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Review: Vision
 
VISION 25TH ANNIVERSARY EDITION

Album:
 VISION 25TH ANNIVERSARY EDITION, 2010, Born Twice

Stil:
 Melodic Rock, Southern Rock

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 V.R., 28.01.2011

Review:
 Vor ziemlich genau 25 Jahren veröffentlichte die Band Vision ihr zweites, selbstbetiteltes Album. Für alle, die mit dem Namen Vision vielleicht nichts anzufangen wissen, hier eine kurze Erklärung. Die Band setzte sich unter anderem aus einigen überlebenden Mitgliedern der Band Lynyrd Skynyd zusammen. Musikalisch standen Vision für pianolastigen Melodic Rock, eine Richtung, die ihre Wurzeln in den späten 70er Jahren hatte und durch Bands wie Journey, Foreigner oder Styx geprägt wurde. Dazu gesellt sich natürlich auch noch ein Hauch Southern Rock, denn die Wurzeln der Bandmitglieder schienen immer wieder mal durch. Das Besondere an Vision waren allerdings die christlichen Texte, denn die Band versuchte, in ihren Liedern ein lebendiges Bild von Jesus zu vermitteln. Lange Zeit gab es die Vision-Alben ausschließlich auf Vinyl zu erwerben, bis sich die Plattenfirma Born Twice Records ein Herz gefasst und sowohl das Debüt-Album MOUNTAIN IN THE SKY als auch das hier zu besprechende zweite Album VISION auf CD veröffentlicht hat. Da es sich hier um eine reine Wiederveröffentlichung handelt, klingt die Scheibe musikalisch natürlich eher etwas unzeitgemäß, doch soll dies nicht mit in die Wertung einfließen. Beginnen wir also unsere Zeitreise zurück ins Jahr 1985.

Wirklich nach 1985 klingt die Musik aber auch nicht, denn schon damals war die Musik der Band nicht mehr ganz zeitgemäß. Der flotte Opener "Dynamos" erinnert beispielsweise an die pianounterlegten Späthits der Manfred Mann’s Earth Band gegen Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre, aber auch an Titel von Bands wie Foreigner oder Toto aus dieser Zeit. In jedem Fall bieten Vision dem Hörer hier aber einen schnell ins Ohr gehenden melodischen Uptempo-Rocker, der zwar nicht sonderlich kreativ, aber durchaus gelungen ist.
Wesentlich midtempo-lastiger, aber auch deutlich belangloser ist "Lord is my Joy" ausgefallen. Dem Titel fehlt einfach eine zündende Idee oder eine peppige Ohrwurmmelodie. Auch textlich gesehen ist der Song ein wenig zweifelhaft ausgefallen, denn gegen christliche Texte ist generell gesehen ja nichts zu sagen, aber derart mit dem Holzhammer wie in diesem Fall muss es doch auch nicht sein, das hatten Bands wie Petra zu jener Zeit besser hinbekommen.
Das Keyboard-Intro von "Old Man" macht Lust auf mehr und der Song ist auch in der Tat wieder wesentlich stärker als der vorherige. Musikalisch klingt der Titel zumindest stellenweise fast schon wie eine 1:1-Kopie des 1983er Novalis-Liedes "Kleinwenig mehr", doch wird man Vision zugute halten können, dass ihnen selbiger Song wahrscheinlich völlig unbekannt gewesen sein dürfte.
Wesentlich reduzierter, das heißt mit deutlich weniger Keyboardeinsatz, gehen Vision bei "Dedicated" zu Werke. Letzten Endes hätte diesen Song aber auch ein Synthesizer-Überangebot nicht mehr vor dem Mittelmass retten können, denn die Strophen sind erschreckend schwach arrangiert. Immerhin hat zumindest der Refrain leichte Ohrwurmqualitäten, welche den Titel vor dem Totalabsturz retten.
Auch eine Ballade ist auf diesem Album vertreten. Dabei handelt es sich um den fünften Song namens "Soldiers Song", wo Vision beweisen, dass sie auch die leisen Töne beherrschen. Die Nummer ist erfreulich kitschfrei und besitzt eine sehr melancholische, fast schon magische Aura. In jedem Fall gehört der Titel zu den besten des Albums und ist durchaus ein Fall für die Repeat-Taste.
Von ganz anderer Natur ist "Standing on the Rock", denn wären da nicht die gelegentlichen Piano-Einsätze, könnte man hier fast schon von einem erdigen Rocker sprechen. Neue Härterekorde werden dabei logischerweise nicht ausgelotet, aber dennoch ist es sehr erfreulich, dass sich Vision auch mal von dieser Seite präsentieren.
Das Intro von "Don’t say it’s over" zeigt die Band dann wieder von einer viel melodischeren Seite, doch im Anschluss erwarten den Hörer auch etwas ruppigere Passagen mit lässigen Gitarrenriffs und reduziertem Keyboardanteil. Leider fehlt dem Titel aber so etwas wie ein Höhepunkt, denn ein eigentlicher Refrain ist hier nur schwer auszumachen. Dennoch handelt es sich hier um alles andere als einen schlechten Song und die Nummer sollte mindestens im guten Mittelmass zu verorten sein.
"Psalm 23" heißt der nächste Song – ‘der Herr ist mein Hirte’, wer kennt diesen Psalm nicht aus dem Gottesdienst? Die Idee, diese Zeilen in einer ruhigen Ballade zu verpacken hat durchaus etwas für sich und die Umsetzung ist als gelungen zu bezeichnen. Auf den ruhigen akustischen Anfang folgt ein kurzer Mittelteil, in dem der Song ein wenig an Druck gewinnt, nur um danach wieder einen Gang zurückzuschalten – einfach wunderschön, von Balladen verstehen Vision eindeutig etwas.
Auf diese entspannenden Klänge folgt mit "You are my only Lord" ein eher überflüssiger Titel, denn der Midtempo-Nummer fehlt es sowohl an zündenden Melodien als auch an einem flüssigen Spannungsbogen. Die Bezeichnung ‚Lückenfüller’ sollte in diesem Fall haargenau zutreffen.
Abschließend gibt es noch einen flotten Südstaaten-Rocker namens "You’re the one" zu hören. Ob damit Gott oder doch eher eine Frau gemeint ist, bleibt dabei völlig unerheblich, denn der Song ist in jedem Fall ein Volltreffer und zeigt die Wurzeln der Bandmitglieder auf. Wer hier nicht die eine oder andere Anspielung an die alten Lynyrd Skynryrd-Klassiker heraushören kann, dem sei ein zeitnaher Ohrenarztbesuch dringend anzuraten. Damit wird die klangliche Bandbreite des Albums um eine weitere Facette erweitert und der positive Gesamteindruck nochmals angehoben.

