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Review: Wizard
 
OF WARIWULFS AND BLUOTVARWES

Doppelschlag:
 Zwei Meinungen: S.M. (6,5/7) | V.R. (5/7)

Album:
 OF WARIWULFS AND BLUOTVARWES, 2011, Massacre

Stil:
 True Metal

Wertung:
 6,5 von 7
6,5 von 7 Punkten
 S.M., 24.05.2011

Review:
 Ich musste ungefähr dreimal hinschauen, ob ich mich beim Titel des neuen Wizard-Albums nicht verlesen hatte. Aber das Ding heißt tatsächlich ...OF WARIWULFS AND BLUOTVARWES. Die Erklärung des Ganzen liegt in den verwendeten Texten begründet, die auf den Hagen-von-Stein-Fantasy-Geschichten des Wuppertaler Autors Andre Wiesler beruhen. Dort geht es wohl um verfeindete Wolf-Clans, aber genauer habe ich mich mit der lyrischen Materie nicht beschäftigt. Und im Falle von Wizard interessiert mich der musikalische Aspekt ohnehin viel mehr.

Und was Wizard hier musikalisch wieder von sich geben, ist schlichtweg der Hammer. Von der ersten bis zur letzten Minute regiert hochklassiger Power Metal in der typisch true-en Marschroute der Münsterländer.
Gleich der Opener, der flotte, aber melodische Titeltrack "...Of Wariwulfs and Bluotvarwes" ist ein Ohrwurm vor dem Herrn, dessen super-Refrain sich unnachgiebig in die Gehörgänge fräst.
"Undead Insanity" ist von Groove und Konstrukt ungleich tougher und dynamischer, packt aber auch wieder einen starken Höhepunkt und ein cooles Solo aus. "Taste of Fear" erinnert mich teilweise etwas an Songs von Metalium (was auch an Sven D'Annas Gesang hier liegt), aber der epische Höhepunkt thront schön über der Komposition.
Der kraftvolle, düster angehauchte Stampfer "Wariwulf" avanciert so ein wenig zu meinem persönlichen Album-Highlight, wobei dieses bei einem durchgehend unheimlich hohen Songwriting-Level auch schwer zu entscheiden ist.
Denn auch das getragene, mystische "Messenger of Death", der Up-Tempo-Rocker "Sign of the Cross", das mächtige "Hearteater", das druckvolle "Hagr" mit seinem epischen Refrain und das vergleichsweise vielschichtige "Hagen von Stein" zum krönenden Abschluss sind alles klasse True-Metal-Hymnen.
Es hat sich zudem kein einziger schwacher Track eingeschlichen. Ich finde es eine wirklich erstaunliche Songwriting-Leistung, praktisch nur Ohrwürmer zu schreiben. Hinzu kommt eine astreine handwerkliche Umsetzung. Und eine derart starke und variable Gesangsleistung habe ich von Sven D'Anna bislang glaube ich auch noch nicht gehört.

Fazit: Sofern es überhaupt noch möglich ist, würde ich Wizard gegenüber dem hervorragenden THOR nochmals eine kompositorische Steigerung bestätigen. Mit ...OF WARIWULFS AND BLUOTVARWES habe ich jedenfalls mein persönliches True-Metal-Highlight des Jahres 2011 gefunden. Wizard lassen hier eine Riege von Top-Hits vom Stapel, die sicherlich ihresgleichen sucht und kaum zu toppen sein wird.
Es wird allerhöchste Zeit, dass auch Wizard etwas von dem True-Metal-Ruhm abbekommen, der ihnen schon längst zusteht.

Tipp:
 ...OF WARIWULFS AND BLUOTVARWES ist meine Top-Empfehlung für Power Metal mit true-er Ausrichtung. Fans des Genres greifen zu!




Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 V.R., 15.05.2011

Review:
 Wenn eine Band ein Konzeptalbum veröffentlicht, dann wird von Fans und Presse häufig etwas ganz Großes erwartet. Schließlich haben sich Konzeptalben im Metal-Bereich schon des Öfteren als absolute Highlights herausgestellt, bis hin zu reinrassigen Götterscheiben wie der OPERATION: MINDCRIME von Queensryche. Wizard ist allerdings nicht unbedingt eine Band, bei der man ein Konzeptalbum erwarten würde. Schließlich steht die Band für eher simpel gestrickten eingängigen True Metal mit zumeist eher zu vernachlässigenden Texten. Beim neuen Album OF WARIWULFS AND BLUOTVARWES verfolgt die Band aber mal einen etwas anderen Ansatz. Während Wizard zwar nach wie vor dem teutonischen Metal reinster Machart frönen, haben sie für die Texte etwas mehr Aufwand betrieben und gar einen Roman musikalisch umgesetzt. Dabei handelt es sich um "Die Chroniken des Hagen von Stein" von André Wiesler. Allein diese Tatsache sollte schon einmal großes Interesse wecken, doch handelt es sich auch um eine gelungene Umsetzung?

