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Review: Ricochet
 
ZARAH - A TEARTOWN STORY

Album:
 ZARAH - A TEARTOWN STORY, 2005, ProgRock Records

Stil:
 Progressive Rock

Wertung:
 7 von 7
7 von 7 Punkten
 J.G., 06.12.2005

Review:
 Ich kann mir vorstellen, dass für die Hamburger Jungs von Ricochet (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen US-Countryband) in den letzten Jahren nur zwei Sprüche eine entscheidende Rolle gespielt haben: "Gut Ding will Weile haben" und "Nur nicht unterkriegen lassen".
Was bleibt einer Band auch anderes übrig, wenn sie ihren Sänger und Bassisten verliert? Viele müssen aufgeben oder radikale stilistische Brüche hinnehmen. Mit Hans Strenge war schnell ein neuer Mann am Bass gefunden. Aber ein neuer Sänger war Mangelware.
Glücklicherweise konnte man nach langer Suche mit Christian Heise den geeigneten Frontmann gewinnen und das lang ersehnte zweite Langeisen fertig stellen.
Es gehört sicherlich Mut dazu, das zweite Album gleich als Konzept anzulegen, aber auch ein gewisses Maß an Selbstvertrauen. Letzteres begründet sich in den Erfolgen des Debüts und der anschließenden Live-Präsenz - die liegen allerdings schon zehn Jahre zurück.
Weitere Pluspunkte sind das langjährige Zusammenspiel des harten Kerns um Gitarrist Heiko Holler, Drummer Jan Keimer und Keyboarder Björn Tiemann - und eine konsequente musikalische Weiterentwicklung. Engagements in anderen Projekten brachten wichtige Erfahrungen, so war z.B. Keyboarder Björn an zwei Kingdom Come-Alben beteiligt. ZARAH hat davon hörbar profitiert.
ZARAH - A TEARTOWN STORY versucht die Leiden eines jungen Mädchens aus der Großstadt bis zu ihrem tragischen Ende in Musik zu fassen.

Der Instrumental-Opener "Entering the Scene" schafft genau die richtige Stimmung - melancholisch, düster und ein Schrei am Ende, als Überleitung zum...
...neuneinhalbminütigen Titeltrack "Teartown". Er beginnt sehr sanft mit Keyboardklängen und Gesang. Stellenweise werden bei mir Erinnerungen er an ruhigere Stücke von Kingdom Come geweckt. Nach zwei Minuten gehts dann richtig los - Gitarren und Rhythmusabteilung bieten fast Power Metal-Atmosphäre. Dominante tiefgestimmte Gitarren beherrschen den zweiten Teil des Songs und bringen die für das Thema nötige Härte.
"Disobedience" ist ein weiteres sehr abwechslungsreiches Instrumental mit verschiedenen Themen, Rhythmen, jeder Menge Solis und Breaks, das aber immer wieder den roten Faden findet und sich nicht im Nirvana verliert.
Bei "Silent Retriever" handelt es sich um eine melancholische Ballade. Mit tiefer ausdrucksstarker Stimme vorgetragen, begleitet von ruhigen Klavierklängen und einfühlsamen Gitarrensolis kann man sich kaum der Magie dieses Songs entziehen. Herzschmerz pur, garantiert ohne Pathos.
Auch wenn "Cincinatti Road" ebenfalls als Ballade beginnt, so wird in fast elf Minuten eine ganz andere Stimmung erzeugt. Nicht zuletzt das sich steigernde Tempo und die immer dichter werdende instrumentelle Untermalung baut mehrmals, durch ruhige Passagen abgegrenzt, Spannungen auf, die sich nachfolgend in wahren Gitarren-, Keyboard- und Drum-Gewittern entladen.
Dass die Jungs sich auch auf härtere Sachen verstehen, beweißt "Caught in the Spotlight" sehr eindrucksvoll. Einmal mehr kann Sänger Christian Heise auf ganzer Linie überzeugen.
Mittlerweile lasse ich mich von dem sanften Start bei "Final Curtain" nicht täuschen. Und richtig, das was vier Minuten von Gesang und Klavierklängen lebt, explodiert am Ende regelrecht mit furiosem Instrumentaleinsatz.
Bei "The red Line" wird von Anfang an geklotzt anstatt gekleckert. Druckvolle Gitarren, treibender Rhythmus und ein Refrain, der mir sofort im Ohr bleibt, bietet knappe acht Minuten Abwechslung und Spielfreude pur.
Den Mega-Brecher "A new Days rising" haben sich die Jungs dann noch für den Schluss aufgespart. Wer dachte, Steigerungen wären nicht mehr möglich, der sei gewarnt. Der Schlusstrack mit seinen knapp 19 Minuten ist fast ein eigenes Minialbum und der krönende Abschluss eines rundum gelungenen Werkes. Sogar die großzügige Pause zwischen der 13. -15. Minute sei ihnen vergönnt, denn manche von mir Probe gehörten EPs boten deutlich weniger Substanz.

Tipp:
 Progressiver Rock der sich ohne Weiteres mit bekannten Größen wie Dream Theater oder Queensryche messen kann. Hut ab!

Titel-Liste:
 
  1. Entering the Scene
  2. Teartown
  3. Disobedience
  4. Silent Retriever
  5. Cincinatti Road
  6. Caught in the Spotlight
  7. Final Curtain
  8. The red Line
  9. A new Days rising

Laufzeit:
 72:26 Min.

Band-Infos:
 
  • www.teartown.com 


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