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Review: Wicked Sensation |
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Album:
| | CRYSTALLIZED, 2010, Metal Heaven |
Stil:
Wertung:
| |  5,5 von 7 Punkten | | V.R., 03.09.2010 |
Review:
| | Musik aus der Schnittmenge aus fetzigem Heavy Metal und entspanntem Melodic Rock, mal so ganz ohne Power Metal-Anleihen, erfreut sich nach wie vor keiner allzu großen Beliebtheit. Nur wenige Bands, beispielsweise Narnia, schaffen es in diesem Bereich, einen größeren Käuferkreis anzusprechen. Dennoch wagen sich immer wieder Bands in diesen kommerziell nicht gerade unbedenklichen Bereich und können des Öfteren mit durchaus beachtenswerten Ergebnissen überzeugen. Mit der Band Wicked Sensation, die mit CRYSTALLIZED ihr drittes Album veröffentlicht, macht nun auch mal wieder eine deutsche Truppe aus dieser Ecke von sich reden. Und damit man nicht sang- und klanglos untergeht, hat man gleich für Unterstützung durch große Namen gesorgt. So wurde Dennis Ward, seines Zeichens Mitglied bei Pink Cream 69, als Bassist angeworben, und Andi Deris, Sänger von Helloween und Ex-Sänger von Pink Cream 69, übernimmt die Rolle eines Gastsängers. Für langfristigen Erfolg muss aber natürlich auch die musikalische Qualität stimmen, und von dem Gesichtspunkt aus müssen sich Wicked Sensation, so viel sei schon mal verraten, überhaupt keine Sorgen machen.
Mit einem flotten Heavy Metal-Kracher, bei dem die melodische Note nie zu kurz kommt, beginnt das Album. "Better World" ist ein reinrassiger Ohrwurm, der seinen besonderen Charme aus den griffigen Gitarrenriffs und dem einschmeichelnden Refrain bezieht. Natürlich bietet der Song überhaupt nichts Neues, doch bringen Wicked Sensation diese eigentlich so gewöhnlichen Klänge auf so sympathische Art und Weise rüber, dass die Band beim Hörer gleich mit diesem ersten Lied sofort Pluspunkte sammeln kann.
Auch "My Turn to fly" setzt ganz auf eingängige Melodien, ist ansonsten aber kaum mit dem Opener zu vergleichen, da wir es hier mit einem klassischen Midtempo-Rocker zu tun haben. Ganz in der Tradition von Bands wie Europe, Whitesnake oder auch Bonfire rocken die Jungs in den Strophen, was das Zeug hält, um dann in der folgenden Bridge und im Refrain mit einfach nur wunderschönen Melodien auch die letzten Zweifler zu überzeugen. In diesem Song darf Andi Deris seine Stimme zum Besten geben und rundet den ohnehin sehr positiven Eindruck ab.
"Fistful of Dreams" besitzt trotz seinem flotten Tempos einen nicht zu überhörenden AOR-Touch, der hauptsächlich dank der stimmigen Chorgesänge und den immer wieder durchschimmernden, an Toto, Survivor und Konsorten erinnernden, Harmonien entsteht. Auf diese Weise wird auf dem Album schon früh für Abwechslung gesorgt.
Mit "Give it up" folgt ein weiterer, im gediegenen Midtempo gehaltener Rocker, der das Niveau der ersten drei Songs leider nicht erreichen kann, was hauptsächlich an den doch arg belanglosen Melodien liegt.
Aber dieser Ausrutscher sei Wicked Sensation verziehen, da mit "Lost in a World" wieder ein sehr gelungener Song folgt, der zwischen den Polen Ballade und Slow-Rocker hin und her pendelt. Hat man anfangs noch das Gefühl, dass Strophen und Refrain nicht recht zusammenpassen wollen, relativiert sich dieser Eindruck spätestens nach dem dritten Hören. Letzten Endes lebt eine gute Platte auch von Titeln, die nicht sofort ins Ohr gehen, und somit hat dieser Song alleine schon aus diesem Grund absolute Daseinsberechtigung.
Ebenfalls überaus gelungen ist auch die nächste Nummer namens "Love to play" ausgefallen, die mit ihren beinahe schon melancholisch anmutenden Melodien so ganz anders klingt als die bisherigen, zumeist sehr fröhlichen Songs. Aber auch diese nachdenkliche Seite steht der Band wunderbar zu Gesicht.
Leider folgt auf diesen wirklich genialen Titel mit "Gimme the Night" einer der schwächsten Songs des Albums. Lahmes Tempo, altbackene Gitarrenriffs und simpel gestrickte Melodien - das sind nun wirklich nicht die Zutaten für einen Hit. Wicked Sensation haben auf der Platte vielfach bewiesen, dass sie es viel besser können, dementsprechend ist es sehr schade, dass sich ein derartiger Ausrutscher eingeschlichen hat.
