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Review: Vanden Plas |
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Album:
| | THE SERAPHIC CLOCKWORK, 2010, Frontiers |
Stil:
Wertung:
| |  7 von 7 Punkten | | U.B., 12.12.2011 |
Review:
| | Vier Jahre waren seid dem letzten Album CHRIST 0 ins Land gegangen bis mit THE SERAPHIC CLOCKWORK das siebte Album der Prog Metaller aus Kaiserslautern erschien. Konnten bereits die ersten Alben durch große technische Fertigkeiten überzeugen so hat die Band mit CHRIST 0 aus meiner Sicht geradezu einen Quantensprung hingelegt und sich, gerade was die Kompositionen betrifft, nochmals verbessert. Ein Werk das kaum zu überbieten ist. Stimmte auf diesem Konzeptalbum doch einfach alles, Prog vom Feinsten, eine tolle Geschichte, lange Spielzeit und ein grafisch aufwändiges Booklet ließen die Augen jeden Progressive Metal Fans strahlen. Da tritt THE SERAPHIC CLOCKWORK, das engelsgleiche Räderwerk, ein schweres Erbe an. Es ist erneut ein Konzeptalbum geworden. Andy Kuntz der Sänger hat durch sein Engagement bei verschiedenen Rock Musicals unter anderem Jesus Christ Superstar, Hair und nicht zu vergessen die eigenen Rock Musicals von Vanden Plas, Abydos und Ludus Danielis die schon am Pfalztheater in Kaiserslautern aufgeführt wurden, perfekte Voraussetzungen eine packende Story zu schreiben. Der Protagonist, Tios ein Uhrmacher im 16. Jahrhundert in Rom, leidet unter dunklen Visionen. Mit Hilfe der geheimnisvollen Mia findet er in den Katakomben unterhalb Roms das Buch The Seraphic Clockwork von 450 vor Christus. In Tios Welt ist Jesus nicht am Kreuz gestorben da durch eine Intrige des Teufels Judas keinen Verrat begangen hat und so wurde die Menschheit auch nicht durch den Tod von Christus erlöst. So versucht der Teufel die Macht zu übernehmen. Durch die Anleitung in alten Schriften baut Tio eine Zeitmaschine, angetrieben durch die Kraft einer Windmühle und reist ins Jerusalem 33 Jahre nach Christi Geburt und schlüpft in die Rolle des Judas, damit Christus am Kreuz die Menschheit retten kann.
Ultra harte Gitarrenriffs eröffnen "Frequency". Eine unterschwellig düstere, bedrohliche Stimmung zieht sich durch den ganzen Song und spiegelt die finsteren Visionen Tios musikalisch prima wieder. In der Mitte folgt ein ruhiger Abschnitt mit Streichern (ob Synthie oder echte Streicher kann ich nicht sagen) und Piano, abgelöst durch aggressive Gitarren die in ein melodisches Keyboardspiel übergehen. Ein tolles Gitarren- Keyboard Duett darf auch nicht fehlen. Der mitreißende Refrain rundet den gelungenen Track ab.
"Holes in the Sky" beginnt mit mittelalterlichen Klängen und dem Ticken einer überdimensionalen Uhr, quasi als Intro, bevor Stephan Lill an der Gitarre brachial loslegt. Aus dem Soundgewitter blitzen die Keyboards hell hervor. Dann gibt es einige Wechsel von ruhigen und sehr intensiven Abschnitten, letztere mit energischen Gitarren und kreativem Drumming. Der Refrain sorgt für Gänsehaut. Ich empfehle das offizielle Video auf YouTube, schön in grafischem schwarz-weiß gehalten und optisch toll in Szene gesetzt mit den sich drehenden Zahnrädern der Zeitmaschine.