Fazit: Der eine oder andere Leser wird dieses Album sicher bereits in Vinylform in seiner Sammlung stehen haben und sich jetzt vielleicht freuen, dass es die Scheibe endlich auch in digitaler Form zu erwerben gibt. In jedem Fall hat es das Vision-Zweitwerk verdient, nochmals veröffentlicht zu werden, denn es handelt sich dabei um ein gutes bis sehr gutes Album, dem nur leider nie der Bekanntheitsgrad zuteil wurde, den es eigentlich verdient hätte. So blieben Vision fürderhin ein Geheimtipp und an diesem Status sollte sich auch mit den Jahren nichts ändern, doch warum nur? An der Qualität der Musik kann es sicher nicht gelegen haben, dafür aber vielleicht vielmehr daran, dass die Spielweise der Band Mitte der 80er Jahre nicht mehr zeitgemäß war. Mit Stadionrockern wie "Jump" oder "The Final Countdown", welche damals sehr angesagt waren, hatten die Songs der Band wenig gemein, dafür aber umso mehr mit keyboardlastigem Melodic Rock der späten 70er Jahre. Somit kamen Vision leider einfach ein paar Jahre zu spät, doch glücklicherweise ändert dies alles ja nichts daran, dass wir es hier mit einem guten Album zu tun haben, welches 25 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung nun endlich in digitaler Form zu erwerben ist.

Anspieltipps:
 "Dynamos", "Old Man", "Soldiers Song", "Psalm 23", "You’re the one".

Tipp:
 Styx, Journey, Foreigner und Toto sollten hier als Vergleich genannt werden – zumindest deren Alben aus den späten 70er und frühen 80er Jahren. Auch die deutsche Band Lake bietet sich als Vergleich an, und hier und da schimmern auch Lynyrd Skynyrd immer wieder durch.

Titel-Liste:
 
  1. Dynamos
  2. Lord is my Joy
  3. Old Man
  4. Dedicated
  5. Soldiers Song
  6. Standing on the Rock
  7. Don’t say it’s over
  8. Psalm 23
  9. You are my only Lord
  10. You’re the one

Laufzeit:
 37:33 Min.


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