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Review: Adrian Weiss
 
BIG TIME

Album:
 BIG TIME, 2011, Eigenvertrieb

Stil:
 Instrumental Guitar Rock, Instrumental Guitar Metal

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 U.B., 17.12.2011

Review:
 Es liegt in der Natur der Sache, spielt man in einer Band sind einem gewisse Beschränkungen auferlegt. Besonders wenn man vor Spielfreude strotzt und mit viel Talent gesegnet ist keimt irgendwann der Gedanke auf, ein Soloalbum aufzunehmen auf dem man sich so richtig austoben kann. So ging es sicher auch Adrian Weiss dem in Düsseldorf lebenden Gitarristen. Hat er doch mit den Bands Thought Sphere und Forces At Work bereits sieben Alben veröffentlicht. Nun ist er da, der erste Solo-Silberling des Griffbrett Hexers. Schaut man sich die Entstehungsgeschichte von BIG TIME an die im Booklet kurz angerissen wird, so fällt auf, die Fertigstellung zog sich über mehrere Jahre hin. Ein Indiz dafür wie ambitioniert Adrian Weiss vorging und welche Schwierigkeiten es zu überwinden galt. Die große Zahl an Gastmusikern dürfte, was die Terminabstimmung für die Aufnahmen betrifft, bestimmt für einige organisatorische Hürden gesorgt haben. Doch wie ein guter Wein der einige Zeit zum Reifen braucht ist es oft auch mit der Musik, besser langsam entwickelt als schnell und unausgegoren. Zu jedem Track ist im Booklet eine kurze Info angegeben welche Stimmung der jeweilige Song ausdrücken soll.

Auf "Summer Drive" lädt uns Adrian Weiss ein ihm auf eine Ausfahrt durch die sonnenbeschienene Landschaft zu folgen. Die tolle Melodie ist anfangs ruhig und der Klang der Lead Gitarre erinnert stark an Joe Satriani. Das Zusammenspiel von akustischer plus Rhythmus Gitarre gespielt von Demian Heuke und der E-Axt von Weiss ist ausgesprochen harmonisch. In der zweiten Hälfte wird das Tempo deutlich forciert. Aus dem beschaulichen Cruisen ist eine Wettfahrt geworden. Da tritt der gute Adrian (Weiss nicht Sutil!) das Gaspedal des Ibanez- Ferrari so richtig durch.
"Easy on the Ice" ist eine progige Rock Nummer mit teils verzerrter Gitarre und frickeligen Soli. Dazwischen gibt es einige deftige Riffs.
"Tough Luck" überzeugt mit glasklarem Sound und high Speed Gitarrenläufen. Das Stück ist melodisch und eingängig. Auffällig ist der räumliche Klang, da fetzen einem die Gitarren abwechselnd rechts und links aus den Boxen um die Ohren. Gleich mehrere Gast Gitarristen kommen hier zum Einsatz, unter anderem Victor Smolski von Rage. Die von den anderen gespielten Parts sind leicht auszumachen unterscheiden sich die Klangfarben ihrer Gitarren doch deutlich von dem Instrument von Weiss.
"Egyption Inscription" trägt den Titel zu recht, wartet der Midtempo Song doch mit viel orientalischem Flair auf.
Bei "Desert Sanctuary" zeigt sich der Griffbrett Virtuose von seiner romantischen Seite. Eine Akustikgitarre mit spanischem Flamenco Einschlag begleitet das elektrische Pendant. Die Lead Gitarre spielt wieder im Satriani Stil. Ein verträumtes Stück zum Relaxen.
"Estimated Time of Arrival" hat ebenso eine gute Melodie mit progressiven Einschüben.
Auch "Liquid Pension Ebellishment" besitzt eine Prog Ausrichtung, klingt aggressiver mit wirbelnden Gitarrenläufen und mehr Bass als gewohnt. Beim Titel verballhornt Adrian Weiss ganz frech das Band Projekt des ehemaligen Dream Theater Drummers Mike Portnoy: Liquid Tension Experiment.
"Bright Awakening" fällt dann wieder ruhiger aus auch wenn einige flott sprudelnde Gitarrenlicks dabei sind.
"Morning Run" ist ein interessantes Stück mit deutlichen Tempowechseln. Da beschleunigen Die Gitarren rasant aus getragenen Passagen heraus. Hier strahlt einem die Spielfreude förmlich entgegen.
"Disappear" schaltet einen Gang zurück. Die E-Gitarre mit viel Vibrato wird von einer Akustikgitarre begleitet. Der Track ist perfekte Hintergrundmusik, präsent aber nicht aufdringlich.
Das abschließende "The progressive Society" stellt im Titel bereits klar, hier geht es progressiv zur Sache. Verspielt und unruhig ist es weniger eingängig als die meisten Stücke auf dem Album. In der Mitte folgen schnelle Gitarren Attacken, Bass und Drums wird mehr Raum eingeräumt als sonst.

