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Review: Wuthering Heights
 
SALT

Album:
 SALT, 2010, Scarlet

Stil:
 Melodic Progressive Power Metal

Wertung:
 6,5 von 7
6,5 von 7 Punkten
 S.M., 30.07.2010

Review:
 SALT, das fünfte Studioalbum von Wuthering Heights, hatte sich still und klammheimlich angeschlichen - ja sogar fast an meiner Aufmerksamkeit vorbeigeschlichen. Wäre ich nicht in einem Ösi-Magazin zufällig über ein Review gestolpert, hätte ich von seiner Existenz gar nichts gewusst. Offenbar halten Scarlet Records nichts von einer großangelegten Promotion.
Nun, wie auch immer, als begeisterter Hörer der vorherigen Werke, freue ich mich darauf, SALT auf diesen Seiten besprechen zu dürfen. Neun Stücke beinhaltet das Album, und wenn man bedenkt, dass dabei noch ein Intro und ein kurzer Folksong eingeschlossen sind, wird klar, dass bei einer Spielzeit von fast einer Stunde bei den übrigen sieben Stücken einige musikalische Komplexität vorherrscht.

Das bewahrheitet sich auch gleich beim ersten vollen Track "The desperate Poet". Die Arrangements sind ausgefeilt und vielfältig. Das Stück strotzt vor Rhythmus- und Tempiwechseln und sich verändernden Intensitäten. Und trotzdem kann man der Hookline, die auf einer klasse, leicht folkigen Mainmelodie aufbaut, immer wieder folgen. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch den recht anspruchsvollen Song und bringt auch das benötigte Quentchen Eingängigkeit mit sich.
Eigentlich ist SALT ein Album, aus dem man keine Anspieltipps herausfischen kann. Da es sich um ein konzeptionelles Werk handelt, bauen Melodien mitunter aufeinander auf, spielen sich gegenseitig sozusagen die Bälle zu und verbinden dadurch mehrere Stücke zu einer Einheit, die man auch nicht analytisch auseinanderreißen möchte.
"Mad Sailor" beispielsweise, das auf "The desperate Poet" folgt, führt irgendwie die Linie des Vorgängers fort, obwohl es sich um eine ganz andere Grundmelodie handelt und der Song insgesamt stimmungsvoller ist. Dennoch passen die beiden in der konzeptionellen Abfolge einfach gut zusammen. Dem Konzept liegt übrigens die Seefahrt zugrunde, was "Mad Sailor" mit den leichten Anleihen bei Shanties aber auch nicht verleugnen kann.
Bei manchen Parts kommen mir Wuthering Heights auf SALT wie eine melodische progressive Ausgabe von Alestorm vor. Auch "The last Tribe (Mother Earth)" hat so ein paar Passagen dieser Art. Doch verknüpfen die Dänen diese Elemente einfach bestens mit ihrem anspruchsvollen Sound. Das ist in meinen Augen Songwriting auf allerhöchstem Niveau. Heraus kommen gnadenlos gute Kompositionen, die eine nahezu perfekte Balance aus progressiver Komplexität und melodischer Eingängigkeit halten.
SALT ist keineswegs ein Album, das beim ersten Hördurchgang all seine Finessen offenbart. Gerade diese konzeptionelle "Zusammenarbeit" der Melodielinien wurde mir erst nach mehreren Durchläufen bewusst. Und ich kann nur sagen, dass das Werk mit jedem Hören ein bisschen besser wurde.
Auch technisch agieren Wuthering Heights auf höchstem Niveau. Die vielseitige Gitarrenarbeit (insbesondere die gelegentlichen zweistimmigen Leads) und der fast unvergleichlich gute Gesang von Nils Patrick Johansson, den man auch von Lion's Share oder Astral Doors kennt, haben es mir angetan. Doch natürlich tragen alle Musiker ihren Anteil zum Gelingen dieses Werks teil. Ich habe auch selten ein klüger eingesetztes Keyboard gehört, das immer genau in den richtigen Momenten seine melodischen Auftritte hat und dann auch die Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann.
Ich muss wie gesagt nicht auf jeden Track einzeln eingehen, da das Album vor allen Dingen von der Klasse und der Gemeinsamkeit all seiner Songs profitiert. Trotzdem bedarf das absolute Meisterstück einer unbedingten Erwähnung: das über 16-minütige "Lost at Sea" beginnt wie ein instrumenteller Speed-Metal-Song und erinnert mich in der Phase fast an Dragonforce. Danach geht es in einen besinnlichen, fast melancholischen Abschnitt über, der bereits mit einigen Tempowechseln und experimentellen Arrangements aufwartet. Im weiteren Verlauf deckt das Stück dann noch die progressiven Eigenheiten, die folkigen Einflüsse, die energetischen Power-Metal-Bereiche, die düster-tiefgründigen Ideen und die epische, melodische Seite des vielschichtigen Sounds der Dänen ab. Im Grunde hätte man aus den vielen unterschiedlichen Passagen des Longtracks fast ein eigenes Album machen können, wenn man sie nur jeweils ausgereizt hätte. Allerdings ist "Lost at Sea" nicht ganz so leicht zugänglich, wie manche der anderen Songs.

Fazit: Trotz der guten Vorgänger ist SALT meiner Meinung nach das bisher stärkste Album von Wuthering Heights. Das gesamte Werk ist eine stabile Einheit von hochkarätigem Songwriting. Alles wirkt sehr gut durchdacht und aufeinander abgestimmt. Komplexität und Eingängigkeit halten sich dabei die Waage und sprechen sowohl die Freunde der progressiven Kompositionskunst, wie auch die Melodic- und Power-Metal-Anhänger an. Die leichten Anleihen beim Folk Rock und bei Seemansliedern bringen weitere Abwechslung ein. Insgesamt wird daraus eine gute Stunde Metal-Hörvergnügen. So bekommt SALT von mir auch eine astreine Empfehlung.

Titel-Liste:
 
  1. Away!
  2. The desperate Poet
  3. The mad Sailor
  4. The last Tribe (Mother Earth)
  5. Tears
  6. Weather the Storm
  7. The Field
  8. Water of Life
  9. Lost at Sea

Laufzeit:
 59:33 Min.

Probehören und Kaufen:
Wuthering Heights: SALT

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