Schön, dass die Band mit "Am I right" im Anschluss sogleich wieder einen echten Melodic-Kracher auffährt, der wieder auf wunderbare Art beweist, dass Wicked Sensation großes Potential besitzen. Der Midtempo-Rocksong überzeugt mit schnell zündenden Melodien, tollen Gesangslinien und einem coolen Gitarrensolo und hat somit alles, was ein guter Titel braucht.
Etwas flotter geht die Band bei "Lonely is the Night" zu Werke. Das Lied bietet klassischen Melodic Metal mit eingängigen Hooks, wie er im Buche steht. Der Song ist zwar kein Überflieger, bietet aber mindestens guten Durchschnitt.
Wer harmonische Keyboardklänge mag, wird "Ordinary Man" lieben. Besonders im Intro kommen Fans dieses Instruments auf ihre Kosten, während in den Strophen die reinen Gitarrenklänge regieren dürfen. Wären die nervigen "Yeah"-Gesänge in der Bridge nicht, käme der Song noch deutlich überzeugender daher, doch auch so haben wir es mit einem durchaus gutklassigen Midtempo-Ohrwurm zu tun, bei dem die Band während des Gitarrensolos zur Höchstform aufläuft.
Was fehlt jetzt noch? Richtig, eine Ballade. Mit "The Love I used to know", bei dem man schon am Liednamen erkennt, dass es sich um einen besinnlichen Song handeln muss, haben wir es mit einem eher durchschnittlichen Vertreter seiner Art zu tun. Zwar schaffen es Wicked Sensation in den Strophen, eine wunderbar melancholische Stimmung aufzubauen, nur wird deren Existenz durch den belanglosen "Alles wird gut"-Refrain aufs Äußerste bedroht. Mit ein bisschen mehr Feinarbeit hätte aus dem Song ein richtiger Hit werden können.
Weiter geht es mit "Running through your Veins". Und der Songname passt wie die Faust aufs Auge, denn beim Hören hat man den Eindruck, dass die fetzigen Rhythmen des Liedes durch die Adern fließen und dabei sogleich zum exzessiven Abrocken einladen. Hier präsentiert sich die Band wieder ganz von ihrer starken Seite.
Der letzte Song "Bleeding Hearts" ist dann wahrhaft ein gelungener Abschluss geworden. Der traurige Gesang harmoniert wunderbar mit der nachdenklichen Stimmung des Liedes und somit kann das Lied den insgesamt positiven Eindruck des Albums auf ganz eigene Weise bestätigen.
Fazit: CRYSTALLIZED ist ein gutes Album geworden - nicht mehr und nicht weniger. Viele der enthaltenen Songs ordnen sich weit über dem Durchschnitt ein und haben stellenweise sogar durchaus Hitpotential. Dies ist besonders deswegen so erfreulich, da in dieser Richtung leider nicht besonders viel Material erscheint. Meistens hat man es entweder mit reinem Melodic Rock oder mit purem Heavy Metal zu tun, aber eine Kombination aus Beidem bedienen nur wenige Bands. Leider kommt die Platte aber auch nicht ganz ohne Lückenfüller aus. In diesem Fall wären zehn statt dreizehn Songs vielleicht mehr gewesen, denn würde man zwei bis drei Titel einfach weglassen, dann hätten wir es mit einem durchweg starken Album zu tun. Aber auch so ist der Gesamteindruck schon sehr positiv, so dass man sich auf weitere Veröffentlichungen der Band freuen kann. Vielleicht kommt ja dann beim nächsten Mal der ganz große Wurf dabei raus. |
Anspieltipps:
| | "Better World", "My Turn to fly", "Lost in a World", "Love to play", "Am I right", "Running through your Veins". |
Tipp:
| | Die Band bietet eine gelungene Mischung aus zartem Melodic Rock und metallischen Klängen, dementsprechend sollten sich beide Fraktionen angesprochen fühlen, wobei der Schwerpunkt eher auf der rockigen als auf der metallischen Seite liegt. |
Titel-Liste:
| | - Better World
- My Turn to fly
- Fistful of Dreams
- Give it up
- Lost in a World
- Love to play
- Gimme the Night
- Am I right
- Lonely is the Night
- Ordinary Man
- The Love I used to know
- Running through your Veins
- Bleeding Hearts
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Laufzeit:
Band-Infos:
| | www.wicked-sensation.com  |
Probehören und Kaufen:
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