Fazit: Bei einem reinen Instrumental Album begibt sich der Musiker immer auf eine Gratwanderung. Auf der einen Seite ist endlich die Möglichkeit geboten sein Können in den Fokus zu rücken, auf der anderen Seite läuft so ein Werk schnell Gefahr zu einer reinen Selbstdarstellung zu werden die den Hörer schnell langweilt. Diesen Stolperstein hat Adrian Weiss geschickt umgangen. Die Stücke sind abwechslungsreich, decken ein breites Spektrum ab und durch die vielen Gastauftritte liegt der Schwerpunkt auch nicht ganz so stark auf Weiss allein. Natürlich steht die Gitarre im Vordergrund und es wird auch kräftig geschreddert. Viele Stücke beginnen verhalten bis Herrn Weiss dann doch irgendwann der Gaul durchgeht und die Finger zu einem Sturmlauf auf der Axt ansetzen. Siebensaitige Ibanez Gitarre und instrumentaler Rock/Metal da ist schnell klar welches Vorbild Adrian Weiss hat, Joe Sattriani lässt grüßen. Besonders der Opener „Summer Drive“ klingt sehr stark nach Satch „The Extremist“ Satriani zu Zeiten von FLYING IN A BLUE DREAM. Sollte Meister Satriani den Song irgendwann mal hören dürfte er sich verwundert fragen wann er das Stück denn eingespielt hat. Zum Glück beschränkt sich Weiss nicht darauf wie ein Satriani zu spielen. Einflüsse anderer Guitar Masters sei es ein Vai, Petrucci oder Steve Howe sind auch zu spüren. Man merkt dem Album an mit wie viel Freude an die Sache ran gegangen wurde. Da war der Titel des Albums Programm. Der Klang ist sauber und egal ob über Kopfhörer oder Boxen abgespielt, sehr räumlich. Oder um es mit dem Werbeslogan des ZDF auszudrücken: mittendrin statt nur dabei. Hatte ich beim Anblick des Covers, Adrian mit ausgestrecktem Sebastian Vettel Finger auf einem ganzen Berg von zerstörten Amps und Drum Kits noch die Befürchtung hier würde von der ersten bis zur letzten Note nur im Jet Tempo gefrickelt, so konnte ich erfreut feststellen, der Mann beherrscht auch die leisen Töne und versteht es gefühlvoll zu intonieren. Bei Axel Rudi Pell spricht man gern von Deutschlands Ritchie Blackmore. Na dann bin ich mal so frei und ernenne Adrian Weiss zu Deutschlands Joe Satriani.

Anspieltipps:
 "Summer Drive", "Tough Luck", "Desert Sanctuary", "Bright Awakening" und "Morning Run"

Tipp:
 Für Freunde Gitarren lastiger Alben ist BIG TIME ein heißer Tipp. Satriani, Paul Gilbert, Malmsteen und Co stehen bereits im Plattenschrank dann sollte Adrian Weiss noch schnell dazu.

Titel-Liste:
 
  1. Summer Drive
  2. Easy on the Ice
  3. Tough Luck
  4. Egyptian Inscription
  5. Desert Santuary
  6. Estimated Time of Arrival
  7. Liquid Pension Embellishment
  8. Bright Awakening
  9. Morning Run
  10. Disappear
  11. The progressive Society

Laufzeit:
 47:00 Min.

Band-Infos:
 
  • www.adrianweissmusic.de 

  • Probehören und Kaufen:
    Adrian Weiss: BIG TIME

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