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Review: Valentine
 
THE MOST BEAUTIFUL PAIN

Album:
 THE MOST BEAUTIFUL PAIN, 2006, Frontiers

Stil:
 Pop Rock, Glam Rock, Hair Metal

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 J.G., 16.08.2006

Review:
 "Ein fanatischer Queen-Fan tobt sich aus!" So könnte man treffend die Schlagzeile für dieses Werk des Niederländers Robby Valentine nennen.
Mit einer wahren Flut von 17 Titeln und über einer Stunde Spielzeit lehrt er sicherlich den meisten hart gesottenen Heavy Metallern das fürchten, die entsetzt schon nach den ersten Riffs das Weite suchen werden.
Für mich als eingefleischten Queen-Fan stellt es jedoch eine richtige Herausforderung dar, denn ein schlechter Klon würde schließlich den Tatbestand der Majestätsbeleidigung erfüllen. Und wer kann schon wirklich dem weit über seinen frühen Tot hinaus, charismatisch strahlenden Freddy Mercury das Wasser reichen?
Um es vorweg zu nehmen. Valentine versucht es erst gar nicht, Freddy und seine ehemalige Mitstreiter Brian, Roger und John zu kopieren. Vielmehr hat er sich die Mühe gemacht, an unzähligen Stellen zum wahren Kern vieler Queen-Songs vorzudringen ohne sie einfach nur zu imitieren. Gerade das macht die Musik so erfrischend und sympathisch, wenn hier auch weiß Gott das Rad nicht neu erfunden wurde.

Mit dem Opener "I should have known better" startet das Album ziemlich rockig mit einem Mix aus modern spacigen Synthie-Effekten und herrlich nostalgischen Queen-typischen Chören. Der Einstand ist nicht neu, aber voll geglückt. Ich sage nur: "Flash, ah, ha, saver of the universe"
Etwas weniger Tempo und dafür einen Schuss mehr Pop-Elemente bietet "A new World". Bis auf die fetten schmeichelnden Chöre erinnert hier wenig an die Vorbilder.
Darf es auch etwas Punk sein? Mit "I'm going under" bekommt man eine interessante Mischung aus Punk und Pop verabreicht, deren flotter Refrain sofort im Ohr bleibt.
"One of these Days" kommt mir irgendwie bekannt vor. Gab es da nicht mal eine Boy-Group namens Back Street Boys mit ähnlichem Stoff? Lediglich die vielstimmigen Chöre im Refrain fallen hier deutlich bombastischer aus.
Das balladeske "The cold and lonely Lie" mit Klavier und pompösen Chören würde wahrscheinlich sogar Freddy auf seiner Wolke straucheln lassen. Ich wäre auch mit einem Pfund Schmalz weniger glücklich geworden.
"She (Abandoned Heart)" ist nichts anderes als ein auf radiotauglich getrimmtes Pop-Liedchen, dem jede Rock-Attitüde entzogen wurde. Na ja, ab und zu sind weichgespülte AOR-Gitarren zu hören. Trotzdem passt es in das Gesamt-Konzept und nur das zählt.
"Magnum Opus" ein typisch Queenlastiges Liedchen aus der "Sheer Heart Attack"-Aera, bei dem ich etwas zu sehr die Eigenleistung vermisse - zumindest entbehrt es nicht einem gewissen diebischen Charme.
"Everyday Hero", ein abwechslungsreicher Opus, sicherlich eines der Highlights, setzt noch ein paar Pfund Queen oben drauf. Hier habe ich wirklich gespannt gewartet, ob Freddy, vielleicht doch im Background-Chor zu hören ist. in eine ähnliche Richtung steuert das spätere "How can I live without you".
Aha, Valentine kennt also doch noch ein paar andere Musikgrößen. Der Anfang von "Supernova" hat sich diesmal bei Led Zeppelin bedient, bevor es sich zu einer richtig spacigen Rock-Oper entwickelt. Eindeutig ein weiteres Zuckerstückchen.
"Magical Memories" setzt wieder voll auf die "britisch königlichen" Vorbilder. Es könnte glatt als Nachfolger des lustigen "Bring back that Leroy Brown" durchgehen.
Das recht flotte "Mickey" bringt wieder etwas Abwechslung und überrascht mit überraschend schnellen Drum-Passagen. Ein interessanter Kontrast zu den ansonsten Brian May-typischen Gitarrenklängen.
So wie der Operner vom ansonsten durchgängigen Konzept abweicht, gestaltet sich auch der erste Teil der Schlussnummer "Exodus Elephantes". An Doom der 80er erinnernde Gitarrenriffs mit exotischem Flair beenden dieses Werk stilgerecht. Dass nach einer kurzen Pause noch ein gefühlvolle, von Pianoklängen begleitete Ballade folgt, zeigt einmal mehr, den Stil der Vorbilder.

Fazit: Ein handwerklich absolut wasserdichtes Album, das auch nach mehrmaligen Runden im CD-Player immer wieder neue Raffinessen offenbart. Auch wenn der Haupttenor sicherlich Queen heißt, so beackert der Junge aus dem Land der Windmühlen, Tulpen und Holzpantoffeln durchaus die angrenzenden musikalischen Gebiete. Von zuckersüßen Pop-Refrains bis hin zu knallharten Double Bass-Passagen wird einiges geboten. Sicherlich ein Album, welches durchaus kontrovers gesehen werden kann. Man kann es lieben oder in die nächste Ecke werfen - dazwischen ist kaum ein Plätzchen frei. Meine Ecken sind schon restlos überfüllt...

Tipp:
 Für Queen-Fans eine durchaus würdige Pseudo-Tribut-Scheibe, die durchaus auch ein paar Tränchen der Rührung in die Augenwinkel treibt. Pop und Glam Rock-Fans werden ebenfalls einen reichhaltigen Fundus an kitschigen Liedchen geliefert bekommen. Wohl bekomm's - und ich bin mir sicher, dass Freddy mit einem wohlwollenden Lächeln auf seinen großen Fan Valentine herab blicken wird.

Titel-Liste:
 
  1. I should have known better
  2. A new World
  3. I'm going under
  4. One of these Days
  5. The cold and lonely Lie
  6. She (Abandoned Heart)
  7. Magnum Opus
  8. Everyday Hero
  9. Supernova
  10. Magical Memories
  11. How many Times
  12. Mickey
  13. How can I live without you
  14. One Heart
  15. Back to the future Theme
  16. Now or never
  17. Exodus Elephantes

Laufzeit:
 63:16 Min.

Band-Infos:
 
  • www.robbyvalentine.com 


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