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Review: Winter´s Verge
 
ETERNAL DAMNATION

Album:
 ETERNAL DAMNATION, 2008, Limb

Stil:
 Epic Power Metal

Wertung:
 4,5 von 7
4,5 von 7 Punkten
 U.B., 05.03.2009

Review:
 Was Heavy Metal betrifft war Zypern für mich bisher ein weißer Fleck auf der Landkarte. Bisher, denn jetzt habe ich von Winter`s Verge das Album ETERNAL DAMNATION in Händen und bin gespannt welche Mucke von der in einen griechischen und einen türkischen Abschnitt geteilten Ferieninsel zu uns kommt. Aufgenommen wurde die Scheibe im Prophecy And Music Factory Studio in Kempten, beinahe direkt vor meiner Haustür. Als Producer griff R. D. Liapakis, der Frontmann von Mystic Prophecy, den Zyprioten unter die Arme. Eigentlich ist ETERNAL DAMNATION kein neues Album sondern eine überarbeitete Neuaufnahme des in Eigenregie erstellten Albums ANOTHER LIFE….ANOTHER END von 2006. Hinzu kamen zwei neue Tracks. George Charalambous Vocals, Harry Pari Gitarre, Miguel Trapezaris Bass, Stefanos Psillides Keyboards und Andreas Caralambous Drums lautet die Besetzung. Kurz nachdem das Album fertig gestellt war schied der Drummer aus. Inzwischen arbeitet man an einem neuen Album wie die Gruppe auf der Homepage verlauten ließ.

Das Titelstück "Eternal Damnation" ist schnell und kompromisslos hart. Jede menge Double Bass ballert durch die Gehörgänge. Die Vocals verbleiben, bis auf wenige sehr hohe Shouts, in angenehmen mittleren Regionen. Die Gitarren sind ganz klar einer der Pluspunkte mit denen die Band wuchern kann. Und das tut sie auch, denn die Sechssaiter fetzen prima. Die Melodie ist eingängig und gefällt mir gut, ebenso die zahlreichen Variationen im Rhythmus und die vielfältigen Drums.
Das Gleiche gilt für "My Winter Sun". Mächtige Drums in rasendem Tempo, gute Gitarrenarbeit mit schönen aber kurzen Soli und eingestreute Keyboards gestalten das Stück kurzweilig. Da gibt es beim Songwriting nichts zu meckern.
Zum Auftakt gibt es auf "Get me out" schreddernde Gitarren und treibende Drums mit reichlich Double Bass Attacken. Die ziemlich tiefen Vocals steigen zügig in der Tonlage an. Interessante kleine Einlagen von Gitarren und Keyboards lockern den Track auf.
"Hold my Hand", der Titel lässt es schon vermuten, ist bedeutend ruhiger. Piano und Keyboard Streicher im Hintergrund sowie leise Vocals klingen nach Ballade. Doch mit einsetzen der Drums und grimmigen Gitarren ist es mit der Ruhe vorbei. Aus dem Meer der düsteren Gitarrenriffs sticht eine helle Sologitarre, die und die Streicher verleihen dem Stück einen epischen Anstrich. Leider können mich weder die Vocals noch die Melodie so ganz überzeugen.
Auch "A Secret once forgotten" lässt bei mir einige Fragen offen. Sehr thrashige Gitarren und ein ziemlich chaotisches Klanggerüst lassen den Track roh und unfertig klingen. Die immer wieder einsetzenden Drum Angriffe zerstückeln das Stück noch zusätzlich. Progressive Anleihen sind ja gut und schön, aber hier fehlt mir der Fluss im Stück.
Das macht "Goodbye" viel besser. Der Song ist zweigeteilt. Piano und Gitarren im Vordergrund mit Keyboard Untermalung geht es verhalten zu bis die Jungs sich darauf besinnen, eigentlich eine Power Metal Band zu sein. Nun werden sprunghafte Tempowechsel präsentiert. Die Gitarre startet zu einem schnell wirbelnden Solo und liefert sich anschließend mehrere Duelle mit dem Keyboard, das alles vor dem fast undurchdringlichen Wall der Drums.
Auf "Spring of Life" schlägt der Power Metal wieder zu. Harte Gitarrenakkorde, tobende Drums und zahlreiche Rhythmen klingen nach Lost Horizon wobei mir die Italiener da besser gefallen. Das Stück hat auch eine Portion True Metal verpasst bekommen, ganz solide aber auch nichts was aufhorchen lässt.
Mit "Can you hear me" wird eine Ballade nachgeschoben, die von der Atmosphäre überzeugt, Violine und akustische Gitarren, Piano und mehrstimmiger Gesang, und selbst die Drums üben sich in Zurückhaltung. Das klingt beinahe folkartig so ein bisschen nach Falconer. Später sorgen die Gitarren mit deftigen Riffs für mehr Zunder bevor die Nummer leise wie zu Beginn mit Piano ausklingt.
"For I have sinned" ist guter, alter Heavy Metal, erdig ohne Faxen. Ein Basssolo und Sprechgesang bilden den Auftakt bis plötzlich der volle Instrumenteneinsatz aus den Boxen dröhnt. Prima sind die schnellen Gitarrenläufe und die Melodie doch zum Ende hin rutscht das Stück ab in wilde Sound Eskapaden was ich als Stilbruch empfinde.
Beschaulich geht es auf "To you I sail tonight" zu. Keyboards und Akustikgitarren spielen langsam und werden mit Synthie Streichern unterlegt. Sagte ich beschaulich, nicht so ganz, ohne Vorwarnung wandelt sich das Stück zu einem Mix aus Power Metal mit Folk Elementen. Gute Melodie und sehr aufwändig instrumentiert dazu ein Hoho Chor, hier schöpft Winter`s Verge aus dem Vollen und erinnert mit dem Mittelalter Feeling erneut an Falconer.
Eine waschechte Ballade zum Schluss, "Suicide Note" setzt nur auf mehrere Akustikgitarren und leise Vocals untermalt von kurzen Auftritten einer Syntie Geige. Das melancholische Stück könnte eine Fortsetzung von "Letter to Dana" von Sonata Arctica sein. Hier beweist Winter`s Verge einmal mehr, Balladen liegen ihnen.

