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Review: Zandelle
 
FLAMES OF RAGE

Album:
 FLAMES OF RAGE, 2009, Pure Steel

Stil:
 Power Speed Metal

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 U.B., 29.07.2009

Review:
 Mit FLAMES OF RAGE liegt nun das dritte Album der Power Metaller von Zandelle vor. Gegründet wurde die Band bereits 1995. Der begrenzte Output von 3 Alben in 14 Jahren ist ein Hinweis auf eine nicht ohne Schwierigkeiten verlaufene Bandgeschichte. Nach mehreren Besetzungswechseln und der Zusammenarbeit mit verschiedenen Labeln ist Zandelle jetzt bei Pure Steel Records gelandet. Das Quintett besteht aktuell aus George Tsalikis Vocals, den beiden Gitarristen Rudolf Albert und Paul Duthil, Anthony Maglio am Bass und Jofu Cardillo Drums. Zandelle stand und steht noch immer für eins: Power. Davon gibt es auf allen Alben mehr als genug. Und würde unsere Gesundheitsministerin Frau Schmidt nicht gerade ihrem Luxuswagen nachjammern und stattdessen diese Scheibe anhören, würde garantiert sofort ein Sicherheitshinweis auf FLAMES OF RAGE kleben: "Für Schwangere und Menschen mit Herz- Kreislaufproblemen ist dieses Album nicht geeignet. Vor dem Konsum wird ausdrücklich gewarnt."

