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Review: Winter's Verge
 
TALES OF TRAGEDY

Album:
 TALES OF TRAGEDY, 2010, Massacre

Stil:
 Epic Power Metal

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 J.G., 28.12.2009

Review:
 Als der Sänger George Charalambous und Keyboarder Stefanos Psillides im September 2003 die Band Winter's Verge in Nicosia gegründet hatten, gehörte Zypern noch zu den wenigen (fast) unberührten Flecken in Europa, die noch keine bekannte Rock- oder Metal-Szene besaßen. Jetzt sechs (eigentlich sieben) Jahre später hat es das Quintett immerhin schon auf zwei Alben gebracht. Eine stolze Leistung, bedenkt man, dass es nicht gerade leicht ist, in Zypern überhaupt geeignete Mitstreiter zu finden.
Nach den obligatorischen Line-Up-Wechseln, die nicht immer musikalische Ursachen hatte, sondern auch den Einzug zum Militärdienst, scheint nun eine gewisse Konstanz und Qualität eingekehrt zu sein. Klar, das der Wechsel des Labels von Limb zu Massacre Records nicht nur einen großen Schritt für die Band darstellt, sondern auch mit entsprechenden Ansprüchen verbunden ist.
Ob der Zweitling TALES OF TRAGEDY die hohen Erwartungen erfüllen kann, wenn er Ende Januar 2010 auf den Markt kommt, wird sich schon recht früh zeigen, denn Anfang des Jahres begleiten die Zyprioten Stratovarius und Mystic Prophecy auf ihrer Tour. Wollen sie dabei nicht unter die Räder geraten, dann müssen sie ordentliches Material im Gepäck haben.

Zumindest der Opener "World of Lies" zeigt schon einmal, dass sich Winter's Verge dort recht wohl fühlen wo sich auch die beiden Tourkollegen Stratovarius und Mystic Prophecy musikalisch bewegen. Temporeicher melodischer Metal mit jeder Menge Power wummert aus den Boxen und hinterlässt die Lust auf mehr.
Power und Tempo bieten auch die beiden Nachfolger "Old Man’s Wish" und "I swear Revenge" wobei letzterer einen Tick melodischer, aber stellenweise auch abgedrehter erscheint.
Für richtiges episches Feeling hat man bis zur ruhig startenden Power-Ballade "For those who are gone" warten müssen. Der gefühlvolle Einstieg mit weiblichem Chor, E-Piano-Klängen und Flöte wird schnell durch ein männliches Stimm-Duo abgelöst, das in der ersten Hälfte mit überwiegendem Akustik-Set begleitet wird, bevor man in der zweiten Hälfte den Hammer auspackt und mit einem E-Gitarren-Solo den metallischen Nachbrenner zündet. Abwechslungsreich, hörenswert und mein persönliches Highlight.
Es folgt eine weitere episch angehauchte Hymne "The Captain’s Log", die nahezu nahtlos dort ansetzt, wo der metallische Teil des Vorgängers geendet hatte. Diesmal beherrschen melodische Chöre im Refrain und progressive Ausritte auf Keyboards und E-Gitarren die Szene, die mehr und mehr die zu Anfang herrschende epische Grundstimmung verdrängen.
Wer auf Power Metal mit dezenten orchestralen Anteilen steht, der wird bei dem Up-Tempo-Kracher "Dark Entries" hervorragend bedient. Im wilden Galopp reitet die Gitarrenfront eine um die andere Attacke und kann sich dabei auf den nötigen Basisdruck von der Rhythmusfraktion verlassen.
Nach so viel Power kann man beim folkloristisch angehauchten "Madness once called Love" kurz entspannen und Bilder griechischer Tavernen vor dem inneren Auge abrufen. Die Verschnaufpause währt jedoch nur kurze Zeit, bevor auch dieser Song metallische fahrt aufnimmt, wenn auch tempomäßig zurückhaltend gearbeitet wird.
Für "Reflections of the Past", dem längsten Song des Albums, ziehen Winter's Verge nochmals alle Register. Es beginnt melancholisch, bedingt durch leichte Gothic-Einflüsse und steigert sich mit jeder Menge progressiven Keyboard- und Gitarren-Parts zu einem richtigen Power-Schmachtfetzen, der nach spätestens fünfeinhalb Minuten zu seiner Höchstform aufläuft. Diesmal spielte in der zweiten Songhälfte die charakteristische Stimme von George nur eine Nebenrolle.
Zum Abschluss gibt es nichts Neues mit "Curse of Time", sondern bereits bekannte druckvolle und melodische Kost, die den Bogen zu den ersten drei Songs schließt und zumindest zu einer weiteren Runde motiviert.

Fazit: Ob es der Labelwechsel war, die nötige Zeit für die musikalische Reife oder gar die führende Hand und jede Menge Tipps des ex-Drummers und Webmasters Andreas Charalambous, ist schwer zu beurteilen. In jedem Fall hat der Fünfer aus Zypern einen deutlichen Leistungszuwachs an den Tag gelegt, der zumindest ausreicht, um sich in der Oberliga Gehör zu verschaffen. Stellenweise herrscht mir noch eine Spur zu viel Wildheit, die sicherlich auch ihren ganz eigenen Charme besitzt, jedoch gerade den entscheidenden Unterschied zwischen "sehr gut" oder "recht ordentlich" und "perfekt" ausmacht. Immerhin sollte diese Album genügen, um von der Metal-Welt endgültig einen weißen über Zypern liegenden Fleck zu beseitigen. Bleibt der Leistungszuwachs bis zum nächsten Album bestehen, kann aus Winter's Verge noch etwas ganz Großes werden.
Anspieltipps:
 "World of Lies", "For those who are gone", "Dark Entries" und "Reflections of the Past"

Tipp:
 Freunde episch angehauchter Power Metal-Kost, sollten sich ein Probehören nicht entgehen lassen.

Titel-Liste:
 
  1. World of Lies
  2. Old Man’s Wish
  3. I swear Revenge
  4. For those who are gone
  5. The Captain’s Log
  6. Envy
  7. Dark Entries
  8. Madness once called Love
  9. Tomorrow’s Dawn
  10. Reflections of the Past
  11. Curse of Time

Laufzeit:
 53:25 Min.

Band-Infos:
 
  • www.wintersverge.com 


  • Probehören und Kaufen:
    Winter's Verge:
    Tales of Tragedy

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