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Review: Wizard
 
GOOCHAN

Album:
 GOOCHAN, 2007, Massacre

Stil:
 True Metal

Wertung:
 6,5 von 7
6,5 von 7 Punkten
 J.G., 08.04.2007

Review:
 Ihr letztes Album MAGIC CIRCLE ist kaum zwei Jahre alt, da präsentieren die vier Wizards aus Bocholt bereits den Nachfolger, ein Konzept-Album namens GOOCHAN.
Wer ist Wizard? Tja, an was mag es wohl liegen, dass manche Bands erfolgreicher sind als andere. Wenn die Musiker ihr Handwerk beherrschen, wenn der Stil und die Qualität der Songs annähernd gleich ist, wenn ein namhafter Produzent wie Denis Ward eingebunden wird, wenn das Label stimmt, ist letztlich alles für die Katz, wenn die Beziehungen an den entscheidenden Stellen fehlen.
Schade, denn Wizard hat eigentlich zur gleichen Zeit wie Hammerfall die Musikszene betreten und "tritt" seit damals mehr oder weniger auf der Stelle. Und Hammerfall? Nun die Erfolgsstroy sollte den meisten bekannt sein...
Auch das neue Werk GOOCHAN ist ein Keulenschwinger aller erster Klasse und sogar noch einen gehörigen Tick besser als das bereits sehr solide Album MAGIC CIRCLE.

Nach nur kurzem Intro startet "Witch of the enchanted Forest" mit brutalem Riffing und einem Drum-Teppich, der den Acker kräftig umpflügt. Es wird dabei jedoch nicht auf Melodik und Eingängigkeit verzichtet. Diese Hymne mit Doppelrahmstufe bleibt trotz üppigem Fettgehalt schon nach wenigen Augenblicken im Gedächtnis. Wer genau hinhört, wird auch gezielte Tritte in Richtung der Konkurrenz Hammerfal und Manowar entdecken.
Trotz mehr als fünf Minuten Power folgt mit "Pale Rider" gleich die nächste Hymne, die sich gewaschen hat. Hier schaffen es die Jungs aus Bocholt sogar, den Refrain noch bombastischer auszugestalten, als das ohnehin schon dicht gestrickte übrige Songgerüst. Nach viereinhalb Minuten darf man nach einem genialen Break etwas verschnaufen und Sven D'Annas Gesang genießen bevor der Song wieder auf den Hauptweg zurückkehrt.
Steigerungen sind jederzeit möglich. So wird für "Call to the Dragon" nochmals der Tempomat nach oben korrigiert und der Hymnenfaktor mit fetten Chören aufgepuscht. Die Drum-Attacken sorgen für letztlich dafür, dass auch die in der letzten Reihe inzwischen gemerkt haben sollen, worher die Äxte und Keulen fliegen.
Nach so viel brachialer Gewalt kommt es sehr gelegen, dass "Children of the Night" mit seiner etwas ruhigeren atmosphärischen Stimmung den Blutdruck wieder auf gesunde Werte absinken lässt. Hier macht es einfach tierisch Spaß sich treiben zu lassen und ab und an den Refrain mit seinem eigenen Gekrähe anzureichern.
Bei "Black Worms" hat man sich auf alte Teutonen-Themen besonnen, die schon Grave Digger zum Besten gaben und einen reinrassigen Up-Tempo-Knaller auf die Bühne genagelt. Nicht zum letzten Mal zeigt Sven, was seine Stimmbändern hergeben und seine drei Mitstreiter zeigen ebenfalls vollen Einsatz beim Niederknüppeln von allem, was sich ungeschützt in den ersten Reihen bewegt.
Na hoppla, für "Lonely in Desert Land" werden sogar Rammstein-Industrial-Riffs abgefeuert, die zumindest ebenso gut zünden, wie die Pyro-Show der eigentlichen Herren. Aber ein paar Riffs machen noch lange kein Cover und deshalb ist noch genügend eigene Substanz im Kessel, um die Suppe nicht zu verwässern.
"Dragon's Death" pflügt wieder mit Volldampf metertiefe Furchen in das bereits mit Kratern übersähte Schlachtfeld. Iced Earth und Jon Schaffer-Fans aufgepasst, das würde euch bestimmt gefallen.
Sanfte Akustik-Gitarren sind bei "Sword of Vengeance" quasi die Ruhe, bevor der Wirbelsturm losbricht. Wildes Drum-Gewitter und Gitarren-Blitze lassen jeden zunächts in Deckung springen. Auch Sven durchbricht alle Grenzen und bedient die tiefen Tonlagen ebenso wie ungeahnt hohe Halford-Lagen. Judas Priest wären sicherlich stolz (oder neidisch?) auf die vier Wizards. "Painkiller is still alive".
Wir nähern uns langsam dem Ende und bekommen immer noch keine Chance zum Verschnaufen. "Two Faces of Balthasar", ist genau die Kost, die auch Andys Brainstorm in ihrer besten Zeit abgebrannt haben, jedoch ohne den hier gebotenen True Metal Bombast.
Und dann ist es leider schon so weit, "Return of the Thunder Warriors" läutet die Schlussrunde ein. Nach wenigen Augenblicken dürfte klar sein, allen Balladen-Fans bleibt auf diesem Album das Maul sauber, denn der Schlussakt ist eine mächtige True Metal-Hymne, wie ich sie mir von Manowar gewünscht hätte. Aber nicht nur musikalisch sondern auch textlich bewegt man sich im gleichen Fahrwasser. Ich sage nur: "...with the might of the hammer, the bow, axe and sword...".
Als kleinen Bonus gibst noch ein Make of-Video zur Foto-Session und den Video-Clip zu Return of the Thunder Warriors. Genau das Poliermittel für ein messerscharfes True Metal-Schwert.

Fazit: Wenn auch nicht gänzlich ohne Klischees, so zeigen Wizard einmal mehr, wie True Metal aus Teutonenstahl geschmiedet sein muss. Hier werden viele kleine Sahnestückchen aus der Szene, und seien es Gesangseinlagen, die einem Rob Halford zur Ehre gereichen oder knackiger True Metal den Grave Digger noch heute zelebriert oder gar feurige Rammsteim-Industrial-Riffs zu einem eigenständigen Gesamtpaket geschnürt an dem sich auch Genre-Primadonnen wie Manowar die Zähne ausbeißen dürften.
Selbst wenn sie weiterhin die goldene Himbeere für ihren Bekanntheitsgrad kassieren werden, so haben sie musikalisch Doppel-Platin verdient!

Tipp:
 True Metal-Fans aufgepasst! Hier gibt es beinharte Kost, die wegen permanenter Knüppel-Gefahr unbedingt einen guten Helm erfordert. Schiebt die Hammerfall-Alben etwas zur Seite, schmeißt Manowar in den, naja, ihr wisst schon wohin... und legt Wizard auf. Ich hab's nicht bereut!

Titel-Liste:
 
  1. Witch of the enchanted Forest
  2. Pale Rider
  3. Call to the Dragon
  4. Children of the Night
  5. Lonely in Desert Land
  6. Dragon's Death
  7. Sword of Vengeance
  8. Two Faces of Balthasar
  9. Return of the Thunder Warriors

  10. - - - Video-Clips - - -
  11. Making of...
  12. Return of the Thunder Warriors

Laufzeit:
 54:31 Min.


Probehören und Kaufen:
Wizard: Goochan (Ltd.ed.)

 
 
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