "Leatherhed" und ein abgedrehtes Weihnachtsvideo zu finden, an dem auch Onkel Tom seine Freude hätte.

Anspieltipps:
 Temposünder "Terrorvision", Name ist Motto: "RockīNīRoll Soldiers", Halbballade "I give as good as I get" und U.D.O.-Trademark "Leatherhead" zeigen einen Teil der Bandbreite.

Tipp:
 Auch diesmal sollte sich U.D.O. dem Zuspruch seiner Fans sicher sein und wer im heutigen teilweise kruden Genremix auch mal wieder nach einer Konstante sucht, der wird bei REV-RAPTOR fündig.

Titel-Liste:
 
  1. REV-Raptor
  2. Leatherhead
  3. Renegade
  4. I give as good as I get
  5. Dr. Death
  6. RockīNīRoll Soldiers
  7. Terrorvision
  8. Underworld
  9. Pain Man
  10. Fairy Tales of Victory
  11. Motor-Borg
  12. True born Winners
  13. Days of Hope and Glory

Laufzeit:
 51:10 Min.

Probehören und Kaufen:
U.D.O.: REV-RAPTOR

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