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Review: System of a Down
 
HYPNOTIZE

Album:
 HYPNOTIZE, 2005, Sony Music

Stil:
 Crossover, Pop Rock, Nu-Metal

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 M.U., 02.12.2005

Teamwertung:
JG MU SJ MK MW Ø
5,5 5,5 5,0 5,5 5,0 5,3

Review:
 Sechs Monate nach dem die Band System of a Down das Album MEZMERIZE (damals die Nummer 1 der Billboard’s Top 200 Albums Charts!) vorgestellt hatte, kommt nur der zweite Teil des als eigentlich versprochenen Doppelalbums unter dem Titel HYPNOTIZE auf den Markt; es ist nun schon das fünfte Studioalbum dieser Band. Die Aufmachung des Albums, an dem übrigens der Vater des Sängers und Gitarristen Daron Malakian, Vartan Malakian sehr intensiv mitgearbeitet hatte, erinnern stark an das vorherige Album MEZMERIZE. Oder ist die Ähnlichkeit Absicht? Aber auch musikalisch schließt sich HYPNOTIZE an MEZMERIZE an. So zum Beispiel schließt der letzte Titel "Soldier Side" natlos an den ersten Titel "Soldier Side Intro" von MEZMERIZE an.
Härter solle HYPNOTIZE sein, munkelte so mancher Fan in den einschlägigen Internetforen. Aggressiver auch. Eine Beschreibung, die passt und trotzdem zu kurz greift. Schon in den ersten Sekunden stürzen derart heftige Stakkatogitarren auf den noch ahnungslosen Hörer ein, dass er nachempfinden kann, wie sich eine Katze nach dem Waschprogramm für Pflegeleichtes inklusive Intensiv-Schleudern fühlen muss. Irgendwie leer vermutlich...
In den melodiösen Zwischenteilen, die immer wieder eine kurze Erholung bringen, sorgen verirrte Hörnerv-Impulse für Konfussion. Kommt da noch was? Ja, da kommt noch was. Päng. Weiter geht's. Wie beim Freefall-Tower, wenn alles ausgeklinkt ist. Da nutzt kein Lamentieren - erbarmungslos stürzt die Apparatur dem Aufschlag entgegen. Kann bitte mal jemand einen Pulsmesser anlegen, wenn er diesen Song hört? "Attack" ist genau der richtige Name dafür, ein musikalisches Flächenbombardement.
Mit einem dicken Tapping-Intro beginnt "Dreaming", das ebenso aus einem Albtraum entstammen könnte. In der Strophe ergibt sich ein difuses Kuddelmuddel aus Serjs und Darons Gesang sowie Double-Bass-Frontalangriffen auf die Magengrube, bis endlich der Refrain für eine kurze Erlösung sorgt. Bin ich schon tot? "Dreaming" erinnert in seinen Strukturen leicht an "Chop Suey". Insgesamt entfacht der Auftakt noch kein Feuer. Überzeugend klingt anders.
Auffällig ist der hohe Gesangsanteil von Gitarrist Daron Malakian, der auch bis auf wenige Ausnahmen - ähnlich wie auf MEZMERIZE das Songwriting und Texten übernommen hat. Nur das erklärt wohl die höhere Präsenz am Mikro.
*Grübel*: Welche Band, die einen Sänger mit einem Organ von Serj Tankians Qualitäten in ihren Reihen weiß, lässt stattdessen einen anderen mit wesentlich dünnerem Stimmchen singen? Zur Verstärkung für die atemberaubenden Zweitstimmenpassagen ist Malakians Klangfarbe aber auch als Sänger unverzichtbar.
Mit "Hypnotize" schickt der Vierer einen Softy-Track ins Rennen. Von den Harmonien her wunderschön gestaltet, rockt es immer noch ganz ordentlich.
Eines der Highlights ist "Holy Mountains". Sehr typisch SoaD-arrangiert, mit schwelgerischen wie aggressiven Passagen, einem Daron Malakian, der die Zweitstimme hysterisch heraus kotzt wie kein zweiter.
Fast nahtlos fließen am Schluss "Lonely Day" und "Soldier Side" ineinander über. Vor allem "Soldier Side" ist ein Gewinn für das Album und ein großer Schlusspunkt, der nach Repeat verlangt - als einer der wenigen Tracks. Wunden lecken, aufrappeln. Noch mal von vorne? Sicher irgendwann. Aber muss es unbedingt sofort sein? HYPNOTIZE ist anstrengend. Wie ein hyperaktives Kind, das wütend mit den Fäusten auf den Tisch haut, weil Mama vergessen hat ihm die Ritalin-Tablette zu geben.
MEZMERIZE klang verglichen mit dem neuen Brüderchen ausgeglichener, runder, einfach besser. Der Zugang zum Vorgänger fiel um Einiges leichter. Während MEZMERIZE den Hörer mit magischer Kraft in seinen Bann sog, stößt HYPNOTIZE erst einmal ab.
Die stärkeren Songs finden sich hier nicht, im Gegenteil. HYPNOTIZE als "Resterampe" seines Vorgängers zu bezeichnen - wie es seinerzeit viele mit STEAL THIS ALBUM taten - scheint ungerechtfertigt. Dennoch lässt sich der B-Seiten-Mief einiger Songs kaum verleugnen.

Tipp:
 Was bleibt, ist die Vorahnung, dass sich HYPNOTIZE wesentlich seltener in heimischen CD-Playern drehen wird als MEZMERIZE. Und als Doppelpack, wäre glaube ich, etwas zu viel des Guten.

Titel-Liste:
 
  1. Attack
  2. Dreaming
  3. Kill Rock 'n Roll
  4. Hypnotize
  5. Stealing Society
  6. Tentative
  7. U-Fig
  8. Holy Mountains
  9. Vicinity of Obscenity
  10. She's like Heroin
  11. Lonely Day
  12. Soldier Side

Laufzeit:
 39:48 Min.

Band-Infos:
 
  • System of a Down

  • Weitere Reviews:
     
  • System of a Down - MEZMERIZE


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