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Review: Undertow
 
MILGRAM

Album:
 MILGRAM, 2006, Silverdust

Stil:
 Doomcore, Thrash Metal

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 J.G., 17.04.2006

Review:
 Die drei Herren Joschi, Tom und Rainer aus dem Süden Deutschlands fahren diesmal ganz schwere Geschütze auf. Das Schlüsselwort heißt Strom, egal ob für das Cover-Artwork, den Albumtitel oder den musikalischen Zündstoff.
Kaum jemand wir den Album-Titel MILGRAM mit den Experimenten eines gewissen Stanley Milgram assoziieren, der damals Leute dazu verleitet hatte, im Namen der Wissenschaft den Versuchspersonen scheinbare Stromstöße zu verabreichen. Er wollte damit den blinden Gehorsam demonstrieren, der eigenes Denken und Mitgefühl gänzlich ausschaltet.
Das Trio von Undertow hat diesmal auf Schmirgelpapier mit Korngröße 1 gesetzt, einem Korund, der normalerweise zum Sandstrahlen von Metal verwendet wird. Und genauso rau wie ein Sandstrahler, haben sie es diesmal verstanden, ihre Doom und Thrash-Attacken in die Menge der Zuhörer zu schleudern.
Nach kurzem Intro geht es dann bei "Stomping out" schon richtig zur Sache. Peitschender Beat und sägende Gitarren, durchbrechen mühelos jede Barriere auf dem Weg Richtung Hörnerv. Joschi tut dabei sein möglichstes, die Botschaft mit genügend Nachdruck, egal ob mit Gitarrenriffs oder Stimme unters Volk zu bringen. Nur ganz kurz darf man bei einigen sanfteren Passagen Luft holen, ansonsten heißt es Glotzer und Lauscher auf, Futterluke zu.
Die Groove-Maschine wird bei "Two Fingers" zum erstem Mal gezündet. Der Song lebt besonders von dem Wechselspiel beim Tempo und beim Gesang. Als Kontrast zu Joschis knarrender Stimme, überzeugt klare Sara Talmons Gesangseinlage.
Kleine Steigerungen sind jedoch noch möglich. Ähnlich wie bei seinem Vorgänger groovt es auch beim Mid-Tempo-Stampfer "Hateriot" gewaltig. Da wird dann auch schon mal eine Drum Marke XXL- ausgepackt.
Die Kunst der Langsamkeit kann man bei "Homemade Funeral" entdecken. Der Refrain saugt sich dabei sofort im Gehörgang fest. Lediglich die aggressive Gitarre und der stellenweise forcierte Drum-Part sorgt dafür, dass es nicht als reinrassiger Doom durchgeht.
Genug der ruhigen Töne (oder was man also solche bezeichnen würde), denn "Crawler" reißt einer meterhohen Flutwelle gleich, alles mit, was sich nicht vorher festgekettet hat. Allerdings verliert es zwischendurch etwas an Tempo, was aber dem Hörgenuss keinen Abbruch tut.
Wer die bisherige Kost staunend verfolgt hat, der wird bei "Buried in Show" zur Abwechslung mit fast klassischer Heavy Metal-Kost überrascht. Natürlich wird auch hier mit grober Feile und Raspel gearbeitet, sodass zu weichgespülter Kost kilometerweiter Abstand herrscht.
Extrem tief gestimmte Gitarren und ein ultralangsamer Groove bilden das Gerüst für "Always have always Will". Einmal mehr zeigt sich, dass sich Härte und niedrige Geschwindigkeit nicht ausschließen müssen.
Immer für einen Gag zu haben, hätte wohl kaum jemand "This is the worst Day... since yesterday" mit Akustik-Gitarren und sanfter Stimme vermutet. War das nun eine Ballade? Die Frage darf jeder für sich selbst beantworten.
Umso brachialer knüppelt das nachfolgende "D-Mood" seine Riff-Gewitter auf die Köpfe seiner Zuhörer. Vielleicht wollte man ja nur zeigen, dass man noch nicht gänzlich zum Weichei geworden ist. Wir hätten es aber auch so nicht angenommen.
Fazit: Die Scheibe kann während ihrer dreiviertel Stunde Spielzeit mit wuchtigen Riffs, treibendem Groove und genialer Gesangsleistung überzeugen. Ein bisschen mehr Abwechslung hätte vielleicht nichts geschadet. Das eine oder andere kleine Solo, ein paar auflockernde Licks oder nur ein bisschen mehr Varianz im Gesang.
Bedenkt man jedoch, dass manche Bands mit fünf oder sechs Mann nicht mehr bringen, als dieses Trio, so ist die Leitung sehr beachtlich.

Tipp:
 Da Undertow irgendwie zwischen den Hardcore-, Doomcore- und Thrash Metal-Welten angesiedelt ist, wird jeder gut bedient, der auch mal einen Blick über den Tellerrand eines Genres wagt.

Titel-Liste:
 
  1. In
  2. Stomping out
  3. Two Fingers
  4. Hateriot
  5. Homemade Funeral
  6. Crawler
  7. Buried in Show
  8. Always have always Will
  9. This is the worst Day... since yesterday
  10. D-Mood
  11. Out

Laufzeit:
 46:25 Min.

Band-Infos:
 
  • www.undertow.de 


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