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Review: Waltari |
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Album:
| | BLOOD SAMPLE, 2006, Dockyard 1 |
Stil:
Wertung:
| |  6,5 von 7 Punkten | | J.G., 10.06.2006 |
Review:
| | Viel zu selten gelingt es mir mittlerweile ein eingetroffenes Scheibchen in den CD-Player zu legen und nahezu erwartungsfrei der Klänge zu lauschen, die da auf den Boxen tröpfeln. Bei den meisten CDs verzieht sich mir schnell die Gesichtsmuskulatur oder es stellt sich ein "Alles-schon-mal-gehört"-Nicken ein. Leider kaum zu vermeiden, angesichts der aktuellen Veröffentlichungsflut.
Ganz, ganz selten passiert es mir jedoch, dass mein Mund vor Staunen einfach offen bleibt und ich mich, gespannt wie eine Feder im Jux-Karton, von Song zu Song hangle um der Überraschungen zu lauschen, die da aus den Lautsprechern tönen. So geschehen bei dem aktuellen Album BLOOD SAMPLE von Waltari mit der gigantischen Spieldauer von fast 79 Minuten.
Helloween, nehmt euch ein Beispiel, bevor ihr mich das nächste Mal wieder mit zwei Kurzscheibchen quält! Klar, die Sache mit dem großen Crossover-Boom hat stellenweise schon Spinnweben angesetzt und viele Zuhörer haben auch das Durchhaltevermögen verloren, sich von Song zu Song neu zu orientieren (Es lebe der Einheitsbrei). Umso mutiger ist es von Waltari, ihren langjährigen Weg nicht zu verlassen und erneut mit ihrem bunten Stil-Mix zuzuschlagen.
Zur Einstimmung des ersten, überwiegend traditionellen Teils, bietet "Helsinki" sogleich einen modernen Pop Rock-Ohrwurm, der zu polarisieren versteht. Einerseits schmeicheln die soften Hooklines dem Ohr mit zuckersüßen, eingängigen Klängen, andererseits sorgen Rammstein-ähnliche aggressive und harte Riffs für Abwechslung und den gesunden Schuss Metal Härte. Fast schon eine kleine Crossover-Hommage in einem Song.
Waschechten Mid-Tempo Metal gibt es bei "Not enough" auf die Ohren. Die Instrumente schmettern voll fett ihre Riffs auf den Zuhörer und trotzdem ist es gelungen, der Stimme genügend Freiraum zu verschaffen um nicht niedergespielt zu werden. Wer hier nicht spätestens beim zweiten Mal den Refrain mitgrölen kann, der muss taub sein.
Let's play Punk - nach diesem Motto schmettern die Gitarren ihre Klangteppiche bei "Too much Empliness" auf die Ohren der noch auf Metal geeichten Lauschlappen. Umdenken ist angesagt, was jedoch angesichts des Gute-Laune-Flairs nicht schwer fällt.
Auf Teufel komm raus schrubben die Finnen dann in bester Thrash-Manier die Gitarrensaiten beim Song "New York".
Hier muss ich aus persönlichen Gründen leider etwas leiser stellen, denn "I'm in Pain" wandelt neben einem klassischen Rock-Gerüst auch auf funky Rap-Pfaden. Und Sprechgesang kann ich leider nicht viel abgewinnen.
Wilder Street Punk mit dem Titel "All Roads will lead to Rome" lässt den Puls sofort auf 180 schnellen und kaum eine Extremität bleibt dabei unbewegt.
Den ersten Teil beenden mit Industrial-Elementen durchsetzte dumpfe, stampfende Doom-Riffs, des Songs "Digging inside". Nach einer kurzen Pause verlassen nun Waltari die altbekannten Pfade und beschreiten neue Ländereien.
Moderner Techno-angehauchter Punk "Fly into the Light" eröffnet den zweiten experimentellen Teil der CD. Das stark rhythmusbetonte Industrial "Back to the Audio" lebt nur von Bass und Drum. Bei "Pigeons" darf auch schon mal eine spanische Flamenco-Gitarre zu arabischen Klängen mitspielen. Richtig extrem schlägt die Band mit "Exterminator Warheads" in die Grindcore Furche. Mit "Darling Boy" knüpft man an die guten alten Depeche Mode-Zeiten an. Eine mit Techno-Rhythmen angehauchte Ballade "Julia" lässt die musikalische Reise angemessen ausklingen.
Fazit: Es grenzt schon fast an einer Unverschämtheit, wie selbstverständlich und mit welcher Leichtigkeit sich die Jungs von Waltari in den verschiedensten Genres austoben. Manche Truppe würde schon vor Neid erblassen, wenn sie auf ihrem Spezialgebiet nur annähernd so überzeugen könnten, wie diese Universal-Genies. Ich hatte jedenfalls tierischen Spaß auf der Achterbahn-Fahrt durch die unterschiedlichsten Stilrichtungen des Rock, Metal und Punk und werde gleich einen Chip für die nächste Runde besorgen. Über kleine Schwächen bei den ruhigeren Titeln und beim Songwriting im Allgemeinen kann getrost hinweg sehen. |
Tipp:
| | Ihr wisst nicht, was ihr wirklich wollt? Ihr liebt einfach die Vielfalt und Abwechslung? Dann kann ich nur empfehlen, hier zuzugreifen. Noch mehr für's Geld wird man wohl nur schwerlich bekommen können, außer vielleicht einen Sampler. |
Titel-Liste:
| | - - - - <Part 1> - - - -
- Helsinki
- Not enough
- Too much Empliness
- Never
- New York
- I'm in Pain
- All Roads will lead to Rome
- Digging inside
- - - - <Part 2> - - - -
- Fly into the Light
- Shades to Grace
- Aching Eyes
- Back to the Audio
- Pigeons
- Exterminator Warheads
- Darling Boy
- Wide Awake
- Julia
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Laufzeit:
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Band-Infos:
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