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Review: Unsun |
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Album:
| | CLINIC FOR DOLLS, 2010, Mystic Production |
Stil:
Wertung:
| |  4,5 von 7 Punkten | | V.R., 23.01.2011 |
Review:
| | Aus unserem polnischen Nachbarland schaffen es nicht unbedingt viele Veröffentlichungen zu uns herüber. Klar, eine Band wie Vader kennt jeder, aber sonst? Mir fallen spontan noch die Gothic Metal-Band Sacriversum ein, von der man leider schon lange nichts mehr gehört hat, außerdem noch die Power Metal-Bands Crystal Viper und Privateer. Und neuerdings auch Unsun, bei denen es sich um die Band des ehemaligen Vader-Gitarristen Maurycy "Mauser" Stefanowicz handelt. Aushängeschild der Band ist allerdings nicht er, sondern Sängerin Anna "Aya" Stefanowicz, die mit ihrer kindlich-poppigen und ganz und gar unmetallischen Stimme sicherlich nicht ausschließlich für Wohlgefallen, aber doch in jedem Fall für Aufmerksamkeit sorgen wird. Und was bieten Unsun musikalisch? Am ehesten bezeichnen lässt sich der Stil als Gothic Metal, allerdings nicht im klassischen Theatre of Tragedy-Sinne, sondern viel mehr handelt es sich um eine modernere Spielweise, die mitunter an Evanescence oder auch an die eine oder andere Symphonic Metal-Band wie Within Temptation erinnert. So weit so interessant, aber taugt das zweite Album CLINIC FOR DOLLS auch was oder werden Unsun schnell wieder in Vergessenheit geraten?
Der erste Song "The lost Way" sorgt jedenfalls schon mal nicht unbedingt für Begeisterung. Sicher, die Musiker, insbesondere Gitarrist Mauser, verstehen ihr Handwerk, doch irgendwie plätschert der Titel trotz des flotten Tempos ein wenig dahin. Ayas Stimme ist zudem doch recht gewöhnungsbedürftig, sie kann zwar durchaus singen, doch passt ihr Organ nicht immer zur Musik. Mehr als Mittelmaß ist für den Opener daher nicht drin.
Schon deutlich besser ist dagegen der Titelsong "Clinic for Dolls", bei dem das Tempo noch mal ein ganzes Stückchen nach oben geschraubt wurde. Eigentlich würde es sich sogar um einen guten bis sehr guten Titel handeln, wäre da nicht der stellenweise merkwürdig verfremdete Gesang inklusive Stimmenverzerrer. Glücklicherweise wird dieser Effekt so sparsam eingesetzt, dass dieser Kritikpunkt nicht allzu sehr ins Gewicht fällt, daher kann man sich mit dem Titel nach mehrmaligem Hören auch gut anfreunden. Insgesamt handelt es sich nämlich um durchaus soliden und professionell gemachten Gothic Metal moderner Prägung.
Gleiches gilt auch für "Time", wobei Unsun das Tempo hier ein ganzes Stückchen nach unten bis in Midtempogefilde geschraubt haben und sich eher von ihrer etwas softeren Seite zeigen. Zudem hält sich die Band hier mit modernen Spielereien weitgehend zurück und legt das Hauptaugenmerk auf durchdachte Songstrukturen und eingängige Melodien. Somit ist es nicht von der Hand zu weisen, dass wir es hier mit dem bisher besten Song des Albums zu tun haben.
Und an diesem Zwischenfazit kann der nächste Titel namens "Mockers" auch nicht viel ändern, handelt es sich dabei doch um einen bestenfalls mittelmäßigen Song, der stark in Gothic Rock-Gefilden wildert und, von der einen oder anderen ganz netten Idee mal abgesehen, nicht viel zu bieten hat.
Glücklicherweise ist "Not enough" wieder ein ganzes Stück besser geraten und kann den Hörer mit harten Gitarrenriffs und eingängigen Ohrwurmmelodien schnell auf seine Seite ziehen. Sogar die modernen Effekte fallen hier nicht negativ ins Gewicht, sondern werten den Titel noch zusätzlich auf, da sie gut ins Gesamtbild passen.
