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Review: W.A.S.P.
 
DOMINATOR

Album:
 DOMINATOR, 2007, Demolition

Stil:
 Heavy Metal

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 J.G., 30.04.2007

Review:
 Wer liebt schon gerne Überraschung, fallen diese im Falle bekannter älterer Band doch häufig auch negativ aus. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt und gerade von W.A.S.P. hätte ich mir absolut nichts mehr ausgerechnet.
Umso mehr mussste ich mich auf meinem Stuhl festhalten, als ich dem neuesten Werk DOMINATOR einen Testlauf gestattete. Da ist es jahrelang still um Blackie Lawless und seine Mannen und dann knallt mir der gute Mann ein solches Album vor den Latz, dass mir zunächst Hören und Sehen vergeht und ich nur mithilfe meiner Hand, die vor Erstaunen offen stehende Frontluke wieder schließen kann.
Was bei Blackie eindeutig erschwerend hinzu kommt ist, dass er noch heute gnadenlos an seinen Hits aus den 80ern gemessen wird. Und da hat der kultige Frontmann in der Vergangenheit gehörig Federn lassen müssen. Man denke nur mit Schrecken an die Versuche wie K.F.D. (Kill Fuck Die) von 1997. Wenn das die Brücke zwischen Tradition und Neuzeit sein soll, dann das Bauwerk bitte möglichst schnell wieder sprengen. Kaum auszudenken, wenn weiteres Futter mit ähnlich üblem Geschmack gleich containerweise darüber transportiert werden würde.

Was Alle Sehnlichst Plärren werden, nämlich am Ende des Albums, "Mercy", eröffnet die neue Lawless-Runde und legt schon einmal die Messlatte ziemlich hoch. Der Heavy Metal Motor kommt hier schon einmal gehörig auf Touren, hätte aber noch einen kleinen Kick mehr Zunder vertragen. Aber sind wir nicht undankbar, denn...

...schon der nächste "Long, long Way to go" schlägt zielgenau ein wie der Fußball in Nachbars Küchenfenster. Hier kreischen die Gitarren um die Wette und auch Blackie beißt ein ums andere Mal hart ins Mikro.

Und schon wieder alles aus? Da säuseln mir sanfte Klänge ans Ohr, die hinter "Take me up" zunächst eine harmlose und mehr noch zahnlose Ballade vermuten lassen. Aber keine Angst, der Meister der Power-Balladen schlägt nach wenigen Augenblicken gnadenlos zu und schafft es mühelos auch die härtesten Herzen zu erweichen.

Klassisch, schnörkellos und Rock'n'Roll in Reinkultur, so könnte man "The burning Man" kurz und schmerzlos beschreiben.

Mit bekanntem Western-Intro mausert sich das über sieben Minuten lange "Heaven's hung in Black" schnell zu einem Highlight des Albums. Einmal mehr erweißt sich der amerikanische Hüne am Mikro als Spezialist für Power-Balladen und zieht auch hier wieder sämtliche Register seines Könnens und seiner Erfahrung. Hier regiert Härte und Gefühl, jedoch absolut fett- und schmalzfrei. Und wer schon von ersten Gitarrensolo hin und weg ist, der sollte bis zum Schluss warten, wenn das wahre Megabrett kommt.

Wer jetzt denkt, Blackie hätte seine Munition schon verschossen, der wird mit dem recht flotten "Heaven's blessed", dem tierisch groovenden "Teacher", dem Nachschlag "Heaven's hung in Black (Reprise)" und schließlich dem Rausschmeiser par excellence "Deal with the Devil" eines Besseren belehrt.

Auch wenn ich geneigt bin, sofort eine Wiederholung zu starten, so bleibt mein Blick zunächst auf dem Zählwerk hängen, das es nicht einmal auf 44 Minuten geschafft hat. Hier ist dem Meister für heutige Zeiten eindeutig etwas zu früh die Luft und Lust am dominieren ausgegangen.

Fazit: Eigentlich ist es egal, auf welchem Trip sich Blackie zur Zeit befindet. Wenn er auch beim nächsten Mal wieder eine ähnliche Leistung abliefert, setze ich mich gerne für die Legalisierung seiner Lieblingsdroge ein.
Es ist nur Schade, das es so lange gedauert hat, bis er sich auf seine tatsächlichen Stärken besinnen konnte. Eigentlich war er schon vor über zehn Jahren inhaltlich bei der Sache als er die Amerikanische Tagespolitik auf's Korn nahm, wie auch jetzt wieder. Doch musikalisch musste eben noch die eine oder andere Umleitung (da sage ich nur Ken Hensley) abgefahren werden, bis er wieder auf die Hauptstraße zurück gefunden hatte. Jetzt freuen wir uns und rufen: "Blackie is back!"

Tipp:
 Ein Blackie in längst vergessener Höchstform beweist, dass er noch lange nicht auf's musikalische Abstellgleis geschoben werden möchte. Da lohnt sich das genauere Hinhören allemal.

Titel-Liste:
 
  1. Mercy
  2. Long, long Way to go
  3. Take me up
  4. The burning Man
  5. Heaven's hung in Black
  6. Heaven's blessed
  7. Teacher
  8. Heaven's hung in Black (Reprise)
  9. Deal with the Devil

Laufzeit:
 43:26 Min.


Probehören und Kaufen:
W.A.S.P.: Dominator

 
 
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