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Review: White Wizzard |
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Album:
| | OVER THE TOP, 2010, Earache |
Stil:
Wertung:
| |  6 von 7 Punkten | | S.M., 06.09.2010 |
Review:
| | Nachdem ich vor kurzem erst die 2009er-EP HIGH SPEED GTO von White Wizzard besprochen habe, darf ich mich diesmal dem ersten Full-Length-Album der amerikanischen Traditions-Metaler widmen: OVER THE TOP. Wie ich schon bei der EP-Besprechung erwähnte, wurde zwischen EP und Album fast das gesamte Line-Up ausgewechselt. Nur Bassist Jon Leon (der auf der EP auch teilweise für Gitarre verantwortlich zeichnete) blieb übrig. Ansonsten wurde die Besetzung durch Sänger Michael Gremio (ex-Cellador), Gitarrist Lewis Stephens, Gitarrist Chad Bryan Yasuhara und Drummer Giovanni Durst ergänzt. Aus ursprünglich vier Bandmembers wurden im Rahmen des Line-Up-Wechsels gleich fünf. Der Qualität der Musik hat die Umbesetzung aber nicht geschadet, wie ihr gleich hören werdet.
Eigentlich sollte man denken, dass das neue Line-Up erst mal Zeit brauchte, um sich richtig einzufinden, aufeinander einzuspielen und danach in aller Ruhe Songs zu komponieren. Doch OVER THE TOP erschien im Februar 2010 nur etwas mehr als ein halbes Jahr nach EP-Release.
Was im ersten Moment wie ein Schnellschuss wirkt, ist aber offenbar keiner. Das liegt wohl auch daran, dass Hauptsongwriter Jon Leon viele der Songs offenbar schon zuvor komponiert hat. So konnte OVER THE TOP bereits im Oktober 2009 eingespielt werden. Das weckt auch den Verdacht in mir, dass HIGH SPEED GTO, wo Bandmaterial aus dem Jahr 2008 nochmal aufgewärmt wurde, wohl mehr als Appetizer auf das Album dienen sollte.
Doch kommen wir nun endlich zum Album: der Opener "Over the Top" ist ein straighter und eingängiger Song, der auf kräftigem Rhythmus gründet und von einer melodischen Hookline geführt wird. Die Old-School-Einflüsse kommen direkt durch, ohne antiquiert zu klingen, da die Produktion schön dynamisch und modern anmutet. Michael Gremio führt sich mit seiner halbhohen Stimme und dem recht hellen Timbre gut ein. Sein Organ passt zum unterschwelligen, europäisch basierten Eighties-Sound.
"40 Deuces" ist das, was man gemeinhin eine Metal-Hymne nennt. Ein treibender Rhythmus und eine raffiniert geführte Hammermelodie münden in einen Refrain, den man aus Herzenslust mitgrölen möchte.
Und so geht es gerade weiter: "High Roller" glänzt durch seine Geradlinigkeit, eine mächtige Bassline und ein gelungenes Bridge-Refrain-Konstrukt. Bei "Live free or die" werden ein paar sleazige 80er-Trademarks untergebracht, die weitere Abwechslung mit sich bringen und dem Song eine catchy Eingängigkeit verleihen.
Etwas exotisch sind die Riffs bei "Iron Goddess of Vengeance" angehaucht. Vom Tempo ist der Song verhaltener, fast auf einem episch-doomigen Rhythmus beruhend. Bei der Melodie gibt es leichte Assoziationen zu Maiden zu POWERSLAVE-Zeiten. Auf wenn das Stück ein bisschen arg inspiriert klingt, beweisen White Wizzard, dass sie auch anspruchsvollere Aufgaben bewältigen. Die reichhaltigen Arrangements und instrumentalen Finessen des Songs sind jedenfalls klasse.