Die Eröffnung auf "Killing Gaze" macht sofort und unmissverständlich klar was hier angesagt ist. Das wilde Drumming und die maschinengewehrartig fetzenden Gitarrenriffs hämmern ohne Unterlass. Das ist Power Speed pur. Die Zewa Soft Taschentuch Generation dürfte bereits nach den ersten Takten kurz vor einer ausgeprägten Ohnmacht stehen. Das Tempo ist hoch, sehr hoch. Dazwischen blitzen Keyboard Passagen auf. Für dieses Instrument hat man wohl einen Studiomusiker verpflichtet. In all dem Geknüppel finden sich mehrere ruhige Einschübe bevor die Gitarren die Schallmauer durchbrechen. Die Vocals von dem in Amerika geborenen Georg Tsalikis (griechischer Abstammung) bewegen sich meist im mittleren Bereich und wechseln zuweilen zu tieferem Sprechgesang.
"Broken Trust" startet mit Mörder Riffs ungemein kraftvoll aber auch wenig melodisch. Die Drums stehen sogar noch weiter im Vordergrund als beim Vorgänger. Die Nummer ist mir ehrlich gesagt etwas zu kaotisch. Erst mit einem schönen Gitarrensolo wandelt sich die Sache zum Besseren. Nun wird der Song orchestral und eingängiger.
Das Titelstück "Flames of Rage" beginnt mit einem kurzen Drumsolo bevor die Gitarren mächtig Gas geben und tapfer gegen das ständige Double Bass Gepolter ankämpfen. Erst im Verlauf erhalten die Gitarren mehr Freiraum und lösen sich von den dominanten Drums. Der Song strahlt ein gerüttelt Maß an Wut und Aggression aus daher passt der Titel gut.
Wie eine Gewitterfront aus infernalischen Drums überrollt einen "Thermopylae". Hier gibt es schwer was auf die Ohren. Bei aller Power und dem zelebrierten Hochgeschwindigkeits- Metal geht die Melodie leider nahezu gänzlich unter. Die Vocals verharren zu sehr in den monotonen Mitten. Nur in den Phasen in denen Zandelle den Fuß vom Gas nehmen ist ansatzweise etwas Melodisches in der Nummer auszumachen. Auf den älteren Alben hatte das Quintett ein feineres Händchen was die Verbindung von explodierender Kraft und gefälliger Melodie betrifft.
"Dark Nemesis" ist, gemessen an dem bis jetzt gebotenen Material, beinahe so etwas wie eine Atempause. Die Gitarren gehen zwar weiter in die Vollen aber vom Tempo lässt man es ruhiger angehen. Die mehrstimmigen Chöre geben dem Track einen epischen Charakter nur der Leadgesang klingt in den ganz hohen Tönen etwas gequält. Es handelt sich um einen progressiven Song mit vielen Tempovariationen und Rhythmuswechseln.
Nach dieser ganz kleinen Verschnaufpause regiert auf "Faces of War" schon wieder der Supersonic Power Metal mit dem verhaltenen Charme einer Abrissbirne. Die Drums klingen nach Dragonforce unter Starkstrom und wummern mit einer 6 auf der Richter Erdbebenskala. Gitarren und Bass halten furios dagegen. In der zweiten Hälfte wird das Stück gekonnt in progressive Bereiche übergeleitet mit verschachteltem Instrumenteneinsatz. Tatsächlich gelingt es den wild schreddernden Gitarren die Drums noch zu überflügeln, nicht uninteressant aber auch sehr gewöhnungsbedürftig.
Ups, ja was ist das denn? Ist "Inner Strength" etwa eine Ballade? Nach ruhigem Beginn mit leisen, traurigen Vocals liegt die Vermutung nahe doch die unvermittelt losdreschenden Drums und wilden Gitarren Attacken blasen dann auch prompt jeden Gedanken an Ballade in tausend Stücke. Wie gemein, links Ballade antäuschen und dann rechts vorbei preschen. Battle Metal ala Manowar stampft schwer und wütend aus den Lautsprechern. Das Tempo ist für Zandelle Verhältnisse schon schleppend tut dem Stück aber ausgesprochen gut. Das Ding hat nicht nur schiere Kraft sondern gefällt endlich auch mit gutem Songaufbau. Die Vocals klingen öfter aggressiv nach Rob Halford. Up The Irons!
Wie nicht anders zu erwarten wechselt das Tempo mit "Defiance" erneut auf das Ende der Tachoskala. Zwischen aberwitzigen Geschwindigkeitsorgien von Drums und Gitarren besinnt sich die Band dazwischen auf ihre progressiven Talente und variiert das Tempo bevor auch noch der letzte Hörer schwindlig vom Hocker kippt. Nur dem Drummer gehen laufend die Gäule durch, sein Drum Kit kann einem schon Leid tun. Eigentlich nicht Wert zu erwähnen, dass die Gitarren sich von den Temperamentausbrüchen anstecken lassen und die fetzen dann auch ohne Ende.
Das Highlight des Albums wurde für ganz zum Schluss aufgehoben. Hat man bisher schon die Festung mit schierem Power Metal sturmreif geschossen, erfolgt mit "Eradicted Existence" nun der finale Kampf. Und der hat es in sich! Mit über 20 Minuten Länge liefert Zandelle ein Progressive Power Metal Lehrstück ab, ein Kracher der Extraklasse. Wie die Ruhe vor dem Sturm, im Auge des Orkan, erklingen dezente Synthesizer und oh Wunder, nur leise Becken. Auch die Vocals haben sich gefühlvoll angepasst. Langsam werden die Instrumente intensiver bis erst eine und dann auch die zweite Gitarre entfesselt durchstarten. Die Vocals klingen hier in den Höhen spürbar souveräner als bisher. Viele unerwartete Wendungen und musikalische Überraschungen warten auf den Hörer und das ist bei der genannten Länge auch gut so. Über mangelnde Abwechslung kann sich keiner beklagen. Kurze Bombast Einlagen gleiten über in besinnliche Abschnitte die wiederum von der nächsten Speed Einlage abgelöst werden. Die Drums, dumpf wie der Geschützdonner eines Schlachtkreuzers, dazu pfeilschnelle Gitarrenläufe, hier ist Standfestigkeit gefragt. Wenn ich dann denke es ist vorbei, das Stück hat sich in ruhige Gefilde zurück gezogen und ich wage schüchtern den Kopf hinter dem Sofa vorzustecken, hauen Zandelle mir sofort die nächste Soundgranate um die Ohren. Inzwischen schwenke ich in Ermangelung einer weißen Fahne mein Unterhemd doch Zandelle sind unerbittlich. Anscheinend haben sie in den leisen Passagen nur ihre Instrumente nachgeladen um jetzt eine Breitseite nach der anderen abzuschießen. Drums und Gitarren wüten einfach unbeschreiblich und dennoch ist die Nummer mit einer guten Melodie ausgestattet die ich vorab öfter vermisst habe. Kurz zusammen gefasst das Stück ist ein Konglomerat aus Dragonforce im Temporausch, ziemlich progisch angelegt, mit immens viel Power. So und jetzt brauche ich erst mal drei Wochen Sanatorium und einen Herzschrittmacher. Ich hätte doch auf Ulla hören sollen!