"Scar of an Angel" glänzt mit leisem Piano und gefühlvollen, beinahe hingehauchten Vocals. Das Stück hat eine seltsam bitter-süße Stimmung und durch den Einsatz von Streichern eine ausgeprägt klassische Ausrichtung. Den Gesangspart der Mia übernahm Charlotte Baumann.
Im harten Kontrast dazu legen sich dann die Gitarren und Drums mächtig ins Zeug und auch der Gesang von Andy Kuntz ist jetzt viel leidenschaftlicher.
Auf "Sound of Blood" nimmt uns Vanden Plas mit auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Durch die Unterstützung des Chors des Pfalztheaters wirkt die Musik noch erhabener und monumentaler als sie ohnehin schon ist. Recht vertrackt ist das Stück erstaunlich eingängig. Ein Hinweis, dass Tastenmann Gunter Werno die Musik geschrieben hat ergibt sich aus dem ausgedehnten Keyboardsolo.
"The final Murder" startet verhalten nur mit Vocals und Gitarre dann setzt der heftige Einsatz aller Instrumente eine deutliche Zäsur. Der Song ist aus meiner Sicht mit der progigste des Albums und wirkt durchgehend unruhig und getrieben. Man spielt laufend geschickt mit dem dramaturgischen Gegensatz aus hämmernden Drums mit marschierenden Gitarren und den weichen Keyboardklängen. Das Ende ist klassisch ausgefallen mit Streichern und Glockenläuten bevor es nahtlos ins nächste Stück übergeht.
Das balladeske "Quicksilver" besitzt eine melancholisch, traurige Atmosphäre, gerade zu Beginn verstärkt durch die Streicher und das Piano. Andy Kuntz brilliert mit seinem ungeheuer gefühlvollen Gesang. Auch hier kommt der Chor des Pfalztheaters zum Zug und sorgt für einen epischen Anstrich. Wie ein Kreis schließt der Track mit der Kombination aus Streichern und Piano.
Nach einigen orchestralen Soundfragmenten geht "Rush of Silence" fulminant ab, da fetzen alle Instrumente um die Wette. Die Nummer besitzt aber auch viele ruhige Einschübe. Da finden sich traurig klingende Streicher genau wie verzerrte Synthies. Mit dem bekannt guten und melodischen Refrain hat man es auch hier zu tun. Der Song steigert sich konsequent bis zum Ende um dann abrupt abzubrechen und klingt mit Piano und Streichern besinnlich aus.
Das dreizehn Minuten umfassende "On my Way to Jerusalem" kann man getrost als Höhepunkt des Albums betrachten, ziehen Vanden Plas hier doch alle Register. Von ganz zart und zerbrechlich wirkender Musik bis zum vollen Power Metal Brett wird alles aufgefahren. Etwas Komplizierteres und Aufwändigeres habe ich von den Pfälzern noch nie gehört. Leises Glockenspiel und sehnsüchtige Vocals am Anfang dann wirbelnde Gitarrensoli, sparsame Flöten dann bombastisch aufbrausende Keyboardwände, es geht Schlag auf Schlag. Prog Herz was willst du mehr. Das Stück ist souverän arrangiert und reißt einen einfach mit.
Als Bonus Track präsentiert uns Vanden Plas ein Stück aus dem eigenen Rock Oratorium in lateinischer Sprache Ludus Danielis mit dem Titel "Eleyson". Es handelt sich um eine Live Aufnahme. Auch hier finden wir die riesigen Dynamiksprünge. Nach ruhigem Beginn mit Streichern und sanftem Gesang brechen ab der Mitte die Drums und Gitarren überfallartig in den Vordergrund. Ein choraler Hintergrundchor dient zur Untermalung. Ein Video ist als Sahnehäubchen auch noch auf der Scheibe.
