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Review: Zero Illusions
 
OBLIVION

Album:
 OBLIVION, 2011, Sound Pollution

Stil:
 Heavy Metal

Wertung:
 3,5 von 7
3,5 von 7 Punkten
 V.R., 08.01.2012

Review:
 Bei der Kombination Metal und Schweden werden viele sicherlich wahlweise zuerst an Death Metal oder an melodischen Power Metal denken. Die seit 2004 existierenden Zero Illusions, welche schon 2008 mit ihrem Debüt-Album ENTER ETERNITY für ein wenig Aufmerksamkeit sorgen konnten, haben aber mit Death Metal gar nichts und mit Power Metal nur sehr wenig zu tun. Wie genau die Band musikalisch nun einzuordnen ist, kann man nicht so einfach sagen. Von der Grundsubstanz hat man es hier jedenfalls mit Heavy Metal zu tun, doch bei genauerem Hinhören lassen sich auch Elemente aus Hard Rock, Progressive Metal und Power Metal entdecken, und das alles auch noch mit einem gewissen modernen Anstrich, der mitunter (wenn auch eher unterschwellig) an Nu Metal denken lässt. Die interessanteste Frage bei einer derartigen Konstellation ist natürlich, ob es Zero Illusions nun gelingt, die Fans aller genannten Lager zufriedenzustellen oder ob sie sich ungeschickt zwischen alle Stühle setzen. Werfen wir also mal einen Blick auf das 2011 erschienene zweite Album der Band, welches den Namen OBLIVION trägt. Zu deutsch bedeutet das Vergessenheit oder Nichtbeachtung, was im Hinblick auf die Musik hoffentlich kein schlechtes Omen darstellt.

Beschränkt man den Blick erst mal ausschließlich auf den Opener "Alive", wäre Nichtbeachtung sicher der falsche Weg, da es sich hier um einen mindestens gutklassigen Song in der Schnittmenge zwischen Rock und Heavy Metal handelt, welcher durch dezente progressive Rhythmusspielereien auch noch eine eigene Note erhält. Beim ersten Hören erschließt sich der Titel zwar noch nicht in Gänze, doch spätestens nach dem dritten Hören lässt sich seine Qualität erkennen.
Das speedige "Rise to the Challange" fällt da schon deutlich straighter und eingängiger, aber nicht unbedingt besser aus. Zero Illusions sorgen hier zwar für ordentlich Druck, haben dabei aber einen interessanten Spannungsaufbau genauso vergessen wie eingängige Melodien.
Im gemäßigten Mid-Tempo rockt die Band bei "Who you are" drauf los. Auch progressive Spielereien haben in diesem Song ihren Platz. Mehr als unteres Mittelmaß kommt dabei letzten Endes aber nicht heraus, da dem Song einfach das Besondere fehlt und Zero Illusions hier zudem ein weiteres Mal sehr melodiereduziert an die Sache ran gehen.
Glücklicherweise folgt auf diese beiden schwächeren Titel mit "Honesty" wieder ein guter Song. Zwar erschließt sich der Bruch zwischen Strophe und Refrain auch bei mehrfachem Hören nicht ganz, doch davon abgesehen bietet der Titel alles, was die letzten Lieder vermissen ließen. Interessante Melodien sind hier ebenso vorhanden wie ein – von oben genanntem Bruch mal abgesehen – schlüssiger Spannungsaufbau.
Mehr Rock als Metal ist der nächste Titel namens "Son of the Devil". Anfangs vermag der Song durchaus Interesse zu wecken, doch leider fehlt ihm ein Höhepunkt, da der Refrain reichlich blass ausgefallen ist und mit der Zeit klingt der Titel dann nur noch anstrengend.
Kommen wir nun zum Titelsong "Oblivion", welcher sich zwar nicht als gänzlich schlecht herausstellt, aber ähnlich uninspiriert daherkommt wie der letzte Titel. Melodien und Spannungsaufbau scheinen generell nicht gerade die Stärken der Band zu sein und so fällt auch dieser Titel in genau diesen Punkten negativ auf. Trifft die deutsche Übersetzung des Albums also wirklich zu?
Vielleicht nicht ganz, denn mit der Ballade "Call of Duty" hält die Platte endlich mal wieder einen der raren Höhepunkte bereit. Der Song kommt absolut kitschfrei daher und baut eine angenehm melancholische Stimmung auf. Besonders die Strophen des Liedes machen richtig Lust auf mehr, doch leider kann der Refrain die geweckten Erwartungen dann doch nicht ganz erfüllen, da er ein bisschen zu uninspiriert aus den Boxen plätschert. Trotz dieses Kritikpunkts haben wir es hier aber ganz klar mit einem der stärksten Songs des Albums zu tun.
Glücklicherweise folgt auf diesen guten Titel mit "Follow the Sign" gleich noch ein weiterer Song der besseren Sorte. Hier beweisen Zero Illusions, dass sie eben doch ein Händchen für schlüssige wie eingängige Midtempo-Rocksongs mit guten Melodien haben, wenn sie es nur richtig anstellen. Bitte mehr davon.
Zumindest ganz ordentlich nimmt sich auch das flotte "Get out" aus, doch das Niveau der letzten beiden Lieder wird hier dann doch nicht ganz erreicht. Zwar kann der Song dem Hörer einen netten Refrain bieten, doch die Strophen sind ein wenig langweilig ausgefallen, so dass es dieses Mal nur für Mittelmaß reicht.
"Carpe diem" weiß dagegen sowohl in den Strophen als auch im Refrain zu überzeugen. Hier zeigen sich Zero Illusions mal wieder von ihrer progressiveren Seite und bieten dem Hörer einen guten Song, der sich nicht gleich beim ersten Hören erschließt, dann aber von Mal zu Mal wächst.
Wem bisher so etwas wie ein richtiger Power Metal-Kracher gefehlt hat, dem bietet die Band mit dem letzten Titel namens "Enemy within" einen eben solchen. Und das gar nicht mal schlecht, denn der Refrain des Songs besitzt echte Ohrwurmqualitäten, ein Phänomen, das auf der Platte bisher ja eher rar gesät war. Ein bestenfalls durchschnittliches Album endet somit mit einem richtig starken Abschlusskracher.