Fazit: An Melodic Power Metal Bands herrschte in den vergangenen Jahren kein Mangel, im Gegenteil. Da fällt es einem Newcomer umso schwerer sich in der Masse Gehör zu verschaffen. Und diese Schwierigkeiten hat ganz sicher auch Winter`s Verge. Mit Liapakis hat man einen bewährten Produzenten an der Seite der zugleich mit seiner überragenden Stimme die letzten Mystic Prophecy Alben zu einem Hörgenuß machte. Von so einer Gesangsleistung ist ein George Charalambous noch weit entfernt, besitzt aber eine recht gute Stimme und setzt sie clever ein. Typische Power Metal Shouts an der Hörgrenze gibt es von ihm meist nur am Ende des Songs und da eher sparsam eingesetzt, sorgen sie dann für besondere Aufmerksamkeit. Die Gitarrenarbeit von Harry Pari ist mehr als ansprechend der Mann geht virtuos zur Sache, ein wichtiger Pluspunkt. Die Drums besitzen richtig Punch und Druck, dazu harmonieren sie prima mit dem Bass. Die Keyboards bleiben oft im Hintergrund, bis auf einige Duelle mit den Gitarren abgesehen, nur bei den Balladen setzt Tastenmann Psillides mit dem Piano stärkere Akzente. Und genau bei den Balladen kann Winter´s Verge dann auch besonders punkten. Bei den ruhigen Stücken sind die Melodien schön eingängig und besitzen eine dichte Atmosphäre. Die Power Metal Kracher sind leider oft zu konturenlos, schon hundert Mal gehört von anderen Bands fehlt es an Widererkennungswert da helfen auch die progressiven Elemente nicht sonderlich. Teils episch und mit Mut zu komplexeren Arrangements versehen sind die heftigen Stücke nicht schlecht, heben sich aber auch nicht ab von der Vielzahl ähnlicher Veröffentlichungen. Vom Songwriting besteht hier noch Nachholbedarf. Winter`s Verge besitzt Potenzial und mit Hilfe von Liapakis der hier für eine druckvolle, saubere Produktion sorgte, kann die Band bestimmt noch deutlich zulegen.

Anspieltipps:
 "Eternal Damnation", "My Winter Sun", "Goodbye", "Can you hear me" und "To you I sail tonight".

Tipp:
 Hier wird Power Metal ohne Eunuchengesang geboten. Anhänger von Power und Speed die es auch mal beschaulicher lieben und die eine oder andere Ballade bewusst genießen, können hier getrost reinhören. Angra und Stratovarius fallen mir spontan als im Stil ähnliche Kapellen ein, was die schnelleren Stücke betrifft.

Titel-Liste:
 
  1. Eternal Damnation
  2. My Winter Sun
  3. Get me out
  4. Hold my Hand
  5. A Secret once forgotten
  6. Goodbye
  7. Spring of Life
  8. Can you hear me
  9. For I have sinned
  10. To you I sail tonight
  11. Suicide Note

Laufzeit:
 53:59 Min.

Band-Infos:
 
  • www.winterverge.com 


  • Probehören und Kaufen:
    Winter´s Verge: Eternal Damnation

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