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Review: Viron
 
FERRUM GRAVIS

Album:
 FERRUM GRAVIS, 2008, Metal Heaven

Stil:
 Heavy Metal

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 S.M., 12.01.2008

Review:
 Viron überraschten mit ihrem Debüt NWOGHM die Fachpresse, heimsten jede Menge hervorragender Kritiken ein und gelten nun als die große deutsche Nachwuchshoffnung des Heavy Metal. Damit die eingeschränkten Möglichkeiten eines Undergroundlabels der Karriere nicht im Wege stehen, wechselte man im Frühjahr 2007 zu Metal Heaven. Dort erscheint nun das neue Werk FERRUM GRAVIS. Wer des lateinischen ein wenig mächtig ist, weiß, dass der gewählte Albumtitel schweres Eisen bedeutet. Auch hier trifft man also im übertragenden Sinne auf den Heavy Metal.
Trotz des ziemlich unmissverständlichen Debutnamens, wurden Viron seinerzeit stilistisch eher dem US-Metal zugeordnet. Auf FERRUM GRAVIS will das deutsche Quintett ihr musikalisches Spektrum erweitern und den Hörern sämtliche Spielarten zwischen klassischem teutonischem True Metal und Thrash Metal bieten.

Mit ordentlich sägenden Gitarren und voranpreschendem Rhythmus fährt "Liberator" erstmal auf der Thrash-Schiene. Etwas verhaltener und hymnischer wird es beim Refrain, doch im Großen und Ganzen regiert bei diesem Track unbändige Power. Sänger Alexx Stahl hat zwar eine klare und Ausdruckstarke Stimme, vergreift sich aber meines Erachtens ein paarmal an zu hohen Tönen.
Bei "On the Run" wird tempomäßig ein Gang zurückgenommen. Das Stück ist im klassischen True Metal angesiedelt. Die Rhythmusgruppe, also Basser Ingmar Holzhauer und Drummer Neidi, geben den Beat vor, während die Gitarren die Hookline zum eingängigen Refrain führen. In einem starken instrumentalen Zwischenteil können sich die Gitarristen Thilo Feucht und Roger Dequis auszeichnen. Und auch Alexx´ Gesangleistung ist diesmal Top.
Das Geräusch eines vorbeirasenden Rennwagens zeigt an, dass es bei "The Isle of Man" wieder eine Spur heftiger zu Werke geht. Dem gleichen sich die Riffs und der Groove an. Doch trotz all der Power wird auch hier Wert auf einen eingängigen Ohrwurmrefrain gelegt. Auch bei diesem Song gibt es ein verhalteneres Zwischenspiel mit erst sehr melodischem und später stakkato-artigem Gitarrensolo. Zum Abschluss darf dann nochmal der starke Refrain ran.
Akustische Gitarrentöne leuten "War" ein. Es geht dann auch mit sehr ruhigem, aber ausdrucksstarkem Gesang unter dieser Gitarrenbegleitung weiter, was beweist, dass Viron wirklich ein breites Spektrum an Stilen beherrschen. Die Melodie wird hervorragend aufgebaut und der gesangliche Höhepunkt ist unglaublich emotional und hymnisch und toppt alles zuvor gehörte. Es geht gar nicht anders, man muss einfach mitsingen: "Men of War, what are you fighing for...". Logisch, dass dieses Lied kriegskritsche Lyrics hat.
Bei "Beyond the Gates" werden wieder die thrashigen Akkorde ausgepackt. So geben diesmal in erster Linie die Gitarren ordentlich Gas, während der Allgemeinrhythmus zumeist sehr schleppend ist. Sehr gut gefällt mir bei diesem Song der Instrumentalabschnitt, bei dem sich Schlagzeug und Gitarren ständig gegenseitig die Bälle zuwerfen.
Indirekt ist das die Überleitung zum nächsten Stück mit Namen "Metal Ball". Stilistisch erinnert mich das ein bisschen an frühere Geschichten von Running Wild, nur dass es vielleicht noch eine Spur energetischer und dynamischer rüberkommt. Das Solo ist Power Metal pur und drückt dem gelungenen Track nochmal einen ganz besonderen Stempel auf.
Melodisches Gitarrenspiel und ein schleppend-träger Rhythmus lassen erahnen, dass bei "Playground for Billions" den Gefühlen und Emotionen wieder mehr Platz gelassen werden. Entsprechend wird das Stück aufgebaut: Erst ruhiger Gesang mit akustischer Begleitung, nach und nach steigen die Instrumente ein und dynamisieren die Hook, die schließlich in einen hymnisch anmutenden Chorus mündet. Wesentlich härter (sprich: thrashig) wird es lediglich im Lead-Solo.
"Led astray" haut dem Hörer dann wieder die geballte instrumentale Macht um die Ohren, die nur kurz unterbrochen wird, um einen eingängigen Refrain einzustreuen. Das Leadsolo kommt mit einem interessanten melodischen Zwischenspiel.
Der Rausschmeißer "Sniper" mutet anfangs wie ein Instrumentalstück an, da es sehr ruhig beginnt und langsam dynamischer wird, ohne dass Gesang hinzustößt. Erst, wenn man schon fast nicht mehr damit rechnet, steigt Alexx Stahl ein. Auch dann wird wieder mit zunehmender Dynamik aufgebaut, wobei das Stück durch die sich verändernden Rhythmen, Intensitäten und Energien lebt. Auf einen Höhepunkt wird bei dem mit fast zwölf Minuten längsten Track nicht hingearbeitet. Man muss sich einfach vom Instrumentenspiel, dem gefühlvollen Gesang und den dadurch erzeugten Emotionen mittreiben lassen.

Fazit: Obwohl ich nicht gerade ein Anhänger von thrashigen Anleihen bin, haben mich Viron fast durchgehend überzeugt. Alle Songs sind gut durchdacht, durchstrukturiert und wirken kompositorisch überzeugend. Sie bieten wirklich eine breite Palette von Stilübergriffen an, die mit dafür sorgen, dass FERRUM GRAVIS sehr abwechslungsreich ist. Klassischer Old School Metal wird modern und zeitgemäß ausgestattet und arrangiert.
Einzig "Led astray" fällt gegenüber den anderen Songs etwas ab, doch "Lückenfüller" leisten sich auch namhaftere Bands. Demzufolge kann ich also auch bedenkenlos sagen, dass Viron die hohen Erwartungen erfüllen, die nach dem Debut in sie gesetzt wurden. Die ziemlich kompromisslose Marschroute - vereint mit eingängen Hooks - steht ihnen gut, und ich hoffe, dass sie in dieser Art weitermachen.

Anspielipps:
 Die hymnische Ballade "War", der Power-Metal-Knaller "Metal Ball" und das vielschichtige "Playground for Billions".

Tipp:
 Wer ein hartes, dynamisches Grundgerüst, gespickt mit melodischen Komponenten, bevorzugt, dem sei FERRUM GRAVIS wärmstens empfohlen.

Titel-Liste:
 
  1. Liberator
  2. On the Run
  3. The Isle of Man
  4. War
  5. Beyond the Gates
  6. Metal Ball
  7. Playground for Billions
  8. Led astray
  9. Sniper

Laufzeit:
 57:21 Min.

Band-Infos:
 
  • www.myspace.com/viron1 

  • Probehören und Kaufen:
    Viron: Ferrum Gravis

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