Dazu muss erst mal festgehalten werden, dass die Texte von Songs wie dem Opener "Of Wariwulfs and Bluotvarwes" bei Weitem keine Meisterwerke geworden sind, aber doch schon etwas über dem gewohnten Wizard-Niveau liegen. Musikalisch überzeugt der Titel dagegen auf ganzer Linie und bietet straighten True Metal deutscher Machart in gehobenen Tempo und mit Ohrwurmrefrain.
"Undead Insanity" ist noch eine Spur härter, oder sollte man eher sagen ‘truer’ ausgefallen, weiß aber trotz relativ simplen Drummings und Riffings zu überzeugen. Dieser positive Umstand ist zu einem nicht geringen Teil dem schönen Refrain und dem fetzigen Gitarrensolo zu verdanken.
Noch eine ganze Spur besser ist "Taste of Fear" geworden. Das balladeske Intro kann dabei nicht darüber nicht hinwegtäuschen, dass auch dieser Song wieder teutonischen Metal in Reinkultur bietet. Zum Highlight des Albums wird der Titel erst durch den absolut hymnischen Ohrwurmrefrain, den man schon nach dem ersten Hören nicht mehr aus dem Kopf bekommen wird.
"Bluotvarwes" ist dagegen, gerade auch im Vergleich mit dem letzten Song, eher durchschnittlich ausgefallen und lässt so etwas wie eingängige Melodien schmerzlich vermissen. Ab und zu kann man sich den Titel zwar anhören, aber nach einiger Zeit wird er dann zum geradezu prädestinierten Fall für die Skip-Taste.
Glücklicherweise ist der nächste Titel namens "Messenger of Death" gleich wieder viel besser geworden. Der Song ist zwar nicht unbedingt dem reinrassigen Metal zuzuordnen, sondern bietet eher etwas gemächlichen Stampfrock, diesen aber von durchaus hoher Qualität. Zur Mitte hin schieben Wizard dann sogar noch eine gänsehautlastige Akustikpassage ein.
Gewohnte Wizard-Kost erwartet den Hörer bei "Sign of the Cross". Dennoch hält der schnelle True Metal-Song eine kleine Überraschung bereit, denn der Titel ist selbst für Wizard-Verhältnisse extrem melodisch und eingängig ausgefallen, was besonders in den Strophen auffällt. Dadurch kann man das Lied zwar sofort mitsummen, doch der Langzeitwert fällt eher gering aus.
Gar nicht erwartet von Wizard hätte ich einen Song wie "Fair Maiden mine". Schon der Anfang klingt ungewohnt und lässt einen entspannten Melodic Rock-Titel erwarten. Dies ist zwar nicht der Fall, doch nach Wizard klingt das Lied trotzdem nicht, sondern eher nach skandinavischem Melodic Power Metal. Diese Seite steht der Band allerdings unerwartet gut, so dass sich der Song als durchaus positive Überraschung herausstellt.
"Heart Eater", der nächste Titel des Albums, ist dann ein wenig zu simpel ausgefallen, um überzeugen zu können. Hier fehlt es sowohl an Spannung als auch an Abwechslung.
Auch "Hagr" kommt anfangs eher mittelmäßig daher, kann aber zumindest mit dem angenehmen Refrain noch ein paar Bonuspunkte sammeln und entwickelt sich so doch noch zu einem immerhin gutklassigen Vergnügen.
Nicht so "Bletzer", denn dieser enorm ohrwurmlastige Speedkracher kann auf ganzer Linie überzeugen und gehört zu den stärksten Songs des Albums.
Doch das abschließende "Hagen von Stein" ist sogar noch gelungener als letztgenannter Titel. Hier können Wizard sich noch ein letztes Mal alle ihre Stärken ausspielen und ziehen den Hörer mit einem stimmungsvollen Intro, wilden Riffs und einem wahrhaft hymnischen Refrains sofort auf ihre Seite.

Fazit: Wizard nehmen ein Konzeptalbum auf. Was anfangs wie ein Witz klingt, stellt sich in der Realität dann doch als runde Sache heraus, denn OF WARIWULDS AND BLUOTVARWES ist ein mehr als annehmbares Album geworden. Einen Genre-Meilenstein darf man hier zwar genauso wenig erwarten wie das Album des Jahres, doch wenn man das Album als das nimmt, was es ist, nämlich eine gelungene True-Metal-Scheibe, kann man durchaus seinen Spaß damit haben. Die Texte sind jetzt nicht wirklich anspruchsvoll geworden und liegen nur leicht über dem bisherig ziemlich trashigen Wizard-Standard, aber dennoch hat die Buchumsetzung ihren Reiz. Man darf hier eben einfach kein Konzeptalbum nach der Art von OPERATION: MINDCRIME erwarten, wahrscheinlich nicht mal ein TUNES OF WAR von Grave Digger, sondern einfach eine mehr oder weniger logisch zusammenhängende Sammlung von Liedern, welche sich an einem Fantasyroman orientieren. Wizard ziehen ihr Ding jedenfalls konsequent durch und dafür gebührt ihnen Respekt. Poeten werden sie in diesem Leben zwar wohl nicht mehr werden, aber von gutem True Metal haben sie definitiv Ahnung. Und da mehr als die Hälfte der Songs voll und ganz überzeugen können und die Ausfälle deutlich in der Unterzahl sind, darf man Wizards erstem Konzeptalbum gerne mal eine Chance geben.

Anspieltipps:
 "Of Wariwulfs and Bluotvarwes", "Taste of Fear", "Messenger of Death", "Fair Maiden mine", "Bletzer", "Hagen von Stein".

Tipp:
 Fans von typisch deutschen True Metal-Bands wie Grave Digger oder Reaper sind bei Wizard gut aufgehoben.

Titel-Liste:
 
  1. Of Wariwulfs and Bluotvarwes
  2. Undead Insanity
  3. Taste of Fear
  4. Bluotvarwes
  5. Messenger of Death
  6. Sign of the Cross
  7. Fair Maiden mine
  8. Heart Eater
  9. Hagr
  10. Bletzer
  11. Hagen von Stein

Laufzeit:
 47:22 Min.

Probehören und Kaufen:
Wizard: OF WARIWULFS AND BLUOTVARWES

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