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Review: Styx |
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& The Contemporary Youth Orchestra
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Album:
| | ONE WITH EVERYTHING, 2006, Frontiers |
Stil:
Wertung:
| |  4,5 von 7 Punkten | | J.G., 18.11.2006 |
Review:
| | Eines muss man den Herren von Styx lassen, sie setzen konsequent auf Altbewährtes - nun ja - mancher würde spöttelt Antikes. Um dies zu verdeutlichen habe ich die Erscheinungsjahre einiger Songs in die Trackliste eingefügt, sodass sich jede(r) selbst ein Urteil bilden kann.
Prinzipiell muss dies nicht schlecht sein, freut man sich doch als alternder Fan, dass die Lieblings-Songs aus der eigenen Jugend nach 25 Jahren wieder neu aufgelegt werden.
Man sprühte damals geradezu vor Tatendrang, war zu jeder Schandtat bereit und wird hier mit diesem Album nun jäh in die Gegenwart katapultiert. Übertrieben gesprochen könnte man sagen: Spielfeindliche Langeweile und Null-Bock-Stimmung der Truppe quillt fast physisch greifbar aus den Boxen. Ich unterstelle einfach mal, dass die Jungs nicht gerade ihren besten Tag bei diesem Live-Gig erwischt haben und der Mann am Mischpult noch seinen Vollrausch vom Vorabend ausschlafen musste und stattdessen seinen vierjährigen Neffen an die Regler setzte. Aber Schluss mit der Motzerei, wo es Schatten gibt, ist das Licht nicht weit.
Es beginnt ganz vielversprechend mit der rockigen Nummer "Blue Collar Man", wo auch gleich die Jungs und Mädels des The Contemporary Youth Orchestra ihren gut hörbaren Einstand geben. Einzig der etwas matschige Sound und die unvorteilhafte Abmischung trüben die gute Stimmung.
"I am the Walrus", eine Cover-Version der Beatles ist einerseits exzellent gewählt, da hier das Orchester richtig gut zur Geltung kommt, andererseits mussten dafür aber so bekannte Rock-Nummern wie "The Grand Illusion" ihren Platz auf der Setlist räumen.
Die Studio-Version des neuen Songs "Just Be" finde ich an dieser Stelle etwas unpassend, denn schließlich soll es doch ein Live-Album sein. Da es sich auch noch um eine typische AOR-Ballade handelt, die abgesehen von hörenswerten Gitarren-Soli wenig Überraschungen bietet, verliert das Album deutlich an Fahrt. Hier wäre es besser gewesen ihn, ähnlich wie beim zweiten Neuling "Everything all the Time", der sich als klassischer Rocksong nahtlos in das Live-Set eingefügt hat, ebenfalls in die Setliste aufzunehmen.
"Fooling Yourself" stellt eine der wenigen Höhepunkte des Albums dar, wo sich auch das Orchester voll entfalten kann. Genau so hätte ich mir den Rest des Albums vorgestellt, als ich den Titel las.
Wer erinnert sich nicht gerne an die Gänsehaut-Ballade "Boat on the River" von 1979 (übrigens der erfolgreichste Song der Band überhaupt)? Eng angeschmiegt an die Freundin ging hier auf der Tanzfläche mächtig die Post ab und wer sich anschließend nicht klammheimlich zum Knutschen in eine Ecke verzogen hatte, war beim Flaschendrehen wohl wieder leer ausgegangen.
Was war das besondere an diesem Song? Zunächst die leicht sägende nicht aufdringliche Bass-Line, Akustik-Gitarren mit leichtem Hall-Effekt, Akkordeons und eine dominante gefühlvolle Gesangslinie. Was blieb übrig?
Zu dominanter wummernder Bass, Akustik-Gitarren, die etwas dünn irgendwo in der Mitte der Bühne stecken bleiben und eine Orchester-Begleitung die sich redlich müht, jedoch akustisch gesehen ca. 2km hinter der Bühne spielt. Einzig die Gesangsleistung kann überzeugen. Das sind maximal 70% Leistung - und das mit der Gänsehaut hat auch nicht funktioniert. (Eine Gegenprobe mit der Studio-Version von 1979 brachte den gewohnten Effekt. Anm.d.Red.)
Richtig rockig wird es (endlich) mit "I don't need no Doctor" und mit "Too much Time on my Hands", bei dem auch endlich Live-Feeling durchschlägt. Ja, das wäre 'ne Sache gewesen, wenn diese Spielfreude auf dem restlichen Album, spürbar gewesen wäre.
"Renegade", der würdige Ausklang für dieses Album, wenn auch das Publikum beim Mitsingen deutlich überfordert schien. Wenigsten schaffen es hier Styx mit Spielfreude zu überzeugen, die ich vorher sehr vermisst habe.
Fazit: Der Vorhang ist gefallen, und es ist Zeit für die Endabrechnung, bei der ich mir gleich eine Frage stelle.
Warum werden die Jungs und Mädels des The Contemporary Youth Orchestra so groß angepriesen, dass einem von Lesen der Fakten fast schwindelig wird? 115 Musiker (alle zwischen 15 und 19 Jahre alt) und 60 Köpfe für den Chor. Da muss sich sogar Manowar anstrengen, will es das Earth-Shaker-Debakel wettmachen und das Prager Symphonie Orchester mit dem Rage zugange war mutet fast an, wie die Blaskapelle der freiwilligen Feuerwehr von Oberzipfelhausen. Und dann versauern die armen Jugendlichen bis auf wenige Ausnahmen im totgemischten Hintergrundrauschen, sodass mancher Fan-Chor deutlicher hörbar ist.
Eigentlich hätte ich schon etwas mehr erwartet von einer Band, die in ihrer Hochzeit immer für ausverkaufte Konzerte sorgte und nicht mehr zählbare Platin-Platten einheimste. Was bekomme ich? An vielen Stellen matschigen Sound, der weder richtiges Live-Feeling aufkommen lässt noch dem Orchester die nötige Geltung verschafft. Die ebenfalls vorhandene Studio-Versionen offenbart die gravierenden Qualitätsunterschiede. Die meisten Bands zeigen erst Live wo der Hammer hängt und drehen den Geschwindigkeitsregler deutlich nach oben. Styx geht den umgekehrten Weg und schafft es fast, den Zuhörer einzuschläfern. Zwei Zwischenspurts und wirklich gute Songs mit "I don't need no Doctor" und "Too much Time on my Hands" kommen viel zu spät und sind nicht genug. Beim Rest muss man gehörig aufpassen, dass man sich beim Feuerzeug-Schwenken nicht die Finger verbrennt. Sogar wenn ich noch darüber hinweg sehe, dass Mega-Hits wie "Mr. Roboto" oder "The Grand Illusion" fehlen und stattdessen einer Beatles-Cover-Version weichen mussten. |
Tipp:
| | Die ist sicherlich kein Einstiegsalbum für Neulinge, die sich zum ersten Mal mit Styx befassen. Da gibt es deutlich bessere Best of...
Aber ist es auch genug für die alteingesessenen Fans? Nun, das sollte jeder selbst entscheiden. Ich habe es schon getan... |
Titel-Liste:
| | - Blue Collar Man (1978)
- One with everything
- It don't make Sense
- Everything all the Time (Neu!)
- I am the Walrus (1967)
- Just Be (Neu!)
- Fooling yourself (1977)
- Boat on the River (1979)
- I don't need no Doctor
- Crystal Ball (1976)
- Too much Time on my Hands (1980)
- Miss Amerika (1977)
- Renegade (1978)
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Laufzeit:
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