Fazit: FLAMES OF RAGE macht seinem Titel Ehre. Die Songs sind energiegeladen, schnell, hart und eben wütend. Die Gitarren sorgen für viel Druck und wuseln mit atemberaubendem Tempo durch die Songs. Die Drums sind stets bemüht alles in Grund und Boden zu knüppeln. Jofu Cardillo an der Schießbude scheint schon als Kind hyperaktiv gewesen zu sein und der Zustand wurde wohl mit jedem Lebensjahr noch ausgeprägter. Mehrfach sind die Drums im Mix zu weit vorn was überhaupt nicht nötig ist da Cardillo durch seine ständigen Eskapaden sich ohnehin gekonnt vordrängt. Wäre die Gitarrenfraktion nicht von der ausgesprochen deftigen Sorte würden die Sechssaiter ganz schön ins Hintertreffen geraten. Die fette Spielzeit und die Abwechslung sind weitere Pluspunkte. Also alles im grünen Bereich? Nicht so ganz. Die beiden Vorgänger Alben TWILIGHT ON HUMANITY und VENGEANCE RISING befinden sich in meinem Besitz und im Rahmen dieses Review habe ich da natürlich nochmals genau reingehört. Auf der einen Seite hat sich der Stil von Zandelle zumindest teilweise in progressive Bereiche verschoben (was ich sehr begrüße) ohne dass man an Härte und Geschwindigkeit eingebüßt hat, die Mischung aus Power Speed Metal mit einem Anflug von neunziger Jahre ist immer noch deutlich auszumachen, aber beim Songwriting, den Melodien und der Eingängigkeit ist die Scheibe doch ein wenig unter die Räder gekommen sieht man mal von dem superben "Eradicted Existence" ab. Mir bleibt bei einigen Stücken zu wenig hängen. Die Songs rauschen mit der erwähnten Geschwindigkeit an einem vorbei ohne besondere Akzente zu setzen. FLAMES OF RAGE ist trotz allem immer noch ein gutes Album doch speziell der Erstling TWILIGHT ON HUMANITY gefällt mir vom Songwriting besser.

Anspieltipps:
 "Killing Gaze", "Dark Nemesis", "Inner Strength" und "Eradicted Existence"

Tipp:
 Für Anhänger von Heavy- Power- Speed Metal sind die Flamen des Zorns ein guter Tipp. Besonders wenn solche Bands wie Gamma Ray, Jag Panzer, Primal Fear, Pyramaze und Dragonforce auf eurer Konsumliste stehen heißt es: auf zur Hörprobe.

Titel-Liste:
 
  1. Killing Gaze
  2. Broken Trust
  3. Flames of Rage
  4. Thermopylae
  5. Dark Nemesis
  6. Face of War
  7. Inner Strength
  8. Defiance
  9. Eradicted Existence

Laufzeit:
 70:20 Min.

Band-Infos:
 
  • www.zandelle.net 


  • Probehören und Kaufen:
    Zandelle: Flames of Rage

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