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Review: Virgin Steele
 
VISIONS OF EDEN

Album:
 VISIONS OF EDEN, 2006, Sanctuary

Stil:
 Power Metal, Progressive Metal

Wertung:
 6,5 von 7
6,5 von 7 Punkten
 J.G., 20.08.2006

Review:
 Es mussten einige Jahre in Land ziehen, bis sich der Virgin Steele-Chef David DeFeis aus seinen vielfältigen Verpflichtungen frei schaufelt, um uns mit einem neuen Album zu beglücken. Wenn es für mich auch eine Spur zu lange gedauert hat, so gehe ich davon aus, dass mich der Workaholic David, qualitativ sicherlich nicht enttäuscht hat. Mit fast 80 Minuten Spielzeit hat der Meister mit dem Langschwert zumindest quantitativ nicht gekleckert und die neue Scheibe wirklich bis zur letzten Rille ausgenutzt. Bedenkt man, dass es nur elf Tracks sind, so kann man sich leicht ausmalen, dass David DeFeis seinen Songs genügend Zeit auf den Weg gegeben hat, um sich richtig zu entwickeln.
Der Untertitel THE LILITH PROJECT - A BARBARIC ROMANTIC MOVIE OF THE MIND verspricht zumindest wieder Kost, die sich gewohnt deutlich aus dem Einheitsbrei der Heavy Metal Massen abheben wird - und vorweg genommen, sie tut es wirklich.
Hatte man zu Zeiten des Albums INVICTUS schon Bedenken, dass David den cleanen Vocals abgeschworen hatte, so kehrt er hier mit einer beeindruckenden stimmlichen Leidenschaft zurück. Das gewohnt bombastische und diesmal überwiegend orchestral aufgebaute Songmaterial (mit einem Schuss zu viel Epic) bekommt dadurch erst das nötige Gewicht.

Ohne lange zu fackeln - fast hat man den Eindruck, die 80 Minuten wären etwas knapp - beginnt der Opener "Immortal I stand" mit ziemlich flottem Takt. Der Refrain ist gleich ein richtiger Ohrwurm und man bekommt sechseinhalb Minuten lang die ersten Eindrücke der stimmlichen Qualitäten des Meisters - gefühlvoll, ausdrucksstark, hoch, tief, laut, leise - alles kein Problem.
Auch bei "Adorned with the Rising Cobra" bewegt sich der Takt am oberen Limit. Ähnlich wie schon beim Vorgänger, gehen die eingängigen Melodien sofort ins Ohr. Gitarren-Soli sorgen für den fließenden Übergang zwischen den einzelnen thematischen Blöcken.
Und es geht weiter mit Volldampf. Beim etwas düsteren "The ineffable Name" hätte ich anstelle der Synthies und Pianos jedoch auch ein paar aggressivere E-Gitarren vertragen. Spätestens jetzt wird die magische Ausstrahlung von David's Stimme spürbar, die den Zuhörer einfach dazu verleitet, seinen Gesangslinien summend oder pfeifend zu folgen - und sei es nur beim Refrain.
Die Drums kennen einfach keine Gnade. Auch "Black Light on Black" wird gnadenlos durch die Boxen geprügelt ohne eine Chance des längeren Luftholens. Ein schwindelerregend schnelles Gitarren-Solo, das leider einen Touch zu dumpf abgemischt ist, tut sein übriges.
Zunächst denkt man, der Double-Bass des Vorgängers wird einfach fortgesetzt. Doch "Bonedust" überrascht mit interessantem und abwechslungsreichen Drumming. David bleibt diesmal stimmlich in tieferen ruhigen Regionen, was zusätzlich für Abwechslung sorgt.
Bei dem langsamen "Angel of Death" werden dann schon mal die großen Kessel und extralangen Saiten aus dem Keller geholt, um dem Song etwas tiefenwirksamen Nachdruck zu verleihen. Die orchestralen Anteile und Chöre geben zwar eindeutig den Ton an, werden aber immer wieder von Gitarren durchbrochen.
Schon nach wenigen Strophen ist klar, bei dem gitarrenlastigen "God above God" ist Melodik Trumpf. Mit druckvollem Rhythmus und absolut eingängigen Gitarren-Soli frist sich diese Power-Ballade sofort bis in die hintersten Gehirnwindungen - und mit der richtigen Lautstärke ist Gänsehaut angesagt. Vergessen ist "Hey Jude" - nun regiert "God above God".
Den richtigen Kontrast bietet das klassisch, episch angehauchte "The hidden God". Deutlich anspruchsvoller und nicht sofort eingängig, sorgt es während seiner 7 Minuten immer wieder für Überraschungen.
Alle unerwähnten Songs fügen sich nahtlos ins geplante Konzept und unterstreichen einmal mehr die Ausnahme-Qualitäten von Virgin Steele.

Fazit: Es ist Virgin Steele erneut gelungen, ein Konzept abzuliefern, das einmal mehr den Anspruch der Einzigartigkeit unterstreicht. Elf mehr als ergreifende Songs erzählen eine Geschichte, die man sich getrost öfter anhören kann. Auffallend ist im Vergleich mit vielen Vorgänger-Alben, dass einerseits auf Zwischenspielereien verzichtet wurde und dafür die Songs an Substanz gewonnen haben. Jedoch wurde andererseits meinem Geschmack nach die orchestrale Synthiearbeit der klassischen Gitarrenarbeit etwas zu oft der Vorzug eingeräumt. Dass dabei die Songs etwas zu weichgespült und geschliffen erscheinen ergibt sich fast von selbst. Dies soll jedoch dem Hörgenuss in keiner Art abträglich sein.

Tipp:
 Virgin Steele Fans wird man wohl kaum noch überzeugen müssen, hier zuzugreifen. Alle Fans der großen episch angehauchten Konzepte, die auch einige Prog-Elemente verkraften können, werden sicherlich begeistert sein.

Titel-Liste:
 
  1. Immortal I stand (The Birth of Adam)
  2. Adorned with the Rising Cobra
  3. The ineffable Name
  4. Black Light on Black
  5. Bonedust
  6. Angel of Death
  7. God above God
  8. The hidden God
  9. Childslayer
  10. When Dusk fell
  11. Visions of Eden

Laufzeit:
 79:35 Min.

Band-Infos:
 
  • Virgin Steele


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