Fazit: Vanden Plas haben es wieder geschafft, ich muss meinen imaginären Hut ziehen. Was für ein Album! Großartige, bombastische Songs mit unglaublich viel Atmosphäre, mal energisch aggressiv, mal melancholisch und leicht schwermütig, immer interessant, das sind die Attribute die dieses Album auszeichnen. Das besondere Verdienst des Quintetts besteht darin die Stücke bei hoher Komplexität doch sehr eingängig zu gestalten, mit viel Augenmerk auf schlüssigen Melodien mit Hooklines die unter die Haut gehen. Alle guten Dinge sind drei, Andy Kuntz, Stephan Lill und Günter Werno sind die schöpferischen Kräfte was die Songs betrifft. Wobei Gitarrist Stephan Lill beim Songwriting stärker beteiligt war als in der Vergangenheit, seine harten Riffs lassen viele Songs mehr in Richtung Power Metal gehen. Sänger Andy Kuntz ist es dazu gelungen eine interessante Geschichte zu erzählen. Ob er sich dabei von den in den letzten Jahren stark in Mode gekommenen "Vatikankrimis" von Dan Brown wie "Das Sakrileg" (im Film: Der Da Vinci Code) oder "Illuminati" inspirieren ließ ist mir nicht bekannt und auch unwichtig. Man sollte sich nur umfangreiche Story die im Booklet aufgeführt ist gleichzeitig mit der Musik zu Gemüt führen, bilden sie doch eine Einheit. Nur so merkt man wie überzeugend die einzelnen Kapitel der Handlung. musikalisch umgesetzt sind. Bei der Gelegenheit kann man dann in den opulenten Grafiken schwelgen die das Booklet zieren und die Phantasie anregen. THE SERAPHIC CLOCKWORK ist eine Spur härter ausgefallen als CHRIST 0. Die Bombast Orchestrierung mit gesteigerter Dramaturgie und epischen Keyboards finden sich auch auf der CLOCKWORK hier macht sich die Nähe zum Theater, die von der kompletten Band gepflegt wird, stark bemerkbar. Das Ergebnis, ein Epos aus perfektem Zusammenwirken von atmosphärisch dichter, hymnischer Musik und spannender Story. Eine Umsetzung für das Theater ist übrigens geplant, CHRIST 0 wurde ja bereits aufgeführt. Ausgezeichnete Musiker sind nicht automatisch ein Garant für ausgezeichnete Stücke, im Falle Vanden Plas bleiben allerdings keine Wünsche offen und mir nichts anderes übrig als die Höchstnote zu zücken.
Wurde der Band in der Vergangenheit öfter vorgehalten sich zu sehr an ihrem Vorbild Dream Theater zu orientieren so sind die Kaiserslauterer spätestens mit CHRIST 0 aus dem Schatten der Amerikaner getreten und haben sie inzwischen sogar überrundet. Daran ändert selbst das letzte Album des Traum Theaters A DRAMATIC TURN OF EVENTS nichts auch wenn es das beste seit langer Zeit ist was DT hervorgebracht hat. Das mögen viele Prog Anhänger ruhig als „Gotteslästerung“ empfinden aber meine Meinung steht da fest. Die Vanden Plas Musiker haben ihre Vorbilder überflügelt. |
Anspieltipps:
| | Da kann und will ich mich nicht auf einzelne Songs festlegen. THE SERAPHIC CLOCKWORK sollte man als Ganzes genießen. |
Tipp:
| | Opulent, facettenreich und theatralisch bombastisch, für jeden Prog Metal Fan ein "must have". Man braucht aber gar kein Hardcore Proger sein, auch Anhänger von anspruchsvoller Musik mit Power Metal Einschlag kommen hier voll auf ihre Kosten. |
Titel-Liste:
| | - Frequency
- Holes in the Sky
- Scar of an Angel
- Sound of Blood
- The final Muder
- Quicksilver
- Rush for Silence
- On my Way to Jerusalem
- - - Bonus Track - - - - Eleyson (live)
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Laufzeit:
Band-Infos:
| | www.vandenplas.de  |
Probehören und Kaufen:
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