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Review: Ulytau |
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Album:
| | TWO WARRIORS, 2009, iMusic Records |
Stil:
Wertung:
| |  6 von 7 Punkten | | J.G., 06.07.2009 |
Review:
| | Das Land, so groß wie Indien mit dem höchsten Gipfel von fast 7.000 Metern besitzt viel Steppe und ist mit seinen knapp 16 Mio. Einwohnern nur ziemlich dünn besiedelt. Leider sind weite Landstriche nicht nutzbar, da radioaktive Verseuchung vergangener Atomtests und Pestizit-Sand-Stürme aus dem langsam verlandenden Aralsees zu der unrühmlichen Altlasten von Kasachstan gehören. Ein Verdienst aus den Zeiten der ehemaligen Sowjetunion, die das Land auch deshalb so verlockend fand, weil sich dort 70% der gesammten Goldvorkommen befanden.
Umso erstaunlicher ist es, dass es den drei Musikern, der bildhübschen Violinistin Makanova Alua und ihren Mitstreitern dem Gitarristen Maxim Kichigin und Dombra-Spieler Erzhan Alimbetov gelungen ist, mithilfe von zusätzlichen Session-Musikern ihre Idee, einer eigenen Band zu realisieren und damit schon für jede Menge Aufmerksamkeit sorgen konnten. Die Ethno-Rocker wählten dabei eine recht eigenwillige Komposition aus modernen, folkloristischen und klassischen Themen. Umgesetzt wird das Ganze sowohl mit einer Rockbesetzung aus Gitarre, Bass und Drums als auch mit klassischen Instrumenten wie Klavier, Violine und Dombra.
Als Songs dienten Eigenkompositionen ebenso wie Stücke aus der Klassik und dem Folk. Das Ergebnis ist dabei durchaus interessant, flüssig, mitreißend und professionell umgesetzt. Und wer regelmäßig MTV Russland schaut, dem sollte die Band übrigens bereits über den Weg gelaufen sein...
Es beginnt mit Schlagzeug und rasend schnellen Violin-Klängen, die bei dem Opener "Adai" mit einer gesunden Rockhärte unterfüttern wurden. Schon hier zeigt sich, wie gut Rock und Klassik harmonieren. Schnell vergisst man dabei auch, dass es sich ausschließlich um Instrumental handelt.
Als Sohn eines Musikers im Orchester von San Marino erblickte der später zum Priester geweihte Antonio Vivaldi 1678 die Welt. Eine seiner Meisterwerke sind die vier Konzerte der Jahreszeiten, wovon den Meisten besonders der Frühling bekannt sein sollte. Ulytau haben sich jedoch nicht das erste, sondern "Concerto No. 4", den "Winter" zur Brust genommen. Das zunächst mit Synthie-Klängen startende Stück, bekommt die ersten Härtegrade mit dem Einsetzen der E-Gitarren und läuft spätestens mit der Violine zur Höchstform auf. Schnell vergisst man, dass der Gesang fehlt, so brillant übernimmt die Violine den Melodiepart.
Deutlich moderner erscheint hier "Rice Farmer" mit seiner Mischung aus traditionellen Elementen, dezenter rockiger Härte und orientalisch angehauchtem Flair mit klassischen Instrumenten.
Mit treibenden flotten Rhythmen präsentiert sich auch der Titelsong "Two Warriors" mit einer gekonnten Synthese klassischer Folklore-Themen, melancholischen Ausflügen und durch E-Gitarren dezent gehärteten Melodielinien. Nicht zum letzten Mal sorgt dabei das Dombra für östliches Flair.
"Toccata and Fuge" (genauer: Toccata and Fuge in D minor, BWV 565) führt uns zurück in Deutsche Lande, denn diesmal zeigt sich dass auch Johann Sebastian Bach mit einer Runderneuerung durchaus rocktauglich erscheinen kann. Allerdings konzentriert sich die Band dabei auf ca. vier Minuten des Hauptthemas, denn Bach hatte damals mehr als neun Minuten vorgesehen.
Später folgt mit "Turkish March" ein weiterer Klassiker. Diesmal hat man sich dem bekannten Klavierstück von Mozart angenommen, welches zunächst recht ungewöhnlich mit funky Gitarren startet, bevor Violine und Dombra die Oberhand gewinnen. Solo aus Gitarre und Violine hört man zumindest nicht alle Tage und ich bin mir sicher, dass bei diesen Klängen auch der Urheber "Wolferl" Amadeus ein paar Freudensprünge hinlegen würde.
Mit gewisser Stiloffenheit wird man sicher auch noch den nachfolgenden Stücken, wie dem Folk-Song "Yapyr-Ai" aber auch dem recht hart treibenden orientalischen "Teriskakpai" oder dem intensiven und leicht melancholischen Schlussakt "Kokil" etwas abgewinnen können.
Fazit: Da ich zwischendurch immer wieder in mein Fach mit Klassik greife und da meine ich jetzt nicht Deep Purple, Beatles oder Led Zeppelin, fiel es mir leicht, mich mit den Stücken der Kasachen Ulytau anzufreunden, die vorallem mit technischem Geschick am Instrument voll punkten können. Einmal mehr zeigt sich dabei, dass Klassik und Rock bzw. Metal keinesfalls ein Wiederspruch sein müssen. Spätestens nach dieser Scheibe sollte uns klar sein, Bach wäre heutzutage ein waschechter Rocker, Beethoven würde dem Heavy Metal frönen und Mozart, ja der wäre vermutlich ein Punk - was auch sonst. |
Anspieltipps:
| | Neben den Klassikern "Winter", "Toccata and Fuge" und "Turkish March" noch der Opener "Adai" und das orientalische "Teriskakpai". |
Tipp:
| | Wer gerne mal eine Mischung aus Apocalyptica und Korpiklaani oder Skyclad erleben möchte, der sollte sich diese Scheibe genauer anhören. |
Titel-Liste:
| | - Adai
- Winter
- Rice Farmer
- Two Warriors
- Toccata and Fuge
- Ata Tolgauy
- Turkish March
- Yapyr-Ai
- Teriskakpai
- Kokil
- - - Bonus Video - - - - Two Warriors
Webwheel zum Probehören  |
Laufzeit:
Band-Infos:
| | www.ulytau.com  |
Probehören und Kaufen:
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