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Review: Übergas
 
WIR SIND READY TO FIGHT

Album:
 WIR SIND READY TO FIGHT, 2010, Kirchhoff

Stil:
 Crossover

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 M.U., 02.09.2010

Review:
 Also es gibt schon lustige Bandnamen. Dazu gehört mit Sicherheit die Band Übergas. Was der Name auch immer bedeuten mag. Die Band gründet sich schon 1981 in Hamburg, Deutschland, genauer gesagt am 4. Mai. Die dreiköpfige Band, die optisch den Eindruck von Rappern machen, spielt einen energiegeladenen Crossover mit Tendenzen zum Heavy Metal. Es dauert aber fast eine Ewigkeit, bis ihr erstes Debütalbum 2008 erscheint mit dem vielsagenden Namen 4581, im Eigenvertrieb. 4581? Nach ein bisschen Grübeln bin ich raufgekommen: "4" (= 4. Tag), "5" (= 5. Monat) und "81" (= 81. Jahr) Also die Kurzform des Gründungstags. Echt raffiniert. Für das nächste Album WIR SIND READY TO FIGHT gründet der Sänger Krispin Kirchoff das hauseigene Label, welches auch unter seinem Namen firmiert: Kirchoff Recordings. Und somit ist der Weg frei für das zweite Album, das im Oktober 2010 auf den Markt kommen wird.

Der erste Song "Wir sind Ready to Fight" ist auch gleichzeitig der Titelsong. Der fängt auch gleich recht frech an. Richtig schön hart und heavy mit typischen Elementen des Crossovers. Eine sehr schöne treibende Gitarre, die auch tolle Soli spielen kann, gibt dem Song den richtigen Groove. Und um die Sache für den Hörer noch einfacher zu machen, singt man in deutsch.
Rockige, schon thrashige Gitarren leiten den nächsten Song "Das Beste aus zwei Welten" ein. Der Song ist einfach genial. Die Art zu spielen erinnert an einen ein bisschen an Paranoid von Black Sabbath, mit ihren damaligen düsteren und mystischen Stimmung. Bezogen auf den Titel könnte man meinen, der Song ist von einem andern Stern. Gerade die Wiederholungen der beeindruckenden Gitarrenriffs fallen besonders auf.
In die gleiche, wenn auch nicht so mystische, Kerbe schlägt der Song "Keine Zeit mehr". "Keine Zeit" ist eine schlechte Idee. Denn für den Song sollte man sich schon ein wenig Zeit nehmen. Der Rhythmus erinnert einen aber ehe an einen in voller Geschwindigkeit dahin galoppierenden Hengst. Das swingt, das groovt.
"Nicht mehr ich sein". Ein Song, der mit den stilistischen Elementen des Crossovers glänzt. Tendenziell zielt er eher in die härtere Neue Deutsche Welle. Aber das soll nichts schlechtes sein. So etwas wie die harte Ausgabe von Fehlfarben.
Mit "Wir feiern uns selbst" und "Unsere Wege" geht es weiter. Harter, aggressiv anmutender Rock a la 9mm ASSI Rock’n’Roll, die jedoch etwas fröhlicher daher kommen. In Großen und Ganzen sind die beiden Songs sehr ähnlich.
Mit einer Gitarre, die wohl aus den letzten Jahrhundert übrig geblieben ist, beginnt "Diese Nacht". Der Song ist sehr ruhig, eher balladenhaft mit vielen gefühlvollen Elementen. Man hört nur die notwendigste musikalische Unterstützung. Nicht so ganz passend zum übrigen Schema.
Dafür geht es mit "Wir dürfen" umso heftiger weiter. Der Song tendiert mal wieder in Richtung 80er. Die Gitarrensoli sind ein eindeutiges Indiz dafür. So spielte man einfach damals. Aber sie mischen alte und neue Stilelemente zu einer sehr guten Mixtur, die immer wieder zu überzeugen weiß.
Nicht "Lustig" ist der folgende Song. Auch wenn der Titel etwas anderes suggeriert. Da man die Texte sehr gut verstehen kann, kann keine Bezug dazu hergestellt werden. Klingt in Kombination eher sarkastisch. Aber das muss wohl so sein. Aber er hat irgendetwas, womit man ihn mögen muss.
"Zahltag" ist ein Zwischending aus Crossover und Ballade. Teilweise knallt es richtig rein, teilweise wird es sehr gefühlvoll und melancholisch ruhig. Der Song hat echt Potential sich einem in die Gehirnwindungen einzugraben, unterstützt durch die psychedelische Note im Song. Der ist einfach genial.
Böse und rotzig frech beginnt "Böse Energie". Gut, der Titel spricht Bände. Aber auch groovige und swingende Elemente sind vertreten. Allerdings bleibt man doch eher auf der härteren Linie.
Total aggressiv, so fast punkig frech klingt "Am Ende bleibt Euch Nichts". Man fühlt sich irgendwie in die alten Zeiten zurück versetzt. Cool!
Im ersten Moment musste ich bei "Immer" an Eisregen denken. Aber das war auch wieder schnell vorbei. Der Song klingt total nach BAP. Nur der kölnische Akzent fehlt. Also die Ähnlichkeit ist frappierend.

Fazit: Dass sich Übergas Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts gründen lässt sich musikalisch definitiv nicht leugnen. Da haben sich Einflüsse der Bands aus dieser Zeit tief in ihre Spielweise eingegraben, angefangen von Extrabreit bis Fehlfarben und andere Vertreter. Die Songs klingen manchmal, als habe man eine alte Schallplatte aus dem Archiv heraus geholt und auf dem Plattenspieler gelegt. Gerade die Mischung aus modernem Crossover und den "alten" Einflüssen machen das Album für Musikfans so interessant, die sich nicht gleich komplett einer Stilrichtung verschreiben und sich gerne einmal auf Experimentelles einlassen wollen oder können. Gerade das Alter der Band ist bestens dafür geeignet, sich an Zuhörer der "älteren" Generation zu wenden, wobei auch jüngere Hörer sich durchaus dafür begeistern können und durchaus dürfen. Es muss nicht immer Death oder Dark Metal sein. Es gibt auch noch vielfältige Alternativen, wie hier bewiesen wurde.

Anspieltipps:
 Definitiv der Titelsong "Wir Sind Ready To Fight". Dazu noch "Das Beste Aus Zwei Welten", "Keine Zeit Mehr", "Lustig", "Zahltag" und "Am Ende Bleibt Euch Nichts".

Titel-Liste:
 
  1. Wir sind Ready to Fight
  2. Das Beste aus zwei Welten
  3. Keine Zeit mehr
  4. Nicht mehr ich sein
  5. Wir feiern uns selbst
  6. Unsere Wege
  7. Diese Nacht
  8. Wir dürfen
  9. Lustig
  10. Zahltag
  11. Böse Energie
  12. Am Ende bleibt euch nichts
  13. Immer

Laufzeit:
 51:24 Min.

Band-Infos:
 
  • www.uebergas.com 

  • Probehören und Kaufen:
    Übergas: WIR SIND READY TO FIGHT

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