Fazit: Eines muss man Zero Illusions lassen: Interessant ist die musikalische Mischung, die die Band auf OBLIVION bietet, auf jeden Fall. Ob sie aber auch wirklich gut ist, ist natürlich wieder eine ganz andere Sache, und leider fällt das Fazit hier nicht sonderlich positiv aus. Zwar bietet die Platte einige leicht überdurchschnittliche und sogar ein bis zwei richtig starke Lieder, dazwischen haben sich aber auch mehrere arg schwache Songs gemischt, die derart anstrengend und unmelodisch aus den Boxen quellen, dass man beim Hören gut beraten wäre, sich immer in der Nähe der Skip-Taste aufzuhalten. Das klingt jetzt zwar sehr hart, aber Zero Illusions haben ihre Hausaufgaben in den Bereichen Spannungsaufbau und Melodik anscheinend nicht gemacht. Die besseren Lieder stechen aus dem schwachen Einheitsbrei natürlich umso mehr heraus und hätte die Band eine EP mit den sechs hörbaren bis guten Liedern veröffentlicht, dann würde das Fazit jetzt um einiges besser ausfallen. Es bleibt somit zu hoffen, dass die Band die genannten Kritikpunkte bin zum nächsten Album konsequent beseitigen kann, damit bei Album Nummer drei dann auch ein uneingeschränkter Hörgenuss stattfinden kann. OBLIVION wird bei Einigen jedenfalls trotz all der guten Ansätze sicher wirklich bald in Vergessenheit geraten, und damit macht der Name des Albums leider doch Sinn.

Anspieltipps:
 "Alive, Honesty", "Call of Duty", "Follow the Sign", "Carpe diem" und "Enemy within".

Tipp:
 Zero Illusions vermengen hier mehrere Musikstile und haben sowohl Heavy Metal als auch Hard Rock, Progressive Metal und Power Metal in petto. Dennoch sollten Fans der Genres nicht blind zugreifen, sondern vorher reinhören, da das Album zwar nicht richtig schlecht ausgefallen ist, aber nur recht selten wirklich Überdurchschnittliches bieten kann.

Titel-Liste:
 
  1. Alive
  2. Rise to the Challenge
  3. Who you are
  4. Honesty
  5. Son of the Devil
  6. Oblivion
  7. Call of Duty
  8. Follow the Sign
  9. Get out
  10. Carpe diem
  11. Enemy within

Laufzeit:
 47:22 Min.

Band-Infos:
 
  • www.zeroillusions.com 

  • Probehören und Kaufen:
    Zero Illusions: OBLIVION

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