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Review: Üebermutter |
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Album:
Stil:
Wertung:
| |  6,5 von 7 Punkten | | M.W., 24.03.2008 |
Review:
| | 2006 gründete Luci van Org ihre Band Üebermutter, mit der sie der Männerwelt zeigen will, wer hier das Zepter in der Hand hält. Vom Musikbusiness hat sie durchaus Ahnung; bereits mit dem Duo Lucilectric und dem Hit "Weil ich ein Mädchen bin" kam sie 1994 groß raus. Neben der Musik lebt sie sich unter anderem als Autorin, Bassistin Songwriterin für Nena, Nina Hagen, etc., Musikproduzentin oder auch Schauspielerin aus.
Den Anfang von UNHEIL macht "Mäedchen TeilZwo". Gespenstische Streicher bilden das Intro, in das fließend ein dominantes Drumming und kraftvolle Gitarren einstimmen. Zur Strophe hin wird's dann ruhig. Luci van Org singt auf Deutsch über ihre Zeit als kleines Mädchen, das vor ihrem Vater in Angst lebt, weil er sie belästigte. Jetzt hat sich das Blatt gewendet und das "große" Mädchen rächt sich. Sehr melodisch aufgebaut. Die Vocals erinnern teils an Nina Hagen, teils auch an Rammstein.
Weiter geht es mit "Mutterherz", das sehr ruhig mit Keyboards startet und auch nur mit sehr zurückhaltendem Schlagzeug. Luci van Org zeigt hier ihre ganze Ausdrucksstärke in ihrer Stimme: mal ruhig und konzentriert und wenige Sekunden später extrovertiert. Der Text ist gewöhnungsbedürftig. Hier geht es um das Innenleben des Herzens einer Mutter. Besonders das Gitarrensolo ist empfehlenswert.
Mit nahezu gleicher Spiellänge schließt sich "Heim und Herd" an. Auch dieses Intro beginnt zunächst nur mit Synthesizern, geht aber bereits nach wenigen Augenblicken kraftvoll weiter durch das Einsetzen von Gitarren und Drums. Auf ironische Weise wird die altertümliche Rolle der Frau zu Hause am Herd dargestellt. Die Melodien sind eingängig, der Gesang hebt sich etwas hervor. Besonders der Reffrain bleibt im Ohr.
Als vierter Song begegnet uns nun "Am Anfang war das Weib". Diesmal kommen als neues Element Flöten hinzu, was den Beitrag in Kombination mit den Streichern aufwertet. Der Gesang ähnelt teilweise dem aus "Heim und Herd". Luci van Org will mit ihren Lyrics hervorheben, dass die Frau eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft ist, indem sie die Schöpfungsgeschichte umkehrt, "denn am Anfang war das Weib und sie sah, dass es gut war". Der Refrain ist ein echter Ohrwurm.
Auch im folgenden Track, "Wein' mir ein Meer", läuten Synthesizer den Song ein. Vom Aufbau und Klimax her erinnert mich das Stück an "Seemann" von Nina Hagen. Sehr guter Beitrag, unbedingt reinhören und aufs Outro gespannt sein!
Mit "Brenne!" feiern wir zum einen Bergfest der Scheibe, zum anderen hören wir hiermit auch den längsten Song von UNHEIL, der ganze 4:54 Minuten andauert. Dieses Intro ist ungewöhnlich und hebt sich deutlich von den vorherigen ab, was wohl vor allem am pressenden Drumming liegt, das Spannung erzeugt. Der Backgroundgesang von Mädchen ist gut und auch das Screaming macht das Stück zu etwas Besonderem, denn es verleiht ihm die nötige Eindringlichkeit.
"Gebäermaschine" klingt sehr heikel und auch hier gibt's zu Anfang wieder Streicher, aber nur wenige Sekunden. Das Drumming passt sich dem relativ abgehackten Gesang zu Beginn an. Vor allem die druckvolle Gitarre verdeutlicht die Einstellung, die die Lyrics verdeutlichen sollen: Die Frau wird auf fast sarkastische Weise wie ein Tier nur als Gebäermaschine angesehen, deren Aufgabe es ist, lediglich für Nachwuchs zu sorgen und diesen zu erziehen.
"Liebe ist Schmerz" klingt wie eine traurige Ballade und das Intro kreiert diesen Eindruck auch. Tiefe Streicher und melancholischer und besinnlicher Gesang im Sinne von ruhigen Rammstein-Tracks tragen dazu bei. Die Vocals können besonders durch die Melodieführung überzeugen. Luci van Org zeigt hier viele verschiedene Gesangsvarianten, die zwar immer ruhig sind, aber gut zwischen Traurigkeit, Ruhe und Empathie wechseln.
"Krieg!" baut einen sehr langen Klimax auf. Die Spannung wird erst mit einer Art Feuerwerksgeräusch und Sirenen beendet, die auch im Laufe des Songs immer mal wieder kurz eingeblendet werden. Das lyrische Ich erzählt von der inneren Unruhe, die es erfasst, wenn es nicht seinen Willen bekommt. Die Brutalität bricht aus seinem Inneren Heraus und die Kriegslust ergreift die Führung des Körpers. Die Lyrics sind in ihrer Zweideutigkeit fabelhaft geschrieben. Cooles Outro!
Der vorletzte Beitrag auf UNHEIL nennt sich "Ruhe sanft" und spricht ein völlig entgegen gesetztes Thema zu "Krieg!" an. Der Gesang ist sehr ruhig und lang gezogen. Streicher, Schlagzeug und Gitarren schaffen eine sehr melodische und imposante Atmosphäre. Der Text macht nachdenklich, ist aber nicht so schwere Kost wie zum Beispiel bei "Krieg!".
Der letzte Song ist zugleich auch der Namensgeber des Longplayers von Übermutter. Mit stampfenden Drummings kommt bei "Unheil!" noch einmal Schwung in die Platte. Der Hörer assoziiert damit das Marschieren von Truppen. Hier werden diejenigen stark kritisiert, die einfach mitlaufen, sich Befehle geben lassen und einfach nicht selbst über die eigenen Handlungen nachdenken, sondern das Gehirn ausgeschaltet haben. Der Song ist teilweise ziemlich Angst einflößend, aber sehr gut inszeniert. Die Lyrics bleiben hängen und werfen ein ganz anderes Licht auf Krieg und Frieden und er Welt, aber auch vor der eigenen Haustüre.
Fazit: Luci van Org überzeugt mit Ironie und Sarkasmus, aber vor allem auch mit viel Kritikfähigkeit. Der Gesang ist abwechslungsreich und zeigt viele Facetten. Es gelingt ihr, sowohl Traurigkeit als auch Empathie zu vermitteln. "Weil ich ein Mädchen bin" von 1994 hat rein gar nichts mehr mit ihrer jetzigen Musik zu tun und das ist auch gut so. Mit ihrer Ausdrucksstärke sowohl gesanglich als auch von den Melodien her, können Üebermutter es schaffen, sich als feste Größe in der Metalszene weiter zu etablieren. Einziges Manko der Scheibe sind die sehr ähnlich klingen Intros. |
Anspieltipps:
| | Mäedchen TeilZwo, Wein' mir ein Meer, Krieg! und Unheil! |
Titel-Liste:
| | - Mäedchen TeilZwo
- Mutterherz
- Heim und Herd
- Am Anfang war das Weib
- Wein' mir ein Meer
- Brenne!
- Gebäermaschine
- Liebe ist Schmerz
- Krieg!
- Ruhe sanft
- Unheil!
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Laufzeit:
Band-Infos:
| | www.uebermutter.com  |
Probehören und Kaufen:
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