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Review: World Come Down
 
SKULLFLOWER

Album:
 SKULLFLOWER, 2008, Ark Noir Records

Stil:
 Crossover

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 J.G., 10.07.2008

Review:
 Unzweifelhaft ist jeder Mensch ein Gewohnheitstier und behilft sich beim Ordnen von Informationen gerne mit Schubladen. In Sekundenbruchteilen werden dabei Entscheidungen zur Vorsortierung getroffen um zu einem späteren Zeitpunkt in Ruhe genauer bewertet zu werden. Das funktioniert natürlich auch mit Musik und jedem sind die beliebten Genre-Bezeichnungen bestens bekannt. Was aber tun, wenn sich eine Band einfach nicht so leicht einsortieren lassen möchte? Was macht gute Musik und Eigenständigkeit einer Band aus? Sind für gute, mitreißende, intensive Musik solche Kategorien sinnvoll oder gar nötig?
Genau diese Fragen haben sich vielleicht auch die Musiker der Süddeutschen Band World Come Down gestellt - oder vielleicht gerade nicht gestellt, sondern einfach ihrer Leidenschaft für Musik nachgegeben und neue Songstrukturen entwickelt. Dass dabei die verschiedensten Einflüsse zum Tragen kammen spiegelt letztendlich auch das Line-Up wider, denn Gitarrist Gary Kretzer und Bassist Mudz Leichtle kommen aus Deutschland, Drummer Beda Bachmayer aus Österreich und der Frontmann Markus Maximilian ist US-Amerikaner.
Für ihr Debüt-Album SKULLFLOWER haben sie sich dabei mächtig ins Zeug gelegt und fleißig drauf los komponiert. Dabei war es egal, ob Rock, Grunge oder Metal. Hauptsache es macht Spaß und dafür wird auch kräftig mit progessiven Elementen veredelt und gewürzt.

Schon der Opener "The Golem and the Copy Cat" verschmelzt eine Fülle unterschiedlicher Stilrichtungen zu einem gewöhnungsbedürftigen aber durchaus interessanten Gesamtwerk. Der Song startet mit harten Nu Metal-Klängen, die von intensiven Gesangspassagen und grungigen melodischen Breaks abgelöst werden. Mit Double-Bass, verzerrtem Gesang und Industrial-Einflüssen geht es in die nächste Runde, die mit üppigen progressiven Gitarren-Soli angefüllt wird. Auch wenn dies deutlich schwerer zu beschreiben ist als zu hören, hat man als Zuhörer am Ende des Songs den Eindruck einen roten Faden gefunden zu haben.
Für "Haunted" beschränkt man die stilistische Vielfalt und punktet mit einem stellenweise rasend schnellem Takt, der durchaus als melodischer Metal durchgehen könnte, wären da nicht die ausufernden Gitarren-Soli.
Der als Slow-Rocker beginnende Song "Hang" bildet das krasse Gegenteil zum bisherigen. Hier sind es gefühlvolle Melodien, E-Gitarren mit Schwebeeffekten und ein dominanter Bass. Hier zeigt Frontmann Markus, dass er auch ruhige Passagen spielend meistern kann. Interessante Breaks und ein paar Zwischespurts lassen jedoch auch diesen Song keineswegs in Trivialität versinken. Dafür sorgen schon die fast achteinhalb Minuten Spielzeit.
"Shadowman", rau, kantig und düster startend, entwickelt sich mit Double-Bass und tonnenschweren Gitarren-Riffs schnell zu einem fast thrashigen Metalbrocken, den man gut kauen sollte, bevor man ihn gefahrlos herunter schlucken kann. Auch das Break mit melodischem Intermezzo kann die gebotene Härte nur geringfügig abmildern.
Akustik-Gitarren, Melodielinien und Gesang erinnern bei "Bourne" zunächst an die guten alten Zeiten amerikanischer Liedermacher. Karierte Holzfäller-Hemden sind jedoch genauso out, wie der Grunge selbst und deshalb gibt es auch hier kein Menü Marke BoFrost & Co., sondern World Come Down-Special.
"Ego multiplied", so unergründlich, düster und unheimlich wie ein Egomanchmal eben sein kann, ist zunächst Düsternis angesagt, bevor die Gitarren-Front mit hartem Riffing und Double-Bass-Unterstützung in Richtung Mid-Tempo Metalcore abbiegt und nach einer weiteren mit Vollgas genommenen Kurve-Attacke gänzlich im Heavy Metal landet.
Psychedelic Klänge, zähflüssige Riffs und melancholischer Gesang sind die bestimmenden Elemente von "Abyss", das sich zum Ende hin zu einem dichtgewebten Klangteppich entwickelt.
Mit stolzen zehn Minuten ist "Radiate" der längste Song des Albums. Er beginnt mit luftigen, etwas an Led Zeppelin erinnernden Gitarrenklängen. Später folgen verzehrend melancholische Riffs mit jeder menge weiteren Überraschungen. In jedem Fall eine musikalische Achterbahn zwischen himmelhoch jauchzender Freude und kilometertiefer düsterer Melancholie.
Noch mal richtig zur Sache geht es bei "Cold" und auch dem abschließenden "The Source", wobei die düsteren Stimmungen bei beiden eindeutig vorherrschen und das Album mit einem melancholischen Ausklang beschließen.


Fazit: World Come Down haben mit ihrem Debüt-Album bewiesen, dass man bei Musik nicht in Kategorien denken muss, um Spaß zu haben und Spielfreude zu beweisen. Fließend geschehen die Übergänge und jedes Break hält eine neue Überraschung für den Zuhörer bereit. Handwerklich arbeiten alle auf hohem Niveau und sollen angeblich auch live durchaus überzeugen können.
Der Preis für diese Art komplexer und unkonventioneller Songs ist in jedem Fall die fehlende Eingängigkeit. Es fällt einfach schwer, sich nach drei Songs an den ersten zu erinnern. Prog-Fans werden dies vermutlich lieben, die Radio-Stationen werden die Songs ignorieren.

Tipp:
 Für alle, die stiloffen sind und in eine klangliche Welt abtauchen möchten, die in ihrer Komplexität nur allzu gut unser Alltagsleben und deren Probleme repräsentiert, sollten hier genauer hinhören.

Titel-Liste:
 
  1. The Golem and the Copy Cat
  2. Haunted
  3. Hang
  4. Shadowman
  5. Bourne
  6. Ego Multiplied
  7. Abyss
  8. Radiate
  9. Static
  10. Cold
  11. The Source

Laufzeit:
 59:48 Min.

Band-Infos:
 
  • www.worldcomedown.com 


  • Probehören und Kaufen:
    World Come Down: Skullflower

     
     
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