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Review: U.D.O.
 
MASTERCUTOR

Album:
 MASTERCUTOR, 2007, AFM

Stil:
 Heavy Metal, True Metal

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 J.G., 10.06.2007

Review:
 Udo Dirkschneider das Urgestein der Hartwurst-Szene schlechthin zieht mit gewohntem Tarnanzug und seinen vier Mitstreitern erneut ins Feld um die Heavy und True Metal Gemeinde heftig aufzumischen.
Auch nach über 30 Jahren im Show-Business hat er von seinem Carisma nichts eingebüßt und schafft es immer noch spielend mit seiner Reibeisen-Stimme jedes stumpf gewordene Solinger Messer wieder zu schärfen und ihm den letzten Schliff zu verpassen. Ob sich jedoch musikalisch nicht langsam Abnutzungserscheinungen einstellen, sei zu prüfen.

Leicht verwirrender Einstieg beim Opener "Mastercutor" mit einer Ansage, die eher an einen Wrestling-Event erinnert. Ansonsten handelt es sich um einen klassischen UDO-Song mit eingängigem Riffing und melodischer Hookline.
Deutlich hitverdächtiger als der Opener punktet "The wrong Side of Midnight" nach bekanntem Erfolgsmuster. So kennen wir UDO schon seit einigen Alben und haben Grund zum Jubeln. Es ist kaum verwunderlich, dass der beigefügte Bonus-Video-Track von diesem Song stammt.
Treibende disharmonische Gitarren-Akkorde mit ansonsten harmonischer Melodieführung, so lässt sich "The Instigator" mit wenigen Worten beschreiben. Der wurde dabei Gesang mehr gesprochen als gesungen. Hier hat man sich ganz tief in der eigenen Vergangenheit bedient, es aber nicht versäumt, dem Ganzen einen modernen Anstrich zu verpassen.
"One lone Voice", eine melancholische Halbballade mit sanfteren Klängen und Ohrwurm-Refrain, wie man sie von UDO nur selten zu hören bekam. Obwohl die orchestrale Unterstützung vermutlich aus der Synthie-Dose stammt, klingt sie überzeugend. Das kurze Gitarrensolo komplettiert den Song und verpasst ihm den gewissen Metal-Touch.
"We do for you" startet wie zu Endzeiten von Accept mit harten Riffs, überzeugt mit wilden, aber absolut stimmigen Gitarren-Soli und bietet den üblichen UDO Sprechgesang mit kräftiger Chor-Unterstützung. Weiter so hoffentlich.
Leider als Filler ohne Langzeitwirkung und echtem Wiedererkennungswert stellt sich "Walker of the Dark" heraus. Einzig die Wechsel der Stimmlage und des Tempos bieten etwas Abwechslung. Ansonsten ist es eine etwas lieblose Ansammlung UDO-typischer Elemente - zu wenig um zu überzeugen.
Ganz anders verhält es sich bei "Master of Desaster". Hier packt man zum üblichen UDO-Pool noch Elemente des Nu-Metal. Das Lied lebt vom starken Kontrast des treibenden stakkatoartigen Gitarrenriffs und dem zuckersüßen Refrain, den man auch bei einem Kinderlied einsetzen könnte.
"Tears of a Clown" nicht nur dem Titel nach eine echte Ballade überrascht zu Beginn mit getragenem Klavier und Cello. Das will zunächst so gar nicht zu UDO passen, wie man ihn kennt. Noch überraschender ist der Umstand, dass Udo Dirkschneider diesmal "richtig singt". Die Anzahl solcher Songs kann man vermutlich noch an einer Hand abzählen. Die Tauglichkeit für das Radio-Nachtprogramm einsamer Brummifahrer ist somit in jedem Fall gegeben. Es werden alle Register einer Ballade gezogen: Eingängiger simpler Refrain, Töne werden gezogen oder bleiben stehen, orchestrales Beiwerk und schließlich ein echtes Fade-Out.
Der gitarrenlaste Mid-Tempo Walzer "Vendetta", der auch rein textlich den Bezug zum Heavy Metal findet. Besonders das absolut eingängige Gitarren-Riff und das Gitarren-Solo, welches sich qualitativ auf höchsten Nivea innerhalb des Genres bewegt, sind hervorzuheben. Außergewöhnlich ist hier auch der Dialog zwischen Gesangslinie, Lead-Gitarre und der Rhythmus-Fraktion. Dies findet man bei UDO-Songs bisher kaum.
"Borderline" einerseits typisch UDO, andererseits mit Ausnahme des genialen Gitarren-Solo wenig überzeugend. Diese kleine Bonus-Beigabe hätte man sich auch schenken können, denn es ist eigentlich nicht verwunderlich, dass es der Song nicht ins Normal-Aufgebot geschafft hat.
Zu "The Devil walks alone" gibt es wenig anzumerken, außer den dominanten Gitarren, die eindeutig den Ton angeben und nicht Udos Stimme.
Auch der zweite Bonus-Song "Screaming Eagles" hat mehr Filling-Eigenschaften als überzeugende Metal-Qualitäten. Das etwas wilde Gitarren-Solo ändert daran kaum etwas.
Hart an der Grenze des Thrash agieren die leicht schrubbenden Gitarren bei "Dead Man's Eyes". Dies steht im starken Gegensatz zum überwiegend melodischen "sanften" Gesang, was das bei Udos Reibeisen auch immer heißen mag. Leider fehlen eindeutige Akzente. Der Song plätschert gefühlsmäßig endlos dahin ohne sich wirklich zu entwickeln.
Zum Abschluss wird nochmals mit "Crash bang crash" aus den Vollen geschöpft und mit leicher Rock'n'Roll-Attitüde ein schneller Rock-Metal-Bastard zum besten gegeben. Durchaus nicht UDO-typisch und deshalb abwechslungsreich, aber leider etwas zu kurzweilig.

Fazit: Typisch UDO mit teilweise neuem modernem Sound aber auch teilweise überflüssigem Ballast. Nach der absolut starken EP THE WRONG SIDE OF MIDNIGHT hat UDO offensichtlich ebenfalls der Manowar-Virus befallen, denn es kam zu wenig erstklassiger Stoff dazu. Soll es das wirklich schon gewesen sein?

Tipp:
 UDO-Fans werden hier immer noch genügend Material finden und tollerieren, dass sie auch schon bessere Kost geboten bekamen. Für Neulinge genüg die EP oder es gibt andere Alben, die besser sind, wie z.B MISSION N° X.

Titel-Liste:
 
  1. Mastercutor
  2. The wrong Side of Midnight
  3. The Instigator
  4. One lone Voice
  5. We do for you
  6. Walker of the Dark
  7. Master of Disaster
  8. Tears of a Clown
  9. Vendetta
  10. Borderline
  11. The Devil walks alone
  12. Screaming Eagles
  13. Dead Man's Eyes
  14. Crash bang crash
    - - - Bonus Video - - -
  15. The wrong Side of Midnight

Laufzeit:
 58:24 Min.


Probehören und Kaufen:
U.D.O.: Mastercutor

 
 
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