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Review: W.A.S.P.
 
BABYLON

Album:
 BABYLON, 2009, Demolition

Stil:
 Hard Rock

Wertung:
 6 von 7
6,0 von 7 Punkten
 P.D., 18.05.2011

Review:
 Die apokalyptischen Reiter, die wir über das BABYLON-Cover auf uns zukommen sehen, bedeuten nichts Gutes… sie verkünden das Jüngste Gericht, das Ende der Menschheit. Und noch schlimmer, damit auch das Ende des Hard’n’Heavy Rocks. Das ist schon makaber. Sollte überhaupt irgendwer dieser Apokalypse entkommen, dann hat good-old Mr. Lawless beste Chancen… der Gesetzlose scheint unverwüstlich zu sein. Mittlerweile wird er 55 und rockt das Studio noch immer wie ein Begnadeter. Nach seinem letzten Album DOMINATOR brauchte er nun wirklich nicht mehr zu beweisen, dass er ein würdiger Vertreter der Hard’n’Heavy Champions League ist. Und um es gleich vorweg zu nehmen: er bleibt es auch nach BABYLON. Ein weiterer Milestone, bzw. ein weiterer Orden auf seiner reich dekorierten Uniform. Sicher erfindet er mit seiner Mannschaft den Hard-Rock nicht neu, aber er präsentiert ihn einmal mehr mit überzeugender Genialität und der typisch-individuellen W.A.S.P.-Lawless Note. Die vier Rocker kennen sich nicht erst seit gestern, sie sind vielmehr ein hörbar eingespieltes Profi-Team.

Nach insgesamt 27 W.A.S.P.-Jahren und 14 Platten spare ich mir die obligatorische Ouvertüre zur Band und komme gleich ohne Umwege zu BABYLON. Also: CD rein und los geht’s mit dem Opener "Crazy". Die Erwartungshaltung bei einer etablierten Band wie W.A.S.P. ist natürlich nicht zu unterschätzen. Aber keine Panik, der Song überwindet die hochliegende Latte locker. Ein Volldampf-Anti-Love-Song mit Wachmacher-Effekt. Ob hier eine verliebte Groupie-Frau besungen wird, bleibt vorläufig ein Geheimnis. Jedenfalls werden die Gitarren-Saiten gleich mal auf erhöhte Betriebstemperatur getrieben. Blackie’s Organ darf auch direkt voll los-powern. Dazu der überzeugende Aggressionsabbau von Mike Dupke hinter seinem Drum-Set. Überzeugender BABYLON-Start, auch wenn’s noch nichts mit der ultimativen Apokalypse zu tun hat. Ähnlichkeiten mit dem Opener der letzten Scheibe DEMOLITION sind nicht von der Hand zu weisen, aber hierbei verhält es sich wie bei einem Sylvester-Feuerwerk: die sind auch jedes Jahr aufs Neue schön.
Mit dem nächsten Song "Live To Die Another Day" nähern wir uns der Thematik. Solider und überzeugender Hard Rock Kracher mit fetzigen Einlagen von allen Beteiligten.
Die Nummer drei ist dann sozusagen der Titel-Song: "Babylon's Burning" und eine weitere starke Nummer der Gesetzlosen mit imposantem Finish.
Als nächstes folgt eine gelungene Cover-Version des antiken Songs "Burn" von Deep Purple. Thematisch passend und stilistisch Generationen-übergreifend verrockt. In ergreifender Ehrfurcht vor den Alt-Meistern haben sich W.A.S.P. alle Mühe gegeben, dem Klassiker nur ja nichts zu nehmen, sondern ihn auf ihre Art und Weise dem Blackie-Stil anzupassen. Sogar die Gast-Keyboards dürfen, wie damals, nicht fehlen, um die dominanten Gitarren zu unterstützen. Denke mal, dass die Mannen um Ritchie Blackmore, Jon Lord, usw. die Cover-Version mal mindestens respektvoll ab-nicken würden, wenn nicht mehr…
Die Nummer fünf "Into The Fire" ist eine gelungen-sentimentale Melodic-Rock Ballade. Eine weitere Stärke von Blackie&Co. Solche Gefühls-Kracher sind von den gelungenen W.A.S.P. Scheiben nicht weg zu denken. Mr. Lawless kennt sich mit dem Thema Leidenschaft sicher auch besser aus als viele andere, zumindest mit der musikalischen Umsetzung der Thematik.
Nach dem fetzigen Finale geht es ohne große Unterbrechung weiter mit "Thunder Red". Einem flotten Abrocker mit apokalyptischer Ausrichtung. Die vier gereiften Jungs greifen wieder an und testen die Belastbarkeit ihrer Instrumente.
Das Hard’n’Heavy Blut bekommt beim Song "Seas Of Fire" eine weitere Dosis Adrenalin. Geil wie hier die starken Gitarren durch die dynamischen Drums Feuer fangen.
Und gleich darauf demonstriert Lawless wieder seine Herz-Schmerz-Seite. "Godless Run" ist wieder so eine gefühlvoll-schreiende „Der Himmel färbt sich schwarz“-Ballade, die im zweiten Teil instrumental aufdreht. Herz-zerreißende Riffs untermahlen die düstere Thematik. Großes Ohren-Kino.
Abgeschlossen wird BABYLON mit dem Hard Rock’n’Roll-Song: "Promised Land". Ok, eine weitere Steigerung hätte auch an ein Wunder gegrenzt. Wir switchen eh gleich noch mal auf Track eins und von vorne los.

Fazit: Blackie Lawless versteht sein Handwerk. Mit BABYLON wird weiter auf besonders hohem Niveau abgerockt. Dem bewährten W.A.S.P.-Stil sind die gereiften Mannen treu geblieben. Warum auch nicht. „Schuster bleib bei Deinen Leisten“, heißt es nicht umsonst. Und hier geht es um einen Meister seines Fachs. Meine Empfehlung: beide Daumen hoch und Scheibe rein, bis der CD-Player kotzt.

Anspieltipps:
 Ich empfehle Song Nummer drei "Babylon's Burning", den gelungenen Deep Purple Cover Song "Burn" und schließlich noch die sieben: "Seas Of Fire" für den schnellen Überblick.

Tipp:
 Jeder Hard Rocker, der bei der typischen, und in meinen Ohren genialen, Blackie Lawless Stimme keine allergische Überreaktion erwarten muss, wird sich wohl mit diesem traditionellen W.A.S.P. Stil anfreunden. Die eingefleischten Fans werden eh drauf abfahren, so gesehen ist BABYLON eine Bank, auch wenn sie sich eben an bewährten Rock-Rhythmen orientiert, die dem einen oder anderen dann doch zu ähnlich klingen mögen. Die Kunst, es jeweils allen Recht zu machen, muss ja erst noch erfunden werden.

Titel-Liste:
 
  1. Crazy
  2. Live To Die Another Day
  3. Babylon's Burning
  4. Burn (Deep Purple Cover)
  5. Into The Fire
  6. Thunder Red
  7. Seas Of Fire
  8. Godless Run
  9. Promised Land

Laufzeit:
 43:30 Min.

Probehören und Kaufen:
W.A.S.P.: BABYLON

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