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Review: Whitesnake
 
GOOD TO BE BAD

Album:
 GOOD TO BE BAD, 2008, Steamhammer

Stil:
 Hard Rock

Wertung:
 4 von 7
4 von 7 Punkten
 J.G., 16.04.2008

Review:
 Herr Coverdale und seine "Whitesnake" haben es mir als eingefleischtem Fan der ersten Stunde diesmal nicht sehr leicht gemacht.
Um tatsächlich Entwicklungen zu erkennen und Vergleiche ziehen zu können, gings ins Archiv. Dort schnappte ich mir die Alben LOVEHUNTER (1979), READY AN' WILLING (1980), COME AN' GET IT (1981), SAINTS & SINNERS (1982), SLIDE IT IN (1984), 1987 (1987), schließlich noch SLIP OF THE TONGUE (1989) und damit zehn Jahre Whitesnake-Musikgeschichte.
Eine harte Probe für den Meister, muss er doch gegen den stärksten Gegner antreten, den man sich vorstellen kann - gegen seine eigene ruhmreiche Vergangenheit.

Was erwartet mich 2008? Hat es der Altmeister geschafft, die alten Tugenden nach 20 Jahren wieder abzurufen? Wie ist es um seine Stimme bestellt? Hat der Spagat zwischen Alt und Neu funktioniert?
Fragen über Fragen, die es nun zu beantworten gab.

Der Opener "Best Years", eigentlich das Aushängeschild eines Albums zeigt doch tatsächlich die erste halbe Minute vertraute Klänge. Verzerrte Gitarren ein basslastiger Groove und Hammond-Orgelklänge, so wie man es bisher gewohnt war, klingen schon Mal nicht schlecht. Auch der Einsatz des Meisters am Mikro ist durchaus akzeptabel, wenn auch deutlich dünner als früher. Und dann der Refrain, immer das Herzstück eines jeden Whitesnake-Songs, nur nicht hier. Durchaus noch mit einem gewissen Groove, zerfällt in jede Menge konfuse Splitter ohne wirkliche Wohlgefühle im Gehörgang zu erzeugen. Einzig und allein das spätere Gitarren-Solo mildert den Schmerz. Wo sind die Zeiten von Openern wie "Young Blood", "Come an' get it" oder gar dem genialen "Fool for your Loving". Hier zumindest habe ich nichts davon gefunden. "Best Years"...are gone!
Harter Gitarreneinstieg bei "Can you hear the Wind blow" jedoch kaum geändertes Szenario. Vielleicht liegt es auch daran, dass Coverdale nur mühevoll die oberen Oktaven erklimmen kann und lieber zur Unterstützung einen Chor gebraucht. "Over the Mountains..." singt David, aber erklommen hat er hier keine Gipfel. Ich erinnere hier an 2. Songs wie "Sweet Talker" und "Hot Stuff".
"Call on me", der dritte Versuch hört sich endlich überzeugender an. Bluesiger Groove, ein etwas höher agierender Frontmann und ansatzweise ein gefälliger Refrain, wenn auch noch meterweit von einem richtigen Ohrwurm entfernt. Wenn ich da an 3. Songs wie "Don't Break my Heart again" denke oder auch an "Ready an' Willing" und "Give me all your Love", dann kommen mir die Tränen - nein, nicht der Rührung, sondern der Trauer.
Die erste Ballade lauert hinter "All I want, all I need". Endlich fühle ich mich wieder heimisch und wohl. Hier hat er noch nichts verlernt. Hier stört es auch nicht weiter, dass er seine Stimme in den unteren Regionen schonen kann. Für Gänsehaut reicht es allemal. Instrumente dezent im Hintergrund, ein griffiger Refrain und ein Pfund Schmalz, fertig ist das Balladen-Gericht.
Der Titelsong "Good to be bad" gibt sich schwungvoll, wenn mir auch langsam das Gitarren-Gejaule auf die Nerven geht. Wer spielt die Gitarren? Ach nur Doug Aldrich und Reb Beach, also quasi völlig Unbekannte, na ja dann ist es auch kein Wunder. Nein Jungs, Spaß beiseite, klar sind das ganz und gar keine Unbekannten, nur weil man etwas oft genug wiederholt, wird es nicht besser. Die Soli spielt ihr doch auch glänzend. Ansonsten der bisher beste Song auf dem Album, wie es beim Titelsong auch sein sollte. Zur Erinnerung, 5. Songs: "Wine, Women an' Song" oder wirkliches Gejaule bei "Kittens got Claws". Eieiei, was waren das für Granaten.
Eine weitere kleine Steigerung gibt es mit "All for Love". Flott, einprägsam und mit halbwegs griffigem Refrain können wieder ein paar Pluspunkte eingefahren werden. Einmal mehr zeigt sich das Manko des Albums, Davids Stimme oder besser die Abwesenheit der selbigen. Immer das gleiche Strickmuster, untere Oktaven, Chorunterstützung und wenn es dann mal nach oben geht, Fade out mit Hall. Ja, ja da sind sie die 6er: "Is this Love", "Child of Babylon" und "Here I go again". Ich erspare mir den Kommentar.
"Summer Rain" mit Akustik-Gitarre und Vibrato in der Stimme versprüht jedoch mehr den Charme einer Rod Steward-Ballade, als einem Whitesnake-Ohrenschmeichler. Ähem, solide jedoch belanglos, so das Fazit - und sorry Rod, so durchschnittlich warst du selten. Na dann doch lieber "Spit it out" oder "Straight for the Heart" - das waren wenigstens 7er.
"Lay down your Love" ein Mid-Tempo Rocker, der nichts Neues bringt. Hier hat sich der Altmeister wenigstens einmal erstklassig bei seinen eigenen Erfolg-Titeln bedient, alles in einen Mixer geworfen und einen hörenswerten Bastard zusammen gebracht. Schmackhaft. Fast vergessen, die 8ten: "Judgement Day", "Outlaw", "Black and Blue" (Jau! Jau! Jau!) und "Rock an' Roll Angels".
Schwer und zäh steigt der extrem bluesige Song "A Fool in Love" langsam an die Oberfläche. Hier kann man mühelos mitnicken und sich voller Freude auf die Schenkel klatschen. Ein Song wie man ihn bisher vermisst hat. Ebenfalls Spaß machen die ausgiebigen Gitarren-Soli. Aber seit wann setzt Coverdale für seine Stimme einen Fazer ein oder klingt die schon normal so? Die 9er-Parade: "Dancing Girl", "She's a Woman", "Hungry for Love" und "Rock'n' Roll Women".
"Got what you need" kann mit einem tierischen Schnellstart überraschen. Außer einem interessanten und schwindelerregend schnellem Solo hat man aber vergessen, dem Song noch ein paar Riffs mehr zur Abwechslung auf den Weg zu geben. Was bleibt ist ein unterhaltsamer Rocker, der nur kurzweilig in den Gehörgängen verbleibt. In jedem Fall besser, die 10er-Songs der Oldies "Saints an' Sinners", die Mega-Ballade "Sailing Ships" oder "Till the Day I die".
"'Till the End of Time" beendet dann als Nummer 11 das Album. Als Ballade mit Akustik-Gitarren gehalten, kann sie schon mal punkten, was die Melodik betrifft. Der leicht bluesige Folk-Einschlag sorgt für das gewisse Etwas. Umso erschreckender ist jedoch der stimmliche Absturz Coverdales. Wie soll der noch einmal eine Live-Tour durchhalten? Absagen hagelte es immerhin schon beim letzten Mal. Fast hätte er mich dran gekriegt, denn die meisten alten Alben haben nur neun oder zehn Songs außer das Album 1987. Da ist es dann "You're gonna break my Heart again", das die finale Runde einläutet. Muss ich mehr sagen?