Mit "The last Tear" enthält CLINIC FOR DOLLS auch eine waschechte Pianoballade. Diese ist allerdings nicht sonderlich spannend geraten, sondern fällt eher in die Rubrik ‘kitschig und überflüssig’. Für einen Kuschelrock-Sampler wäre der Titel zwar sicherlich geeignet, doch darüber hinaus fehlt es dem Song eindeutig an Spannung und Tiefe.
Umso gelungener ist wiederum das nächste Lied "Home". Was dem letzten Song an Abwechslung fehlte, ist hier dank eines durchgehenden Spannungsbogens zu Genüge vorhanden. Der Titel ist eindeutig im Gothic Metal-Bereich zu verordnen, verschließt sich aber nicht vor gelegentlichen Ausflügen in den Pop-Bereich und hält die eine oder andere positive Überraschung bereit. Lediglich der Stimmenverzerrer, welcher während der Bridge zum Einsatz kommt, hätte nicht unbedingt sein müssen.
Weiter geht es mit "I ceased". Lassen die ersten Klänge während des Intros noch auf eine weitere Ballade schließen, relativiert sich dieser Eindruck glücklicherweise schnell. Ganz im Gegenteil, Unsun legen hier ein ordentliches Tempo vor und schrecken auch vor härteren Elementen nicht zurück. Da der Titel zudem mit eingängigen Melodien gesegnet ist, schlägt er eindeutig auf der Positiv-Liste des Albums zu Buche.
Auf zwei Volltreffer folgt mit "A single Touch" leider wieder ein eher mittelmäßiger Titel. Dieser Song ist einfach zu poppig geraten und erinnert stark an die Lieder der Band Evanescence. Für Fans poppiger Chartsmusik mag das ansprechend klingen, aber für Gothic Metal-Verhältnisse ist der Titel recht seicht geraten.
Zum Abschluss erwartet den Hörer mit "Why" noch ein ziemlich moderner Song, der zwar nicht schlecht, aber recht gewöhnungsbedürftig ausgefallen ist, da die modernen Soundspielereien stark zu Lasten einer sinnvollen Songstruktur gehen. Zudem sind die Melodien eher belanglos ausgefallen, so dass man sich für dieses insgesamt doch durchaus gute Album einen würdigeren Abschluss gewünscht hätte.
Fazit: Zehn Titel enthält CLINIC FOR DOLLS – fünf davon sind sehr gelungen, die anderen fünf dagegen weniger. So halten sich gute und weniger gute Songs absolut die Waage und das Gesamtergebnis müsste demnach ‚mittelmäßig’ lauten. Dennoch würde ich CLINIC FOR DOLLS den Stempel ‚gut’ verpassen, da der Gesamteindruck nach dem Hören ein eher positiver ist und die Negativseiten letzten Endes doch nicht so stark ins Gewicht fallen wie die positiven. Zudem merkt man schnell, dass professionelle und routinierte Musiker hinter der Band stecken, die die eine oder andere Schwäche mit ihrer Spielkunst durchaus ausgleichen können. Wenn man sich erst mal an den poppigen Gesang gewöhnt hat, dann kann man also durchaus seine Freude mit diesem Album haben – vorausgesetzt, man mag modernen Gothic Metal mit Hang zu technischen Spielereien. |
Anspieltipps:
| | "Clinic for Dolls", "Time", "Not enough", "Home", "I ceased" |
Tipp:
| | Gothic Metal-Fans, die mit moderneren Klangspielereien keine Probleme haben, können hier genauso reinhören wie Fans poppigerer Bands der Marke Evanescence. |
Titel-Liste:
| | - The lost Way
- Clinic for Dolls
- Time
- Mockers
- Not enough
- The last Tear
- Home
- I ceased
- A single Touch
- Why
|
Laufzeit:
Band-Infos:
| | www.myspace.com/unsunmusic  |
Probehören und Kaufen:
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