"Out of Control" ist quasi das genaue Gegenstück dazu: ein Track, der viel Energie enthält, fast ein bisschen an alte Speed-Metal-Zeiten erinnert und schnell auf den Punkt kommt. Der Aufbau ist kurz und der Höhepunkt schön herausgearbeitet. Und im tollen Solo geben die Klampfen wieder ihr Bestes.
Auch "Strike of the Viper" ist sehr energiereich und erinnert mich mit dem etwas hektischen Konstrukt stark an die britischen NWoBHM-Pioniere Raven. Trotzdem ist es ein guter Track. Einzig das folgende "Death Race" kann bei mir nicht punkten, da Konstrukt und Melodie recht belanglos anmuten und keine Eindrücke hinterlassen.
Die normale Album-Edition wird mit dem Track abgeschlossen, der wie die Band benannt ist: "White Wizzard"! Dieser fährt erstmal ein längeres instrumentelles Intro auf und geht danach in ein leicht schleppendes, aber kraftvolles Konstrukt über. Durch einen sehr präsenten Bass kommen nochmal leichte Ähnlichkeiten zu Iron Maiden auf. Später wird Tempo angezogen und etwas mehr Energie in den weiteren Aufbau gesteckt. Insgesamt ein Song, der mehr Wert auf die Arrangements und die Vielschichtigkeit legt, als auf eine zielgerichtete Einprägsamkeit.
Wer sich die Limited Edition von OVER THE TOP zulegt, darf sich noch über zwei Coverversionen freuen, die von White Wizzard sehr gelungen interpretiert werden. Bei "Gates of Gehenna" lassen sie sehr authentisch Erinnerungen an die leicht doomig veranlagte Originalband Cloven Hoof wach werden. Und auch "Heading out to the Highway", das sonst das Judas-Priest-Album POINT OF ENTRY eröffnet, wird von White Wizzard recht orginalgetreu wiedergegeben, was vor allen Dingen auf eine phänomenale Gesangsleistung von Michael Gremio zurückzuführen ist, der die hohen Passagen und Screams fast besser meistert, als old Rob himself.
Fazit: OVER THE TOP ist klasse Heavy Metal der alten Schule, wie ich ihn zugegebenermaßen von einer europäischen Band erwarten würde, nicht von einer amerikanischen. Ich bin schon ein bisschen überrascht, wie gut die Jungs aus Los Angeles hier die britisch und teutonisch beeinflussten 80er wiederauferstehen lassen. Diesen Old-School-Sound verbinden White Wizzard mit einer modernen und druckvollen Produktion. Sie schaffen dabei Kompositionen, deren hören nicht nur Spaß macht, sondern die zudem auch noch abwechslungsreich sind. Abgesehen von einem schwächeren Tracks und einem nach meinem Geschmack etwas zu sehr von Maiden beeinflussten Song, liefern die Amis eine astreine Leistung ab.
Wahrscheinlich harmoniert die jetzige Bandbesetzung sogar noch besser als die vorherige, sonst wäre White Wizzard nicht gleich solch ein Schlag gelungen. Allen voran muss ich besonders die Gesangsleistung von Michael Gremio loben, die einfach spitze ist. Er zeigt sich variabel, ausdrucksstark und meistert selbst extreme Höhen einwandfrei. Da haben White Wizzard einen wirklich guten Fang gemacht.
Ich bin sicher, White Wizzard werden ihren Weg im dem Genre gehen. Schon mit diesem gelungenen Erstwerk beweisen sie ihr Potential sehr eindrucksvoll. |
Titel-Liste:
| | - Over the Top
- 40 Deuces
- High Roller
- Live free or die
- Iron Goddess of Vengeance
- Out of Control
- Strike of the Viper
- Death Race
- White Wizzard
- - - Bonus-Tracks - - - - Gates of Gehenna (Cloven-Hoof-Cover)
- Heading out to the Highway (Judas-Priest-Cover)
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Laufzeit:
Band-Infos:
| | www.whitewizzard.net  |
Probehören und Kaufen:
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