Fazit: Eines kann man dem Album immerhin bescheinigen, es gibt keine Aussetzer. Aber dafür habe ich auch keine Höhepunkte gefunden. Fans werden es sicherlich kaufen, egal was es kostet. Ich werde für mich die Akte "Whitesnake" schließen und zukünftig auf wirklich gute Songs zurückgreifen, denn die gab es zu Hauf, wie meine kleinen Aufzählungen hoffentlich verdeutlicht haben - nur eben nicht auf diesem Album.
Wer da noch behaupten mag, "Coverdale is back!", der hat wohl noch kein altes Album zum Vergleich aufgelegt. Und wer nun geneigt ist von "Zeitlosem Rockalbum", "Vielfalt der Stimme", "ohne Schwachstellen" zu sprechen, der muss wohl ein anderes Album getestet haben.
Wie sagt man im Sport? "Man sollte aufhören, wenn man seinen Höhepunkt erreicht hat!"
Dieser ist jedoch schon längst überschritten.

Titel-Liste:
 
  1. Best Years
  2. Can you hear the Wind blow
  3. Call on me
  4. All I want, all I need
  5. Good to be bad
  6. All for Love
  7. Summer Rain
  8. Lay down your Love
  9. A Fool in Love
  10. Got what you need
  11. 'Till the End of Time

Laufzeit:
 59:26 Min.

Band-Infos:
 
  • www.band.tld 


  • Probehören und Kaufen:
    Whitesnake: Good to Be Bad

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